Aufsatz 
Notizen zur Culturgeschichte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts : mit besonderer Beziehung auf Frankfurt a. M. / von Wilhelm Seibt
Entstehung
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- 25.

Tochter des Johann Theodor, Maria Magdalena, feſſelte durch ihre Schönheit den Basler Matthäus Merian bei ſeinem Beſuche der Familie de Bry ſo unwiderſtehlich, daß er ſeine Reiſe nach Italien aufgab. Merian feierte ſeine Hochzeit mit Maria Magdalena zu Oppenheim im Jahre 1619, kurz vor der Wiederaufnahme Johann Theodors als Frankfurter Bürger, aber nicht erſt 1626, wie Dr. jur. F. Scharff in obengenannter Abhandlung S. 301 angibt, denn Matthäus Merian der Sohn wurde ſchon 1621 zu Baſel geboren, deſſen Schweſter Maria Eliſabeth 1625 zu Frankfurt.

Das ſehr ſelten gewordene Stamm⸗ und Wappenbüchlein von Theodor de Bry verdient wegen einiger ſeiner für die Culturgeſchichte Frankfurts nicht unwichtigen, zierlichen Kupferſtiche, daß ich ihm in Beilage B eine Beſprechung zu Theil werden laſſe.

Ich kehre zu den Werken des Feyerabend'ſchen Verlags zurück, welche in der Geſchichte der deutſchen Nationallitteratur am meiſten genannt werden; dieſe ſind das ſchon mehrfach erwähnte Heldenbuch(älteſte Ausgabe ohne Ort und Jahr, 2. Ausgabe 1509, Fol., Hagenau durch Heinrich Gran, 3. Ausgabe 1545, o. O., 4. Ausgabe 1560, Fol., Frankfurt a. M. durch Weigand Han und Sigm. Feyerabend, letzte Ausgabe in Quarto, 1590), das Buch der Liebe und die verdeutſchten 24 Bücher des Amadis.

Der vollſtändige Titel der Quartausgabe(letzten) des erſtgenannten Werkes iſt:

Heldenbuch, darinn viel ſeltzamer Geſchichten vnd kurtzweiliger Hiſtorien, von den groſſen Helden vnd Ryſen, Wie ſie ſo Ritterlichen vmb eines Königs Tochter geſtritten haben, Vnd wies jnen zu Wormbs im groſſen vnd kleinen Roſengarten ergangen iſt. Jetzundt durch auß, mit newen Figuren gezieret vnd in vier vnderſchiedliche Bücher abgetheilet, deßgleichen zuvor nie Getruckt iſt, ꝛc. 1590. Getruckt zu Franckfort am Mayn, in verlegung Sigmund Feyerabendt.

Außer dem Holzſchnitt auf dem Titelblatt ſind noch 35 Holzſchnitte von Jobſt Amman und 46 von Virgil Solis in den Text gedruckt. Die dem erſteren angehörigen ſind die vorzüglicheren und werden leicht daran erkannt, daß ſie von querovalen Rahmen mit Eckverzierungen eingeſchloſſen ſind, während die des Virgil Solis viereckige Form haben. Jeder Holzſchnitt iſt von einem ſchönen Paſſe⸗ partout umgeben. Dieſe Abdrücke rühren jedoch nicht von Holzſtöcken her, welche unmittelbar für das Buch verfertigt wurden, ſondern ſie ſind zuſammengeſtellt aus den Illuſtrationen anderer Bücher; ſogar befinden ſich z. B. Figuren von Virgil Solis aus den Verwandlungen des Ovid darunter. Auf die Vorrede folgt auf 5 Blättern eine AbhandlungVon dem Geſchlecht der Helden vnd Ryſen, welche vielleicht von Sigmund Feyerabend ſelbſt herrührt. Koberſtein(Grundriß I., S. 439) nennt dieſelbe als einzige proſaiſche, aber ſehr verworrene Bearbeitung deutſcher Heldenſagen. Sie beſteht in Auszügen aus älteren Gedichten, zum Theil denſelben, die wir kennen, zum Theil anderen(W. Grimm, d. Heldenſage, S. 287 ff.). Im Heldenbuche wirft die untergehende Sonne des deutſchen Volksepos noch einmal ein freundliches Abendroth auf die ihr bald ganz entfremdeten ſpäteren Geſchlechter. Otnit, Hug⸗ und Wolßdietrich, der Roſengarten und der König Laurin wurden umgedichtet und zum letzten Mal in dieſer Ausgabe von 1590 abgedruckt. Wie mangelhaft und ungeſchickt die neue Ab⸗ faſſung auch ſein mag, ſo erfreut ſie immerhin noch durch ihre lebendige und friſche Darſtellung. Ganz beſonders iſt der Durchbruch des Humors hervorzuheben, der ſich in der Zeichnung verſchiedener Figuren, namentlich der des Mönches Ilſan, Hildebrands Bruder, ausſpricht, welcher auf dem Zuge nach Kriemhildens Roſengarten in Worms, ſowie dort während des Kampfes und auf und nach der

Rückfahrt ins Kloſter voll derber Laune die muthwilligſten Streiche begeht. Höhere Bürgerſchule. 4