Aufsatz 
König Konrad I., der Franke
Entstehung
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nerung an den altberühmten Namen des salischen Volksstammes am besten hervorheben zu können glaubie. Aber von letzterem Sprachgebrauche wissen die Zeitgenossen durchaus nichts. Die Familie, zu welcher unser Konrad gehört, erscheint vor dem zwölſten Jahrhundert nirgends unter dem Namen der salischen, und die sogenannten salischen Kaiser erhallen erst im vierzehnten Jahrhundert diese Benennung, welche den gleichzeitigen Geschichtschreibern völlig unbekannt ist?²). Mit Recht haben daher neuere Geschichtschreiber diese nichtssagende Benennung fallen lassen und den genannten Familien nach der Analogie von Karolinger die BezeichnungKonradinger oder auchKonradiner beigelegt, weil Konrad der Lieblingsname derselben war. Man leitet beide Familien von einem Grafen Werner ab, der gegen Ende des neunten Jahrhunderts als königlicher Sendgraf in Wormsgau erscheint und wenn sich dies auch nicht vollständig beweisen lässt, so ist doch die Verwandtschaft beider Familien in hohem Grade wahrscheinlich. Jene ältere Familie, welcher König Konrad I. angehört, nennt man die hessischen Konra- dinger, die jüngere, zu welcher die späteren fränkischen Kaiser gehören, heissen zum Unterschiede von jenen die rheinfränkischen oder wormsischen Konradinger. Mit einem grossen Aufwande von Mühe und, man kann es nicht leugnen, nicht ohne Scharfsinn haben mehrere Geschichtsforscher, namentlich Eckhardt, Wenck und Gebhardi ²) die Genealogie dieser berühmten Familie zusammengestellt und das Ergebniss dieser Forschun- gen ist die sehr weitläuſige Stammtafel, welche noch immer in unseren grösseren Geschichtswerken eine Stelle zu finden pflegt, auch von unseren beiden hessischen Historiographen, von Rommel und Rehm, auf- genommen worden ist. Es muss natürlich diesem Aufsatze fern bleiben, diese genealogischen Forschungen einer näheren Prüfung zu unterwerfen; nur das will ich bemerken, dass sie von willkürlichen und unbe- gründeten Annahmen nicht frei sind, und dass man bei keiner einzigen derselben über blosse Hypothesen hinauskommen kann. Solche genealogische Forschungen standen einst in grossem Ansehen; jetzt wird denselben mit Recht kein besonderer Werth mehr beigelegt, wenn sie sich nicht durch das Ansehen ge- schichtlicher Quellen begründen lassen. Was sich von den Vorfahren unseres Konrad aus den gleich- zeitigen Geschichtschreibern beweisen lässt, ist kurz Folgendes.

Die Familie der hessischen Konradiner war unter der Regierung Arnulſ's und Ludwig's des Kindes unge- mein mächtig und einflussreich; sie war nach dem Untergange der Babenberger unstreitig neben den Ludolfingern in Sachsen die angesehenste Familie in Deutschland. Seit dem Jahre 886 treten von dieser Familie vier Brüder auf: Konrad, Gebhard, Eberhard und Rudolf. Konrad, der Vater unseres Konrad, verwaltete das Comitat im frän- kischen und sächsischen Hessengau, vielleicht auch im Oberlahngau; Gebhard erscheint im Besitze der Comitate im Oberrheingau und in der Wetterau; Eberhard stand in derselben Eigenschaft dem Niederlahngau vor, in welchem die Stammgüter des ganzen Geschlechtes sich befanden und Weilburg, das Erbbegräbniss desselben lag; Rudolf endlich war Bischof von Würzburg ³). Alle vier Brüder starben eines gewaltsamen Todes: Konrad erlag 905 in dem Treffen bei Fritzlar nach dem heldenmüthigsten Widerstande der Uebermacht seines Feindes Adalbert von Babenberg und wurde in Weilburg bestattet¹); Eberhard war schon früher

1) So erhält z. B. der erste fränkische Kaiser Konrad II. von seinem Capellan und Biographen Wippo nirgends die Bezeichnung Salicus.

2) Die Ergebnisse ihrer genealogischen Forschungen bei Müller III, 274 ff.

3) Wenck, hessische Landesgeschichte II, 595 ff. und 612.

4) Regino a. 906(Pertz 1, 611). Wenck II, 616.