Aufsatz 
Notizen zur Culturgeschichte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts : mit besonderer Beziehung auf Frankfurt a. M. / von Wilhelm Seibt
Entstehung
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und Prediger. D. Mart. Luther MDLIII, und bezeichnete die meiſten Holzſchnitte darin mit ſeinem Monogramm B.(Gwinner, Zuſätze, S. 29.)

Weitaus der berühmteſte und auch im Auslande bekannteſte aller Frankfurter Buchdrucker dieſer Periode iſt Sigmund Feyerabend. Er ſtammte aus einer angeſehenen Familie aus Hall in Schwaben und wurde 1527*) nach C. Becker's Angabe in Heidelberg, nach Gwinner in Frankfurt a. M. ge⸗ boren. Die Menge der von ihm, häufig in Gemeinſchaft mit ſeinen Verwandten oder in Verbin⸗ dung mit vielen anderen hieſigen Druckern herausgegebenen Werke iſt eine wahrhaft koloſſale.

Sehr viele enthalten Holzſchnitte, faſt alle ſind wenigſtens mit einem ſehr ſchönen Drucker⸗ zeichen verſehen, von welchen es mannigfache Varianten gibt. Alle Mitglieder der Familie Feyerabend haben als Zeichen eine Fama.

Unter den am ſchönſten ausgeſtatteten Drucken der Feyerabend ſind außer den Bibelausgaben vorzugsweiſe Reinecke Fuchs, Fronsperger's Kriegsbuch, das Turnierbuch, das Heldenbuch, das Buch der Liebe, die Bücher des Amadis, die Künſtler und Handwerker, Fugger's Buch von der Geſtüterei, das Wappenbuch, das Kunſt⸗ und Lehrbüchlein, die Jagdbücher, die Reiterkunſt, das Stamm⸗ und Geſellenbuch, das Trachtenbuch der katholiſchen Geiſtlichkeit, das Frauentrachtenbuch und das Karten⸗ ſpielbuch hervorzuheben.

Sigmund Feyerabend ließ, wie auch ſeine Söhne es zugleich mit ihm und nach ſeinem Tode noch thaten, durch die beliebteſten Künſtler der Zeit, Virgil Solis, Jobſt Amman, Chriſtoph und Tobias Stimmer, Chriſtoph Maurer, Georg Keller u. a. Zeichnungen und Holzſtöcke für ſeinen Verlag fertigen. Die meiſten derartigen Arbeiten haben Virgilius Solis und Jobſt Amman geliefert.

Eine alte Ueberlieferung beſagt, daß Sigmund Feyerabend auch in Holz geſchnitten habe. Ihm wird mit großer Wahrſcheinlichkeit das Monogramm S. F. zugeſchrieben. Auch von ſeinem Vater Johann, ſeinem Sohne Carl Sigmund und mehreren andern Mitgliedern der Familie ſollen Holz⸗ ſchnitte herrühren. Gwinner führt hierfür folgende Stelle aus der von Sigmund Feyerabend verfaßten Dedication des Werkes: Insignia S. C. Majestatis, Principum Electorum, etc., zum Beweiſe an, daß der vielbeſchäftigte Mann auch als Maler thätig war:Trahit sua quemque voluptas, ego solus exemplo et testimonio esse potero, qui circa immensas in re typographica sumptus 3 gravissimasque curas inprimis Picturæ cum magna animi voluptate studeo atque adeo me non pœnitet istorum vel sumptuum vel laborum, vt indies novo et pingendi et sculpendi studio me oblectem. C. Becker's Bedenken, Sigmund Feyerabend habe wohl wegen ſeiner aus⸗ gedehnten Verlagsgeſchäfte zum Formſchneiden keine Zeit gehabt, iſt wenig ſtichhaltig. Den berühmten Drucker und Verleger Johann Froben in Baſel(geb. 1460 zu Hammelburg in Franken) hielt ſein Beruf nicht ab, als Metallſchneider(Chalcographus) nach Holbein's Zeichnungen thätig zu ſein. Mit dem Holzſchnitt hat der Metallſchnitt die größte Aehnlichkeit, denn bei beiden bleibt die Zeichnung erhaben ſtehen, während bei dem Kupferſtich die Linien in die Platte vertieft eingegraben werden. Am beſtimmteſten und klarſten ſpricht ſich Sigmund Feyerabend in der anHanſen vnd Eliſen Lenckern Gebrüdern, Goldarbeitern vnd Bürgern zu Nürnberg gerichteten Widmung des Lehr⸗ und Kunſtbüchleins(durch Jos Aman von Zürych. Im 1578 Jar) aus:....denn ich etliche Jarlang

*) Das Alter Sigmund Feyerabend's wird angegeben durch die Inſchrift auf ſeinem von Jobſt Amman radierten Porträt: Sigismvndvs Feierabendt bibliopola, ætatis suæ 42. Anno 1569; auf der von Valentin Maler verfertigten Medaille mit Feyerabend's Bruſtbild: Sigismvndvs Feierabend Eta: 57. 1585.