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Sieben Jahren einen nieht geringen Theil seiner schwierigen Aufgabe wirklich löste und es seinem Nach- folger möglich machte, das grosse Werk vollständig zu Stande zu bringen. Den grössten Ruhm erwarb sich jedoch der König Konrad durch die Massregeln, welche er vor seinem Tode zur Erreichung des von ihm vergeblich erstrebten Zieles ergriff und durch die edle, grossherzige Gesinnung, welche er dabei gegen seinen bedeutendsten Widersacher, den Herzog Heinrich von Sachsen, bekundete. Konrad erkannte die Nothwendigkeit der Einheit aller deutschen Völker unter einem gemeinsamen Oberhaupte; dieser Einheit glaubte er jedes Opfer bringen zu müssen, denn die Wohlfahrt des deutschen Vaterlandes galt ihm mehr als die Erhöhung der Macht seines Stammes und seiner Familie. Konrad hatte keinen Sohn ¹); sein Bruder Eberhard hielt sich zur Thronfolge berechtigt und wünschte dringend, dass ihn Konrad dem Volke zu seinem Nachfolger empfehlen möchte. Allein Konrad weigerte sich entschieden, diesem Verlangen zu entsprechen; denn er erkannte, dass unter Eberhard, der weder die zu einem Reichsoberhaupte erforder- lichen Eigenschaften besass, noch sich der Liebe des Volkes erfreute, jenes Ziel nicht erreicht werden könne, dass vielmehr unter ihm Deutschland im Innern nicht beruhigt und zu einem Ganzen geeint, nach aussen nicht gegen die Raub- und Eroberungssucht feindlicher Nachbarn geschützt werden würde. Daher empfahl Konrad keinen Stammesangehörigen, keinen Verwandten, sondern den Sachsen Heinrich, seinen beharrlichsten Gegner; denn dieser, das wusste er, war der Ausgezeichnetste und Tüchtigste aller deutschen Fürsten; die Sachsen aber waren der kräftigste unter den deutschen Volksstämmen und hatten weniger als die übrigen durch innere Verwirrung und die von aussen erfolgten Unglücksfälle gelitten. Vereinigten sich aber Sachsen und Franken, so liess sich auch der Beitritt der übrigen deutschen Völker erzielen und wenn sich alle verbanden, so konnte nicht leicht ein anderes Volk der Macht der Deut-
schen widerstehen.
Als der edle Konrad die Nähe seiner Auflösung fühlte, liess er die fränkischen Grossen, seine Verwandten, und insbesondere seinen Bruder Eberhard an sein Sterbelager rufen und bat Letzteren mit rührenden, eindringlichen Worten, um des Vaterlandes willen seine letzte Bitte zu erfüllen, freiwillig sich seiner Ansprüche auf die Königswürde zu Gunsten des Würdigeren zu begeben, dem Herzoge Heinrich den königlichen Ehrenschmuck zu überbringen und ihm als seinem Oberherrn zu huldigen ²).„Ich fühle es, lieber Bruder,!“ sprach er nach Widukind,„ dass ich der Gewalt der Krankheit zu erliegen im Begriff bin und nach dem unabänderlichen Willen des, allmächtigen Gottes aus dem Leben scheiden muss. Darum bedenke dein eigenes Heil und sorge, was dir vorzugsweise obliegt, für des gesammten Frankenreiches
1) Ekkeh.(Pertz II, 103) sagt: virili prole carens.— Ob und wie lange ihn seine Gemahlin Kunigunde überlebte, ist unbekannt. Von ihr wissen wir überhaupt nichts, als dass sie pro corporis eius sepultura ihre Besitzung Gingen dem Kloster Lorsch schenkte(im Jahre 915, Trad. Laurish. I, n. LXIII p. 112), und dass sie in letzterem begraben liegt(Necrol. Laurisham. VII Id. Febr. ap. Schannat Vindem liter. p. 27). Unter dem genannten Gingen ist nicht etwa die schwäbische Reichsstadt Giengen zu verstehen, sondern wahrscheinlich ein jetzt
verschwundener Ort in der Main- oder Rheingegend. S. Stälin I, 345, n. 1.
2) Wid. I, 25(Pertz V, 428. Der Cont. Reg. a. 915(Pertz I, 615) und Thietm. I, 5(Pertz V, 736) lassen die Verwandten des Königs und alle fränkischen Grossen um das Lager des Sterbenden versammelt sein, während Widukind nur von Eberhard allein spricht; ja Liudprand(Antap. II, 20 ap. Pertz V, 292) lässt den König Konrad an sämmtliche deutsche Fürsten, mit alleiniger Ausnahme Heinrich's, folgende Rede halten:


