Aufsatz 
König Konrad I., der Franke
Entstehung
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stens anäherungsweise bestimmen. Zu Anfang des zehnten Jahrhunderts war er wol kaum in die Jahre der Wehrhaſtigkeit getreten, da er sonst ohne Zweifel in der babenbergischen Fehde, welche um jene Zeit begann, eine bedeutendere Rolle gespielt haben würde; und da er erst im Jahre 906 genannt wird¹), sein Vater aber und dessen Brüder vor dem Jahre 886 nirgends vorkommen; da ferner einer der Letzteren, Gebhard, noch im Jahre 910 minderjährige Kinder hinterliess²); da endlich Konrad's Bruder Eberhard noch im Jahre 939 rüstig genug war, gegen Kaiser Otto den Grossen wiederholte Feldzüge zu unternehmen; so werden wir uns schwerlich weit von der Wahrheit entfernen, wenn wir annehmen, dass Konrad bei seinem Tode höchstens das vierzigste Lebensjahr erreicht hatte. Die Worte der St. Galler Chronik, Konrad sei, cum iam senesceret?), oft von seinem Bruder Eberhard gebeten worden, ihn dem Volke zu seinem Nachfolger zu empfehlen, beruhen also entweder auf einem Irrthume oder dürfen wenigslens nicht von einem höheren Alter verstanden werden).

Was den Charakter König Konrad's betrifft, so rühmen alle gleichzeitigen und späteren Geschicht- schreiber, neben den grossen Lobsprüchen, welehen sie seinen Feldherrngaben und seiner Tapferkeit erthei- len, seine Frömmigkeit, Gerechtigkeitsliebe, Klugheit, Freigebigkeit, Mässigung und Bescheidenheit). Die Chronik von St. Gallen erzählt überdies höchst liebenswürdige Züge von seiner Leutseligkeit, Heiterkeit und munteren Laune, welche sich an den Besuch knüpfen, den der König, als er im ersten Jahre seiner Regierung das Weihnachtsfest bei seinem Freunde, dem Bischofe Salomo von Constanz, feierte, dem genannten Kloster und seiner berühmten Sechule abstattete. Der König verweilte in St. Gallen, wo es ihm überaus wohl geſiel, drei Tage in der heitersten Stimmung und zeigte sich mit den Einrichtungen des Klosters sehr zufrieden. Aufs entschiedenste verbot er, dass für ihn an einer besonderen Tafel angerichtet werde, setzte sich vielmehr an die Klostertafel in die Reihe der Mônche, ass nur von ihren Speisen, und sagte zu ihnen, indem er freundlich im Kreise umherblickte:Heute müsst ihr, gern oder ungern, mit mir theilen. Zu dem Bischofe Salomo und den Grossen seines Gefolges, welche an der für den König berei- teten Tafel Platz genommen hatten, äusserte er, dass er nie eine fröhlichere Mahlzeit gehalten. Beim Abschiede gab er den Mönchen sowol als dem Kloster und der Kirche reiche Geschenke und liess sich sogar, als ihn die Brüder um diese Ehre baten, als weltliches Milglied in den Convent aufnehmen, um an den Verdiensten und Gebeten des Klosters Antheil zu erlangen. Den Klosterschülern aber bewies er ins- besondere die freundlichste Theilnahme und Zuneigung. Bei einem feierlichen Umgange der Zöglinge liess er, um die Kleinen auf die Probe zu stellen, Aepfel in grosser Anzahl auf dem Fussboden der Kirche

1) Regino a. 906(Pertz I, 611).

2) Cont. Reg. a. 910(Pertz I, 614). 3) Ekkeh.(Pertz II, 103).

4) Wenck H. L. II, 2 S. 639 n. s.

5) Reg. a. 919(Pertz I, 615): vir per omnia mansuetus et prudens, et divinae religionis amator. Liudpr. Antap. II, 17(Pertz V, 291): vir strenuns bellorumque exercitio dactus und II, 20(Pertz V, 292): nisi pallida mors Chuonradum regem tam citissime raperet, is esset, cuius nomen multis mundi nationibus

imperaret.