Aufsatz 
Notizen zur Culturgeschichte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts : mit besonderer Beziehung auf Frankfurt a. M. / von Wilhelm Seibt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

übergehende Thätigkeit fremder Drucker vor ihm, welche ſich kurze Zeit in Frankfurt aufgehalten haben, findet man bei Gwinner. Ich laſſe hier Egenolph's Autograph folgen, welches ſich auf dem Titelblatt eines defecten Exemplars folgenden Werks befand: Luciani Samosatensis opera, quæ duidem exstant omnia, e sræco sermone in latinum partim jam olim diuersis autoribus,

*

Martio, Anno M. D. XXXVIII). Leider war der intereſſante Druck, als ich ihn zu Geſicht bekam,

2 DA⸗ Heu: emg Cs Egrr p he⸗

Von Hermann Gülfferich, welcher eine Druckerei im Hauſe zum Krug L 82(10 neu) in der Kruggaſſe(die Büchertitel gebenSchnurgaſſe an) gegründet hatte, ſagt Gwinner S. 53, derſelbe habe am 14. Auguſt 1540 als Buchbinder den Bürgereid geleiſtet, ſich aber, wie es ſcheine, zu Höherem berufen gefühlt. Gwinner überſieht, daß in damaliger Zeit das Handwerk, welcher Art es ſein mochte, ſobald es nur einer künſtleriſchen Veredlung fähig war, nicht mit dem Maßſtabe des Niederen oder Höheren gemeſſen wurde. War nicht der ausgezeichnete plaſtiſche Künſtler Peter Viſcher ſeines Gewerbes Rothgießer zu Nürnberg? Etienne Roffet oder Roufet, genannt le Faulcheur(1535 bis 1548), welcher in Paris verſchiedene Werke mit ſchönen Holzſchnitten druckte, warlibraire et relieur du roi. Ich könnte noch mehrere ſolche Beiſpiele anführen. Hat ja doch ſchon im vorigen Jahrhundert Profeſſor Joh. Salomo Semler(in ſeinen Sammlungen zur Geſchichte der Form⸗ ſchneidekunſt in Teutſchland, Leipzig 1782) die künſtleriſche Bedeutung der Einbände des 16. Jahr⸗ hunderts erkannt, ihre Vorzüge hervorgehoben und ſich der Mühe nicht verdrießen laſſen, die Orna⸗ mente und Figuren von 227 Bänden zu beſchreiben. In den Gewerbmuſeen verſchiedener Länder befinden ſich Sammlungen intereſſanter Buchdeckel aus dieſer Periode, und in tüchtigen Gewerbſchulen,

namentlich in England, läßt man die Schüler die Verzierungen dieſer Einbände zum Studium und zur Verwerthung in der Praxis abzeichnen.

Gwinner's Aufzählung von Gülfferich's Drucken wird vermehrt durch die von den Heraus⸗ gebern dem Meßmemorial Michel Harder's beigefügte Überſicht. Daſelbſt ſind mit ihren voll⸗ ſtändigen Titeln noch folgende Bücher angegeben: 1. Fortunatus S. XI, 2. Das groß Planeten Buch S. XIII und 3. Jacob Köbel's Rechenbüchlein S. XIV. A. F. Didot gedenkt(Spalten 299 300) einer im Basler Muſeum aufbewahrten Bibel von 1554(das neue Teſtament ohne Datum, mit Ausnahme der Apokalypſe, welche die Jahrszahl 1553 trägt) gedruckt in Frankfurt durch Hermann Gülfferich. Die Holzſchnitte im alten Teſtament ſollen Copien(von der Gegenſeite) nach Holbein ſein. Didot glaubt ſogar, die Holzſchnitte des neuen Teſtaments und der Apokalypſe für identiſch mit denen der Wolff'ſchen Ausgabe halten zu können. Dieſe Annahme hat keine große Wahrſcheinlichkeit für ſich; es wäre zu unterſuchen, ob ſich Didot nicht durch das Monogramm des Hans Broſamer dazu verleiten ließ, welches oft irrthümlich für das Holbein's angeſehen wird. Hans Broſamer illuſtrierte mehrere Drucke Gülfferich's, z. B. denCatechismus für die gemeine Pfarrherr

3