Aufsatz 
Notizen zur Culturgeschichte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts : mit besonderer Beziehung auf Frankfurt a. M. / von Wilhelm Seibt
Entstehung
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ohne die engliſche in Belgien gedruckt worden war. Da dieſes Werk nicht blos in ſprachlicher, ſon⸗ dern auch in culturhiſtoriſcher Hinſicht intereſſant iſt, und unſere Schüler daraus lernen können, daß ſchon damals Gewerbtreibende und Kaufleute ſich des Sprachſtudiums befleißigen mußten, ſo werde ich als Beilage A einige Proben daraus geben.

Welchen Gefahren und Mishandlungen der reiſende Kaufmann im Mittelalter und auch noch ſpäter ausgeſetzt war, und wie ſehr er unterwegs des Schutzes, des ſogenannten Geleites, bedurfte, erhellt aus der ſchon oben angeführten Abhandlung von Dr. Kriegk. Ein recht anſchauliches Bild von den großen Mängeln der Verkehrsmittel und den Zollplackereien jener Zeiten gibt uns Albrecht Dürer in ſeinem Tagebuche, welches er über ſeine Reiſe in die Niederlande führte.*) Er unternahm 1520 dieſe Reiſe gleichſam als Handelsmann, um für die Erzeugniſſe ſeiner Kunſt, insbeſondere für ſeine Kupferſtiche und Holzſchnitte einen beſſeren Markt zu ſuchen. Er gelangte am erſten Tage (Donnerstag den 12. Juli) von Nürnberg über Erlangen nach Baiersdorf, wo er übernachtete, am zweiten über Forchheim, wo er neues Geleit nahm, nach Bamberg, woſelbſt ihn der Biſchof freund⸗ lich aufnahm und ihm als Gegengeſchenk für ein Olbild, ſowie für eine anſehnliche Anzahl Kupfer⸗ ſtiche und Holzſchnitte einen Zollbrief und drei Fürderbriefe(Empfehlungsſchreiben) ſchenkte, wofür er jedoch an die Kanzlei des Biſchofs einen Gulden zahlen mußte. Indeſſen gereichte ihm der Zoll⸗ freiheit gewährende Brief des Biſchofs zu großem Vortheil, denn auf dem Wege zwiſchen Bamberg und Frankfurt befanden ſich nicht weniger als ſechs und zwanzig Zollſtätten, an deren jede er zwei Goldgulden hätte zahlen müſſen. Ich will hier den Künſtler ſelbſt reden laſſen, ſoweit er die Er⸗ lebniſſe ſeiner Reiſe von Frankfurt nach Antwerpen erzählt(Reliquien, S. 75 79).

Darnach kamen wir gen Franckfurth und zeiget aber mein Zol Brieff da ließ man mich fahren und ich verzehret 6 Weiß Pfenning und anderthalben Heller, und den Buben 2 Weiß Pfenning, und zu Nachts verzehret 6 Weiß Pfenning. Auch ſchenket mir Jakob Heller**) den Wein, in die Her⸗ berg, und ich hab mich verdiengt, mit meinem Guth, von Franckfurth gen Mentz zu fahren umb I fl. vnd zween Weißpf. Mehr hab ich dem Buben geben 5 franckfurther heller, ſo hab wir zu Nachts verzehret VIII Weiß⸗Pfenning. Alſo fuhr ich im Früheſchiff von Franckfurth am Sontag gen Menz und kamen Im Mittelweg gen höſt(Höchſt) da wieß Ich mein Zolbrief do ließ man mich fahren auch verzehrt ich da acht Franckfurther pf. von dannen fuhren wir gen Menz. Aber hab ich außgeben 1 weißpf. auszuladen. Mehr 18 pf. für die Güter. Mehr hab ich mich aufgedingt Ins Cölner⸗ Schiff mich mit meinen Dingen umb III fl. Auch hab ich zu Menz verzehret XVII weißpf. Item Peter Goldtſchmidt Ihr warthein, hat mir zwo Flaſchen wein geſchenckt, ſo hat mich Veith Farnpühler geladen aber ſein Wirth wolt kein zahlung von Im nehmen ſondern ſelbſt mein Wirth ſeyn und ſie bewieſen mir viel Ehr alſo ſchied ich von Menz do der Mayn in Rein laufft und es war am Mondag nach Magdalenä, auch gab ich um Fleiſch ins ſchiff 10 heller, und für Ayr und Pirn 9 heller geben. Auch hat mir da geſchenckt Leohnhardt Goldſchmidt, den Wein und Vögel ins Schiff, auff Cöln zu kochen. Auch hat mir Meiſter Jobſten Bruder ein Flaſchen mit Wein geſchenkt, Auch haben mir die Maler 2 Flaſchen mit Wein geſchenckt ins Schiff. Darnach wir gen

*) Reliquien von Albrecht Dürer. Nürnberg, Campe. 1828. **) Albrecht Dürer malte bekanntlich die Himmelfahrt Mariä für Jakob Heller, welcher 1509 dieſes Bild in die Dominicanerkirche zu Frankfurt ſtiftete.