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umherstreuen, und als kein einziger der Knaben, selbst nicht einmal der jüngste, sich nach denselben bückte oder auch nur ein Auge auf dieselben richtete, da lobte er ihr verständiges Benehmen und ihre treffliche Schulzucht. Hierauf prüfte er sie, liess alle der Ordnung nach etwas aus der hl. Schrift oder den Vätern vorlesen und steckte jedem zum Beweise seiner Zufriedenheit ein Goldstück in den Mund. Als einer der kleinsten Knaben dieses zurückwarf, sprach der König lachend:„Der wird, wenn er das Leben behält, gewiss einmal ein braver Mönch werden.“¹) Hierauf gab er den Schülern drei Spieltage und bestimmte, dass diese auch für die Zukunft an denselben Tagen beibehalten werden sollten. Bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts haben diese Ferientage König Konrad's an der Klosterschule
zu St. Gallen bestanden.
Ein Wort des Tadels hat kein Schriftsleller über Konrad's Charakter geäussert und selbst die Geschichtschreiber des sächsischen Volksstammes, welchen er mit den Waffen zu bekämpfen für nöthig hielt, sind seine eifrigen Lobredner. Es sei mir erlaubt, diese einem der edelsten deutschen Männer gewidmete Abhandlung mit den Worten des mehrerwähnten sächsischen Annalisten ²) zu beschliessen, welche in Bezug auf den König Konrad also lauten: vir fortis et potens, domi et militia optimus, largitate serenus, omnium virlutum insigniis clarus²), adeo studuit publicae utilitati, ut hanc quoque in hoste, quae tamen rara virtus est, comprobaret.
Als Anhang zu vorstehender Abhandlung möge noch über die Grabstätte König Konrad'’s eine kurze Untersuchung, durch welche ich den Beweis zu führen hoffe, dass derselbe in Fulda, nicht, wie noch immer in den meisten neueren Werken behauptet wird, in Weilburg bestattet wurde, hier eine Stelle finden 4). Folgendes sind über diesen Punct die Angaben derjenigen Schriftsteller, welche noch zu den Quellen gerechnet werden dürfen. Der Cominuator Reginonis(a. 919 Pertz I, 615) sagt: Ipse vero, huic vitae decedens, in Fulda monasterio honoriſica sepultura tumulatus est. Bei Widukind(I, 25 Pertz V, 429) heisst es: sepeliturque in civitate sua Wilinaburg cum mœrore et lacrimis omnium Francorum. Thietmar(I, 5 Pertz V, 736) spricht von exequiis in Viliniburch ⁵) peractis und der Annalista
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1) Ekkeh.(Pertz II, 84 sq.) 2) Annal. Saxo a. 919(Eccard corp. hist, med. aevi I, 244). 3) Diese Worte hat der Annalist Widukind nachgeschrieben(I, 25 b. Pertz V, 429).
4) Diese Beweisführung ist von mir bereits in den Periodischen Blättern der beiden hessischen Geschichts- vereine(Mai 1848 Nr. 9) mitgetheilt worden.
— 5) Der Irrthum mehrerer neuerer Schriftsteller, welche Lim b urg zu Konrad's Begräbnissorte machen, gründet sich entweder auf einen Druckfehler bei Leibnitz(I, 325), wo Limburg statt der Lesart der Hand- schriften Viliniburch steht oder auf eine Verwechslung mit Konrads gleichnamigen Vetter Konrad, mit dem Beinamen Kurzbold, welcher wirklich in Limburg begraben wurde und auch in der dortigen Kirche, deren Stifter er ist, ein Denkmal hat.—


