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Aufſtändigen angerichtete Blutbad gelöſcht wurden, mußte der Rath der Forderung der ſiegreichen Fürſten nachgeben und ſämmtliche der Buͤrgerſchaft zugeſtandene Artikel wieder zurücknehmen. Allein die Reformation konnte nicht unterdrückt werden; ſie ſchritt ſiegreich voran, um ſo mehr, da der Rath ihr nicht abgeneigt war, aber mit zögernder Klugheit verfuhr, um nicht den Kurfürſten von Mainz zur Rache gegen Frankfurt zu reizen. Die Prädicanten entwarfen eine neue Kirchenordnung, da der größte Theil der Frankfurter Bürger ſich dem Lutherthume zuwandte. Wenn auch der Rath die Augsburgiſche Confeſſion nicht unterſchrieben hatte, ſo zürnte ihm doch der Kaiſer wegen der Er⸗ klärung ſeines Beitrittes zu dieſem Bekenntniſſe ſo ſehr, daß er die Wahl ſeines Bruders Ferdinand zum römiſchen Könige nicht in Frankfurt, ſondern in Köln vornehmen ließ. Glücklicherweiſe be⸗ ſchäftigte der Türkenkrieg den Kaiſer, welcher die Hilfe der Fürſten und Städte bedurfte. Auch Frankfurt ſtellte ein anſehnliches Contingent zum Reichsheere. Der Streit zwiſchen dem katholiſchen Klerus und den Prädicanten wurde mit großer Erbitterung fortgeführt und der aufgeregte Pöbel ſchritt ſogar zum Bilderſturm und zur Kirchenentweihung. Als ein in Heidelberg verſuchter Vergleich zwiſchen Katholiken und Proteſtanten geſcheitert war, und der Rath ſich mit der Acht bedroht ſah, gelang es ihm endlich mit großer Mühe in den evangeliſchen Bund aufgenommen zu werden. Das Abwarten und Zaudern des Rathes hatte nämlich die Häupter dieſes Bundes mit Unwillen erfüllt. Frankfurt trat nun förmlich der Augsburgiſchen Confeſſion durch Unterſchreibung der Schmalkaldiſchen Artikel bei. Deſſenungeachtet gelang es dem Rathe, ſich mit dem Kurfürſten von Mainz zu ver⸗ ſöhnen, welcher bisher der Stadt großen Schaden zugefügt hatte. Mit ſtrengen Maßregeln ward der Uneinigkeit unter den Prädicanten geſteuert. Nach der Schlacht bei Mühlberg(24. April 1547) trat auch in Frankfurt eine ungünſtige Wendung der Dinge für die Proteſtanten ein. Frankfurt hatte von ſeinen eigenen Bundesgenoſſen, den Sachſen und Heſſen, viel zu erdulden. Graf Büren, welcher dem Kaiſer 20,000 Mann Hilfstruppen aus den Niederlanden zugeführt und bei ſeinem Durchzuge Bonames verbrannt hatte, kehrte auf demſelben Wege zurück und der kleinmüthig gewordene Rath ließ ihn mit ſeinen Truppen in die Stadt ein, um Karl V. durch freiwillige Unterwerfung zu verſöhnen. Vollſtändige Verzeihung erlangte Frankfurt von dieſem erſt in Heilbronn durch Zahlung von 80,000 Goldgulden. Ein dem Kaiſer geleiſteter Vorſchuß von 105,000 Goldgulden ſetzte endlich die Entfernung der läſtigen Beſatzung durch. Das Interim(1548— 1552) brachte im ganzen Reiche, ſo auch in Frankfurt eine Rückkehr zum Alten. Der Rath weigerte ſich nichtsdeſtoweniger ſtandhaft, die Prädicanten zu vertreiben und hielt den Kurfürſten von Mainz durch den Schein des Gehorſams hin. Aber neues Unheil bedrohte Frankfurt durch den von dem Kaiſer abgefallenen ſächſiſchen Kur⸗ fürſten Moriz und ſeine Bundesgenoſſen. Sie belagerten Frankfurt drei Wochen lang*), weil ſie der Stadt zu einem Waffenplatze bedurften, um ſich mit Frankreich, mit welchem ſie ein Bündnis geſchloſſen, die Verbindung zu erhalten. Das Interim wurde durch den Paſſauer Frieden für das ganze deutſche Reich abgeſchafft. Die nunmehr ruhigen und geordneten Zuſtände in Frankfurt ver⸗ anlaßten viele um ihres Glaubens willen aus England und den Niederlanden Vertriebene, hier eine Zufluchtsſtätte zu ſuchen. Bald jedoch brach zwiſchen dieſen, welche meiſtens der reformierten Kirche angehörten, und den eiferſüchtigen lutheriſchen Prädicanten Hader und Feindſchaft aus, ſo daß ſchon
*) S. das Programm der höheren Bürgerſchule von 1859: Die Belagerung von Frankfurt(1552). Von Prof. Dr. Caſſian.


