Aufsatz 
Notizen zur Culturgeschichte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts : mit besonderer Beziehung auf Frankfurt a. M. / von Wilhelm Seibt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

in meiner Jugendt, der Reiſſer, Mahler vnd Formſchneidekunſt nachgezogen vnd in Italien vnd anderer orten durch ſtätige Vebung vnd viel mühe geſehen vnd erfaren was an vmfanglichen Lehrjahren gelegen u. ſ. w. iſt die Vrſach, daſſ man vns in der Jugendt nicht viel guter Stücken Vorgiebt oder vns darein onterrichtet u. ſ. w. Solches, wiewol ich es zu Gemüth geführt, bin ich auf allerley mittel vnd wege bedacht geweſen vnd hab zur anleitung und förderung etliche fürneme Stück, durch den Kunſtreichen vnd weitberümbten Joſt Amman reiſſen laſſen vnd nachmals mit groſſen vnkoſten auffs beſte, ſo immer möglich, ſchneiden laſſen u. ſ. w. Die letzten Worte ſprechen durchaus nicht gegen Sigmund Feyerabend's eigenhändiges Ausüben der Formſchneidekunſt; ſie beweiſen nur, daß er, wie es ſich von ſelbſt verſteht, nicht alle Holzſtöcke für die große Menge der in ſeinem Verlag erſchienenen Bücher allein ſchneiden konnte, ſondern ſich vielfach der Formſchneider von Profeſſion bediente und bedienen mußte, ſo gut wie er ſich oft genug genöthigt ſah, den Druck der Werke anderen Druckern zuverdingen, weil ſeine eigenen Preſſen ſchon vollauf zu thun hatten.

Gwinner ſuchte zuerſt(nach dem Vorgange von C. Becker) das Todesjahr Sigmund Feyer⸗ abend's nach dem Datum der Vorrede zum Heldenbuch:Frankfurt am Mayn, den 28. Martij, Anno 1590 zu beſtimmen, indem noch in demſelben Jahre zum erſtenmal ein Werk im Verlage von Sigmund Feyerabend's Erben erſchienen iſt. Durch Herrn Dr. theol. Steitz wurde dieſe Vermuthung beſtätigt. In den actis eccles. von 1590(Tom. IV, p. 628) heißt es nämlich: Den Oſtertag vmb 8 vren nachmittag ſtarb Sigmund Feyerabend, der alt, war von dem ſchlag troffen, kam doch wieder zu vernunfft, bekennet ſeine ſünde, vereinigt ſich mit ſeinem weyb vnd ſohn, befahl daruff ſeine ſeel Chriſto vnſerem Herrn vnd ſagt austrücklich, er ſey mit vnſerer Kirchen zu⸗ frieden; daß er aber gemeiniglich zu Nürnberg communicirt, hat er gethan vmb der Ceremonien willen, ſo er allezeit geliebee. Er war zu ſchwach darzu, daß er hett in ſeiner Kränke com⸗ municirt. Morienti adfuit Sebastianus(Sigulus). So Gwinner; ſtatt Sigulus iſt jedoch zu leſen: Figulus(Töpfer?) Vergl. Lersner, I, 2. Buch, XVIII. Cap., S. 65:1577. M. Sebaſtian Figulus von Landau, lehrete Dienſtag, Donnerſtag, und Freytag, letzlich predigte er Sonntags zu den Barfüſſern, 1590. Jul. 5.

Gwinner ſagt(Kunſt und Künſtler in Frankfurt, S. 58):Von anderen Gliedern der Famillie Feyerabend iſt zunächſt Carl Sigmund Feyerabend zu nennen, der gleichfalls 1590 als Buchhändler und Verleger erſcheint und allgemein für Sigmunds Sohn gehalten wird, wofür aber kein ge⸗ nügender Beweis vorliegt. Ferner erwähnt Gwinner S. 57 das dieſer Familie angehörende Monument in der Dominicanerkirche, das mit einem Gemälde von Abraham Bloemaert, die Erweckung des Jünglings von Nain vorſtellend, geziert war. Aber dem fleißigen Forſcher iſt merkwürdiger Weiſe die von Lersner I, 2. Buch, Cap. XLIV, S. 126 aufgezeichnete, in ſeltſamem Latein abgefaßte Inſchrift dieſes Grabmals entgangen, welche alſo lautet:

1590. Vive memor mortis, memor ut sis, Sigismundus Feierabend V. C. bene de se, bene de litteris omnibus merito ejusque costæ Mariæ Magdal. Berghaimerin. P. P. P. P. M. H. P. F. F. Hac XX. Jun. illo XX. April. an. MDXC. decedentibus Carolus Sigismundus Fil. & Cuno Widerhold, gener.