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Vortreffliches. Von tüchtiger Behandlung ſind nicht ſelten die Porträtfiguren, zumeiſt an Grab⸗ mälern. Intereſſante Bronzewerke wurden gleichfalls geſchaffen, ſo z. B. die prächtigen Brunnen in Nürnberg und Augsburg, in letzterer Stadt von Niederländern. Recht klar veranſchaulicht das groß⸗ artige Denkmal Kaiſer Marimilians I. in der Hofkirche zu Innsbruck alle Übergangsſtadien der Plaſtik im 16. Jahrhundert. Maximilian ſelbſt ſtellte 1508 den Plan dazu feſt, und das umfangreiche Werk ſcheint erſt 1582 vollendet worden zu ſein. An ihm arbeiteten während dieſes ganzen Zeit⸗ raums vorzügliche plaſtiſche Künſtler und Erzgießer, unter ihnen auch wahrſcheinlich Peter Viſcher (1513). Die in der erſten Hälfte des 16. Jahrhunderts reich aufgeblühte Kleinplaſtik bietet im Ganzen noch recht Erfreuliches..
In der Malerei iſt dagegen am deutlichſten ein Sinken von der erreichten Höhe zu bemerken. In Zeichnung und Compoſition manieriert, zeigen die meiſten hiſtoriſchen Bilder eine verkehrte Nach⸗ ahmung italieniſcher Kunſt, während das Genre und die Landſchaft nichts Nennenswerthes aufzuweiſen haben. Im Porträtfache producieren die meiſten Künſtler verhältnismäßig das Beſte und Gelungenſte. Sehr viele derſelben ſtachen in Kupfer und arbeiteten für den Holzſchnitt, insbeſondere zur Ausſtattung der Bücher mit bildlichen Darſtellungen. Aber auch hier iſt neben geſunder, anfprechender Auffaſſung weichliche oder geſpreizte Manier nicht zu verkennen, und zuweilen iſt die Ausführung eine nur ſehr handwerksmäßige. Es iſt dies der naturgemäße Verlauf alles menſchlichen Strebens; nach einer Glanzperiode geiſtigen Ringens und künſtleriſchen Schaffens tritt die Zeit des Epigonenthums, das allmähliche Abblühen der Production ein, welche dann mehr in die Breite wuchert, als in die Tiefe geht. Unter dieſen Künſtlern ſind als die bekannteſten hervorzuheben: Virgilius Solis(1514— 1562) in Nürnberg, Hans Müelich(1515— 1572) in München, Hans Sebald Lautenſack(1507— 1560⁹) in Wien, Tobias Stimmer, geboren 1534 zu Schaffhauſen, geſtorben gegen Ende des Jahrhunderts zu Straßburg, Jobſt Amman, geboren 1539 zu Zürich, kam 1560 nach Nürnberg und ſtarb daſelbſt 1591, Chriſtoph Maurer, geboren 1558 zu Zürich, geſtorben 1614 zu Winterthur, Hans von Achen, geboren 1552 zu Köln, geſtorben 1615 zu Prag, Joſeph Heinz, geſtorben 1609 zu Prag, Chriſtoph Schwarz aus Ingolſtadt, geſtorben 1594, Johann Rottenhammer, geboren 1564 zu München, ge⸗ ſtorben 1623 in Augsburg. Lucas Cranach der jüngere, geboren 1515, malte noch in der älteren Kunſtweiſe ſeines Vaters, wiewohl mit geringerer Begabung, bis zum Jahre 1586. Unter den Ge⸗ nannten haben hauptſächlich Tobias Stimmer, Chriſtoph Maurer, Virgil Solis und Jobſt Amman für die Illuſtration der Bücher durch den Holzſchnitt gearbeitet; für Frankfurter Verleger, am meiſten für die Familie Feyerabend, Virgil Solis und Jobſt Amman. Dieſe beiden Künſtler ſind oft(zuerſt wohl von Heller)*) die Chodowiecki ihres Jahrhunderts genannt worden. Auf erſteren paßt der Ver⸗ gleich ſehr wenig, denn er hat mit einzelnen Ausnahmen nur Darſtellungen aus der Bibel, der an⸗ tiken Geſchichte und Mythologie, dem Äſop und dem Reinecke Fuchs gezeichnet. In ſeinen Bildern zur Bibel und zur antiken Geſchichte und Mythologie iſt Jobſt Amman manieriert und verirrt ſich zuweilen ins Geſchmackloſe und Häßliche, dagegen in ſeinen realiſtiſchen Darſtellungen nach dem Leben zeichnet er ſich durch Humor, Friſche und Lebendigkeit aus, und hier trifft der Vergleich dieſes Meiſters mit Chodowiecki vollkommen zu; beide haben mit Vorliebe die Trachten und Moden ihrer Zeit dar⸗ geſtellt. Amman entwarf wahrſcheinlich die Zeichnungen meiſtens gleich auf die Holzſtöcke, wodurch
*) Geſchichte der Holzſchneidekunſt von Joſeph Heller, Bamberg 1823, S. 195.


