Aufsatz 
Notizen zur Culturgeschichte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts : mit besonderer Beziehung auf Frankfurt a. M. / von Wilhelm Seibt
Entstehung
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1525) kann in einer Blütezeit des Handels nicht auffallen. Jena bedurfte, wie es ſcheint, der Unter⸗ weiſung in der Höflichkeit, wie aus der dorthin abgeſetzten Anzahl von Exemplaren von Dedekind's Grobianus, verdeutſcht durch Caspar Scheidt, hervorgeht(Meßmemorial, S. VIII). Die vielfach verkauftenTeufel, der Saufteufel, Hofteufel, Eheteufel, Spielteufel, Fluchteufel ꝛc. ꝛc., zeigen uns die Schattenſeiten der Sitten damaliger Zeit. Trunkſucht, Fluchen und Spielen ſind uns hinlänglich bekannt als im 16. Jahrhundert herrſchende Laſter durch die Schilderungen der Autobiographie des Bartholomäus Saſtrow(herausgegeben von Mohnike, Greifswald 1823, 3 Th.) und der des ſchle⸗ ſiſchen Ritters Hans von Schweinichen(herausgegeben von Büſching, 1820). Gegen die Hoffart und Kleiderpracht richteten ſich zahlreiche Verordnungen der Obrigkeiten, und es donnerte dagegen die Beredtſamkeit der Prediger von der Kanzel herab, welchen auch die Ehre der Erfindung des Titels Teufel gebührt. So iſt z. B. der Hoffartsteufel von Herrn Magiſter Joachim Weſtphal*); auch Herr Magiſter Johann Strauß widmete in einer Predigt der Pumphoſe, dem Wamms und der Puff⸗ jacke eine eingehende Beſprechung, und Oſiander eiferte gegen die kurzen Mäntel und gegen die auf⸗ wärtsſtrebende Frauenfriſur, welche er mit einemSäuhag vergleicht.

Frankfurt war ſchon im 14. Jahrhundert der Mittelpunkt des deutſchen und ein Hauptplatz des europäiſchen Handels.**) Trotz aller Plackereien und Gefahren, welchen die Kaufleute während des ganzen Mittelalters durch hohe und niedrige Wegelagerer ausgeſetzt waren, nahm der Verkehr während der Meſſen von Jahr zu Jahr zu. Warenhandel und Geldumſatz erreichten im 16. Jahr⸗ hundert eine glanzvolle Höhe, welche die Bewunderung der meiſten Zeitgenoſſen, aber auch den Groll mancher derſelben erregte. Luther gehörte zu den letzteren und machte ſeinem Unmuth gegen Frank⸗ furt in ſcharfen Worten Luft.

Der Gewerbfleiß hat mehreren Frankfurter Gaſſen ihren Namen verliehen, die zum Theil jetzt nicht mehr gebräuchlich ſind. Die Schnurrgaſſe(Schnarr⸗, Schnorr⸗ oder Schnurgaſſe, Battonn, III. S. 1) wurde ſo genannt von dem Schnurren der Webſtühle. Engliſche Tuchmacher zogen, ihres Glaubens wegen von der fanatiſchen Königin Maria vertrieben, nach Frankfurt. Als ſie, von Eliſabeth zurückgerufen, ſich wieder in England niederließen, riſſen die Engländer bald ganz den Tuchhandel an ſich, bis Kaiſer Rudolf dieſes Monopol im ganzen deutſchen Reiche verbot. Auch dem Rathe von Frankfurt ward die Weiſung, dieſen Handel nicht mehr zu geſtatten. Der Weinhandel, welcher von Frankfurt über Antwerpen nach dem nördlichen Europa betrieben wurde, brachte der Stadt reichen Gewinn. Wenn auch die Verbindung mit den deutſchen Handelsplätzen, namentlich den Hanſe⸗ ſtädten in dieſer Zeit der höchſten Blüte ſelbſtverſtändlich eine ununterbrochene blieb, ſo war doch der Verkehr mit den Niederlanden und vorzüglich mit Antwerpen, als der damals bedeutendſten See⸗ handelsſtadt, der regſte und großartigſte. 1503 erſchienen dort zum erſtenmal die Portugieſen und brachten auf ihren Schiffen die Gewürze und Spezereien Indiens, deren Monopol bis dahin die Brügger Kaufleute gehabt hatten. Die Stadtbehörden Antwerpens nahmen die Portugieſen mit Freuden auf und ertheilten ihnen wichtige Privilegien. Wenig Jahre ſpäter liefen Schiffe, welche unmittelbar von den Canariſchen Inſeln und den Molukken abgeſegelt waren, in der Schelde ein.

*) Jacob Falcke, Die deutſche Trachten⸗ und Modewelt, II., S. 115 u. ff.

**) Dr. G. L. Kriegk, Frankf. Bürgerzwiſte und Zuſtände im Mittelalter, Frankf. 1862.(Die Frankf. Meſſe und Frankf. Geldgeſchäfte und Handelsbanken im Mittelalter.)