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Die Frankfurter Meſſen gewannen für den Buchhandel immer größere Wichtigkeit. Seit dem Jahre 1526 bezogen ſie nicht blos deutſche und ſchweizer, ſondern auch franzöſiſche und belgiſche Buchhändler, wiewohl ſchon damals Leipzig Frankfurts gefährlichſte Rivalin war, welche, von ihrer Univerſität und der ſächſiſchen Regierung unterſtützt, im folgenden Jahrhundert die Buchhändlermeſſe ganz an ſich riß. Oscar Haſe macht übrigens die treffende Bemerkung:„Man darf nicht glauben, daß der Buchhandel ſich nun beſchränkt habe, zweimal jährlich ſich mit Schätzen zu beladen und dieſe nach und nach abzuſetzen.“*)— Der erſte Meßkatalog wurde 1564 von dem Augsburger Georg⸗ Willer veranſtaltet und in Frankfurt bei Nikolaus Baſſäus(Baſſe) gedruckt.
Die Qullereien der Cenſur trugen ſehr viel zum Verfall des hieſigen Buchhandels bei. Schon 1486 hatte der Erzbiſchof Berthold von Mainz durch den Frankfurter Dompfarrer, welchem der Rath zwei Rechtsgelehrte beiordnete, eine Unterſuchung der auf den Meſſen feilgebotenen Bücher an⸗ geordnet. In der Folge wurde mehrfach an den Rath das Anſinnen gerichtet, daß er entſchiedener gegen die Preßfreiheit einſchreite, allein erſt unter Rudolf II., welcher auf Anſtiften der Jeſuiten eine eigene Büchercommiſſion für Frankfurt einſetzte, richtete eine parteiliche und gewaltthätige Cenſur den hieſigen Buchhandel zum Vortheil Leipzigs zu Grunde, freilich nicht mit der Abſicht, der Neben⸗ buhlerin Frankfurts zu nützen, welche damals noch gegen dergleichen Bedrückungen geſchützt war. Einer der berüchtigſten Frankfurter Cenſoren war Erſtenberger, Dechant im Leonhardsſtift.
Wie ſchon erwähnt, zeichnen ſich die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts maſſenhaft zu Frankfurt gedruckten Werke durch ihre reichen Holzſchnitt-⸗Illuſtrationen aus. Jedenfalls ſchloß ſich dem Buchhandel der Kunſthandel an, was Holzſchnitte und Kupferſtiche betrifft, welche nicht für Bücher verwendet wurden. Wohl ſind dergleichen Blätter durch reiſende Künſtler verbreitet worden, allein das zahlreiche Vorhandenſein deutſcher Kupferſtiche und Holzſchnitte im Auslande ſpricht doch für den Abſatz derſelben durch den Buchhandel. Michelangelo malte ſein erſtes Bild nach dem Kupferſtiche Martin Schongauer's, die Verſuchung des heiligen Antonius darſtellend.**) Schon vor dem Austauſch von Handzeichnungen und Kupferſtichen, welcher zwiſchen Dürer und Rafael ſtattfand, hatte der letztere viele Blätter von deutſchen Meiſtern in ſeinen Ateliers.***) In den Niederlanden und in Italien wurden die Holzſchnittwerke und Kupferſtiche Dürer's copiert, und nach dieſen und den Stichen der deutſchen Kleinmeiſter, ſowie nach den Compoſitionen Rafaels, von Künſtlern aus deſſen Schule ge⸗ ſtochen, verfertigten viele Maler in Limoges ihre ſchönſten, jetzt ſo ſehr geſuchten und theuer bezahlten Emailbilder. †)
Aber auch zur Ausſtattung der Bücher liehen die Drucker Deutſchlands und der Schweiz ihre Holzſtöcke mit bildlichen Darſtellungen oder Randleiſten und anderen Verzierungen ihren franzöſiſchen Kunſtgenoſſen, namentlich denen in Lyon und Paris.
*) Manche deutſche Buchhändler hatten auch im Auslande Niederlagen; ſo berichtet Neudörffer von Anthoni Koburger:„Auch hatt er an fremden Orten ſeine Factores in nahmhafften Städten der Chriſtenheit, 16 offene Cräm und Gewölber, da ein jedes, wie leichtlich zu gedencken, mit mancherlei großer Meng Bücher ſtaffiret muß geweſen ſein.“ Namentlich hatte er eine Commandite in Paris. Schon Fuſt und Schoeffer ließen vielfach Geſchäfte in Paris machen; Schoeffer war 1475 ſelbſt in Paris.(Vergl. Oscar Haſe, die Koburger, S. 58— 63; Falkenſtein, Geſchichte der Buchdruckerkunſt, 2. Ausg. S. 145 u. 146.).
**) Herman Grimm, Leben Michelangelo's, 2. Aufl., S. 62. ***) J. D. Paſſavant, Rafael I, S. 181(Lodovico Dolce Aretino, Dialogo della Pittura). †) De Laborde, Notice des Emaux, etc., Paris 1857.— F. Kugler, Berliner Kunſtkammer, S. 132— 153.


