Aufsatz 
Notizen zur Culturgeschichte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts : mit besonderer Beziehung auf Frankfurt a. M. / von Wilhelm Seibt
Entstehung
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von dannen gen Stocken(Starkem), das iſt Lütiſch, da hetten wir ein hübſche Herberg und blieben do über nacht, und verzehrten 4 weiß pf.

Und als wir über die Mas gefahren warn machten wir uns am Erichtag frühe auf und kamen gen Merten, Lewbehrn(?), da aſſen wir zu Morgen, und verzehren 2 Stuber, und geb ein weiß pf. umb ein Jung hun. Darnach fuhren wir über die Heyden weyter, und kamen zum Stoſſer, da verzehret wir 2 Stüber, und lag do über nacht. Darnach fuhren wir am Mittwoch frühe gen Mer⸗ peck, da kaufft ich für 3 Stuͤber Brodt und wein, und fuhren bis zu der Brantenmühl, da aſſen wir zu Morgens und verzehren 1 Stüber, darnach fuhren wir bis gen Eulenberg, do lag wir über⸗ nacht und verzehren 3 Stüber 2 pf., darnach fuhren wir am Pfintzag frühe gen dem Creutz, da aſſen wir zu Morgens und verzehrten 3 Stüber 2 Pfen.

Darnach fuhren wir gen Antorff(Antwerpen), da kam ich in die herberg zum Jobſt Planckfelt, und demſelben abend ludt mich der Focker(Fugger) Factor, mit nahmen Bernhart Stecher gab uns ein Köſtlich Mahl. Aber mein Weib in der Herberg und dem Fuhrmann hab ich für unſer 3 Perſon*) zu fuhren geben 3 fl. an Goldt, und den Staber hab ich geben von Güttern zu fahren.

Es iſt nicht meine Abſicht, alle Zweige des Frankfurter Gewerbfleißes und Handels in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hier aufzuzählen; nur der großen Thätigkeit auf dem Gebiete der Buchdruckerkunſt und des in Folge derſelben zunehmenden Aufſchwunges des Buchhandels will ich noch gedenken. Kirchner gibt im II. Theil ſeiner Geſchichte der Stadt Frankfurt a. M., S. 451 bis 457 einen Überblick davon.**)

Es verſteht ſich von ſelbſt, daß in der früheſten Zeit die Buchdrucker ſelbſt für den Abſatz ihrer Erzeugniſſe ſorgen mußten, daß ſie alſo zugleich Drucker, Verleger und Buchhändler waren, und daß ihnen, wie den Kupferſtechern und Formſchneidern zum Verkauf ihrer Blätter, die Jahrmärkte, Meſſen und Kirchenfeſte die beſte Gelegenheit zum Feilbieten ihrer Bücher gaben. Später, man nennt ge⸗ wöhnlich das Jahr 1519, entwickelte ſich als beſonderer Zweig der Buchhandel, nämlich das, was man damalsdie Bücher verführen nannte. Der eigentliche Buchhändler hieß davonBuch⸗ führer; in vielen Fällen blieben aber Druck, Verlag und Vertrieb in einer Hand. Thomas Platter, der bekannte Basler Gelehrte und Buchdrucker(1499 1582) erzählt in ſeinem von ihm ſelbſt ver⸗ faßten Leben,***) S. 90:Do wurden alſo unſer vier gmeinder, Oporinus, Ruprecht, Balthaſar und ich, koufften dem herren Andres Cratander ſin werchzüg ab. Dan er und ſin ſun Polycarpus waren buchfierer) worden, die will ſin frow nit mer mit der ſudlery, wie ſy ſagt, wolt umb gan. Den großten Abſatz fand, wie geſagt, der Buchhandel auf den Meſſen; feſtſtehend an einem Orte gegründete Buchläden brachten nicht immer Gewinn, wie Thomas Platter's Erfahrungen darthun. Er berichtet darüber S. 94: dem verdingwerch ſchuff ich min nutz.... Ich was aber zhuß zum thor uff der Iſengaſſen, do hatt ich ein laden, hat bisher ouch feill, aber ich gwan daran nit

*) Außer ſeiner Frau hatte Dürer auch noch ſeine Magd Suſanna auf die Reiſe mitgenommen. **) Vergl. auch Geſchichte der Buchdruckerkunſt von Dr. Karl Falkenſtein. Leipzig 1840. S. 203 205. ***) Thomas Platter und Felix Platter. Zwei Autobiographieen, herausgegeben von Dr. D. A. Fechter. Baſel, 1840. 3 ) Auch Georg Harder gibt in ſeinem Meßmemorial(12 b) einem ſeiner Kunden, dem Albrecht von Grüningen, das PrädicatBuchführer.