Aufsatz 
König Konrad I., der Franke
Entstehung
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Wohlfahrt. Befolge den Rath deines sterbenden Bruders. Wir haben, lieber Bruder, zahlreiche Krieger- schaaren, die wir ins Feld führen können; wir haben Städte und Waffen; wir haben die Kleinodien des Reiches und allen Schmuck, den die königliche Würde erfordert; aber was uns fehlt, ist das Glück und der Väter altehrwürdige Sittenstrenge. Das Glück, lieber Bruder, und die edlen Sitten der Voreltern, sie sind zu Heinrich übergegangen; des gesammten Vaterlandes Heil und Gedeihen, es ruht auf dem Stamme der Sachsen. Nimm daher diese Kleinodien, die heilige Lanze¹), die Armbänder, den Purpurmantel, das Schwert der alten Könige, die Krone, und gehe hin zu Heinrich und schliesse Frieden mit ihm, auf dass er bis an das Ende deiner Tage dein Verbündeter bleibe. Denn was sollte es frommen, wenn vor ihm das ganze Volk der Franken mit dir zugleich zu Grunde ginge? Er ist es, den die Vorsehung bestimmt hat, der König und Gebieter vieler Völker zu werden.

Unter Thränen gelobte Eberhard, den letzten Willen des sterbenden Bruders treulich zu erfüllen, gelobten die fränkischen Grossen, sich um ihres geliebten Königes willen vor Heinrich zu beugen, und kaum war der Edle aus dem irdischen Leben geschieden, so eilte Eberhard zu dem Sachsenherzoge, überbrachte ihm den Gruss seines geschiedenen Gegners, legte ihm den königlichen Schmuck zu Füssen und leistete ihm als seinem Oberherrn die Huldigung. Und Heinrich bestieg wirklich den deutschen Königsthron und rechtfertigte in solchem Grade die Wahl seines edlen Vorgängers, dass schon unter ihm, der alle deutschen Stämme zu einem einigen Ganzen verband, der Lothringen für Deutschland wiedergewann, der Normannen, Slaven und Ungarn ruhmvoll besiegte, unser Vaterland zum mächtigsten aller abendländischen Reiche sich emporhob. Mit Recht ist der König Konrad wegen dieser grossherzigen Handlung von Mit- und Nachwelt gepriesen worden und in der That hat die ganze deutsche Geschichte und das darf ohne Uebertreibung behauptet werden die aller Völker und Zeiten eine schönere nicht aufzuweisen.

Der Todeslag des Königs Konrad ist ohne allen Zweifel der 23. December 918 ²). Bis zu welchem Jahre er sein Leben gebracht habe, erwähnen die Geschichtschreiber nicht, wie sich denn auch über sein Geburtsjahr nirgends eine Angabe findet. Doch können wir durch Combination seine Lebensdauer wenig-

Der Augenblick ist da, wie ihr sehet, wo ich aus dieser verderbten Welt zu einem höheren Leben, von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit abgerufen werde. Darum bitte und beschwöre ich cuch: trachtet nach Frieden und Einigkeit. Möchte ich doch, indem ich aus dem Leben scheide, keinen von euch von Herrschbegierde und eitlem Ehrgeize entflammt sehen! Heinrich, den klugen Herzog der Sachsen und Thüringer, ihn wählet zu eurem Könige und setzet zu eurem Herrn ein. Denn ihm kommt weder an Einsicht und Weisheit Jemand gleich noch an Strenge der Sitten. Zum Erben und Nachfolger in der königlichen Würde erhebe ich Heinrich durch Verleihung des königlichen Schmuckes. Ihm leistet Gehorsam: das ist nicht allein mein Rath, sondern auch meine Bitte. Nach Ekkehard endlich(Pertz II, 103) hätte Konrad ganz im Vertrauen und unter vier Augen zu Eberhard gesprochen(incipiens antem mori, clam loquitur fratri).

1) Ein Anachronismus, da bekanntlich erst Konrad's Nachfolger Heinrich I. die heilige Lanze von dem burgundischen Könige Rudolf zum Geschenk erhielt.

2) Waitz Jahrb. u. s. w. Excurs 6, S. 138; Lamay Acta Pal. VII, 103; Wenck H. L. II, 638 n. r; Böhmer Reg. d. Kar. S. 120. Den genannten Tag geben an: das Necrol. Fuld. bei Schannat hist. Fuld. P. 471 und das Necrol. Merseb.(Höfer Zeitschrift 1I, 127) und mit dieser Angabe stimmen auch die Annales Lauris-

hamenses und die Annales majares Sangallenses(Pertz I, 78) überein, nach welchen sein Tod ante natalem domini erfolgt ist.