Aufsatz 
Beurteilung der Politik, welche die Athener während des thebanisch-spartanischen Krieges befolgt haben / von Arthur Seibt
Entstehung
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Achaja nicht wieder zum Boeotarchen gewählt worden war, veranlasste viele Städte Thessaliens, von Theben abzufallen. Hier griffen nun die Athener rasch ein und schickten Antocles mit einer ansehnlichen Macht zu Hilfe, und sie hätten beinahe die Genugthuung gehabt, zur Vernichtung des thebanischen Heeres beizutragen, wenn nicht Epaminondas, welcher als Hoplite mitgefochten hatte, auf Verlangen der Soldaten die Führung übernommen und den Rückzug gesichert hätte. Die glückliche Errettung des Heeres liess die Thebaner ihr Unrecht einsehen. Mit allen Ehren wurde Epaminondas wieder in sein Amt eingesetzt, und nun that er den zweiten Schlag gegen Athen. Er wusste die Parteibewegung in Oropus, welches immer ein Zankapfel zwischen Theben und Athen gewesen war, zu benutzen, um sie in seinen Besitz zu bringen. Dies war ein grosser Verlust, da Oropus für den Verkehr mit Euboea ein fast unentbehrlicher Posten war. Man hatte die Bundesgenossen um Hilfe gebeten; aber diese blieb aus, und allein die Thebaner anzugreifen, dazu hatten die Athener keinen Mut. Es entbrannte aber im Innern ein heftiger Parteikampf. Die boeotische Partei benutzte diesen Umstand, um Callistratus zu stürzen; seiner Politik wurde die ganze Schuld am Unglück aufgebürdet. Es war aber umsonst, denn Callistratus wusste sich gegen alle Anklagen wegen Pflichtversäumnis, mangelhafter Rüstung, ja sogar wegen Verrates zu rechtfertigen, und er blieb auf seiner Stelle.

Sehen wir zu, wie sich die Athener aus dieser üblen Lage zu bringen suchten; zunächst welche Stellung die Athener zu den Peloponnesiern einnahmen, deren Bündnis ihnen weiter nichts mehr nützen konnte, da sie nie zu Gegenleistungen zu bewegen waren. Ilier wurde ihnen von selbst Gelegenheit geboten, neue Verbindungen anzuknüpfen. Lycomedes von Mantinea, welcher kein anderes Ziel im Auge hatte, als den Arcadiern die Hegemonie im Peloponnes zuzuwenden, benutzte die erbitterte Stimmung der Athener gegen Sparta, um jene zu einem Bündnis mit Arcadien zu bewegen. Die Zeit war äusserst günstig dazu; denn eine bewaffnete Intervention der Boeotier war nicht zu befürchten, da dieselben noch in Thessalien genug zu thun hatten. Die Verstimmung gegen die peloponnesischen Bundesgenossen war gross. Ihnen hatten die Athener immer eine Abteilung in Corinth zur Bewachung der Pässe zur Verfügung gestellt. Jetzt hatten jene schon zum zweiten Male bewiesen, dass sie von einem Bundesgenossenverhältnisse nur insofern etwas wissen wollten, als es ihnen zu gute kam. Von dieser Stimmung in Athen suchte sich Lycomedes Nutzen zu schaffen. Er war es ja, welcher die Arcadier zu so hochfahrenden Plänen bestimmt hatte; sein letztes Ziel war die Hegemonie des Peloponnes. Es gelang ihm auch, die Athener zu einem Bündnis zu überreden. Folgende Erwägung gab trotz des anfänglichen Widerspruches der Philolakonen den Ausschlag. Das Bündnis mit dem Peloponnes hatte sich als völlig nutzlos erwiesen, da es nur Opfer kostete, aber keine Früchte brachte. Die Athener hatten ihre Neutralität aufgegeben und damit die Sicherheit ihres Landes gefährdet. Aus dieser isolierten und trostlosen Lage mussten sie doch wieder herauszukommen suchen. Jetzt bot sich ja von selbst wieder eine Gelegenheit, den schon früher einmal versuchten Weg, sich im Norden des Peloponnes eine vorörtliche Stellung zu erwerben, von neuem zu betreten. Dass man mit Sparta, zu dessen Demütigung doch die Arcadier die nächste Veranlassung gegeben hatten, dadurch notwendigerweise in ein feindliches Verhältnis kommen müsste, kümmerte die Athener bei ihrer Schaukelpolitik nicht. Man hielt es für Sparta erspriesslich, wenn man Arcadien von Theben ganz und gar abzöge, und betrachtete deswegen das Bündniss mit Sparta immer noch als zu Recht bestehend.