Aufsatz 
König Konrad I., der Franke
Entstehung
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Missverständnisse zu verhüten, stets nur den Grafen, nicht aber, wie man oft findet, den Herzog Konrad

nennen 9.

Gehen wir nun zur Geschichte der Regierung Konrads über, so finden wir, dass seine erste Unternehmung gegen die Lothringer gerichtet war ²), welche sich unter ihrem Herzoge Reginar vom deutschen Reiche getrennt und an das westfränkische angeschlossen haitten, sei es, weil Konrad wegen des oben erwähnten Feldzuges bei ihnen nicht beliebt war, oder, was wahrscheinlicher ist, weil die lothrin- gischen Grossen unter dem schwachen Karl dem Einfältigen besser als unter dem kräftigen Konrad ihre ehrgeizigen und herrschsüchtigen Absichten ausführen zu können glaubten. Konrad machte in den Jahren 912 und 913 zwei Versuche, den König Karl aus Lothringen zu vertreiben und die Grossen dieses Landes zur Anerkennung seiner Hoheit zu zwingen, allein seine Bemühungen hatten nur den Erfolg, dass das Elsass für Deutschland gerettet wurde. Dass letzteres fortwährend Konrad als König anerkannte, er- wähnen zwar die Geschichtschreiber nicht, doch kann der Beweis dafür aus Diplomen geführt werden ³).

Dass der Erfolg seiner Unternehmungen in Lothringen so ungenügend war, erklärt sich dadurch, Jass seine Thätigkeit gleichzeitig auch in Norden und Süden Deutschlands in Anspruch genommen wurde. Er musste mit getheilten Kräſten nach verschiedenen Seiten hin wirksam sein und gerade aus diesem grunde konnten seine Unternehmungen eigentlich auf keiner Seite ein ganz befriedigendes Ergebniss liefern.

Wenden wir uns zunächst nach Schwaben, dessen frühere Verhältnisse wir kurz berühren müssen, um die Bewegungen würdigen zu können, welche Konrads Einschreiten nothwendig machten. In diesem Lande hatten schon unter den beiden letzten Karolingern mehrere ehrgeizige Machthaber es versucht, die selbstständige Herzogsgewalt an sich zu reissen, aber insbesondere bei der Geistlichkeit des Landes, an deren Spitze der unternehmende und muthige Bischof Salomo von Constanz) stand, den heftigsten Wider-

1) Dass es niemals Herzoge von Franken im eigentlichen Sinne des Wortes gegeben, behauptete schon Stenzel in seiner meisterhaften: Geschichte Deutschlands unter den fränkischen Kaisern I, 6 Anm. 16. Für das zehnte Jahrhundert führt den Beweis Aschbach in seiner gründlichen, diesem Gegenstande gewidmeten Abhand- lung(Archiv von Schlosser und Bercht), deren Ergebniss ist, dass es zwar mehrere fränkische Grosse, oft mehrere Konrade zugleich, gegeben habe, welche den Titel dux Francorum geführt, dass aber für das zehnte Jahrhundert wirkliche Landesherzoge in Franken, wie sie in Baiern und Schwaben vorkommen, oder ein ducatus Franciae aus den Quellen sich nicht nachweisen lassen. Was von Aschbach für das zehnte Jahrhundert, das ist von Stumpf im historischen Archiv für Franken(Heft 2 S. 8) für das Zeitalter der Hohenstaufen bewiesen worden.

2) Ann. Alam. a. 913(Pertz I, 56).

3) Dies ist von Eccard(comm. de Or. Pr. II, 838) geschehen. Konrad gewann ausser dem Elsass noch die Gaue, welche unter dem NamenWestrich begriffen werden, für das Reich(Croll. Act. Acad. Pal. III, 409.

Schöpflin Als. IIl. I, 678) sowie das Hochstift Utrecht, dessen Privilegien er am 9. Juli 914 dem Bischofe Ratbodo bestätigte(Böhmer Reg. Car. S. 119 N. 1255]).

4) Salomo III. der von 890 bis 920 Bischof von Constanz war und im letztgenannten Jahre am 5. Januar starb, ist eine so ausgezeichnete Persönlichkeit, dass es nicht unpassend erscheint, über sein thatenreiches Leben und Wirken Einiges mitzutheilen. Dieser Mann, dem an einflussreicher und umfassender Thätigkeit keiner seiner Zeitgenossen gleichkam, erinnert in manchen Beziehungen an den berühmten Erzbischof Adalbert von Bremen, der ihm vielleicht an geistigen Vorzigen gleichstand, an sittlicher Würde aber ohne Zweifel von ihm übertroffen wurde. Salomo stammte jedenfalls aus vornehmem Geschlechte und genoss in St. Gallen, wo er von dem