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der mächtigste und einflussreichste Rathgeber der Krone gewesen sei, den Weg zu derselben habe bahnen wollen. Dass die OQuellenschriften auch nicht die leiseste Andeutung enthalten, auf welche ein so unwür- diger Verdacht sich gründen liesse, brauche ich wol nicht erst zu bemerken. Luden hat sich den wenig beneidenswerthen Ruhm erworben, zuerst und allein diesen Verdacht geäussert zu haben und es ist in der That kaum zu begreifen, wie in neuester Zeit Müller, der Verfasser des oben bereits erwähnten, sehr ver- dienstlichen Werkes„Geschichte der deutschen Volksstämme und ihrer Fürsten“, der übrigens, wie schon pemerkt, in der Regel nur neueren Gewährsmännern folgt, selten aber in einem unmittelbaren Verhältnisse zu den OQuellen steht, auch diese Ansicht Ludens adoptiren konnte ¹). Letzterer gründet seine Verdäch- tigungen einzig und allein darauf, dass die Annalen jener Zeit nur mit kurzen, dürren Worten das Hin- scheiden des jungen Ludwig melden, ohne irgend eine nähere Angabe hinzuzufügen; allein diese Einsilbigkeit liegt ja gerade im Charakter aller jener Jahrbücher und wenn sie zu einem Verdachte veranlassen könnte, so wäre man für Ludwig V, den letzten französischen Karolinger, und für eine ganze Reihe von Schein- königer, von welchen ebenfalls die gleichzeitigen Jahrbücher nichts zu melden wissen als dass sie gelebt haben und gestorben sind, eine gewaltsame Todesart anzunehmen berechtigt. Bei vielen Geschichts- forschern der Neuzeit finden wir das gerade entgegengesetzte Bestreben, solche historische Personen, welche uns nach den Schilderungen der Zeitgenossen nur in einem ungünstigen Lichte erscheinen können, zu rechifertigen oder zu entschuldigen und den Beweis zu führen, dass der Hass der Mitlebenden zu sehr in's Schwarze gemalt und nichis als Fehler und Gebrechen gesehen, wo doch auch einzelnes Gute Aner- kennung verdient hätte. So ist Luden selbst eifrig bestrebt gewesen, uns den Charakter Chlodwig's, der nach Gregor's von Tours Schilderung als ein roher Wütherich erscheint, mit viel freundlicheren Farben zu malen und selbst die entsetzliche Fredegunde, jene Furie des merowingischen Königsgeschlechtes, hat in ihm einen beredten Schutzredner gefunden. Solche apologetische Bestrebungen, in welchen man freilich mitunter zu weit gegangen ist, fliessen doch in der Regel aus edlen Beweggründen und dürfen schon darum auf nachsichtsvolle Beurtheilung rechnen; aber ernsten und strengen Tadel verdient es, wenn ein Geschichtschreiber sich nicht scheut, auf einen der edelsten und besten deutschen Männer, die je gelebt haben oder auch auf seine Anhänger und Freunde einen Verdacht zu wälzen, von dessen Möglichkeit vor ihm Niemand auch nur die entfernteste Ahnung haben konnte. Doch ich verweile schon zu lange bei einem Puncte, den man lieber mit Stillschweigen übergehen als einer ausführlichen Widerlegung würdigen sollte.
Bevor ich mich zur Regierungsgeschichte Konrad's wende, sei es mir gestattet, Einiges über seine Vorfahren vorauszuschicken, was ich um so weniger übergehen kann, als gerade über diesen Punct die neueren Geschichtsforscher die mühsamsten und umfangreichsten Untersuchungen angestellt haben, von deren Ergebnissen ich in mehreren Puncten abzuweichen genöthigt bin.
Man pflegt der Familie, zu welcher unser Konrad gehört, den Namen der salischen beizulegen, mit welchem man bekanntlich auch das berühmte Kaiserhaus, welches von 1024— 1125 in Deutshland herrschte, bezeichnet. Diese Benennung hat ihre vollkommene Berechtigung in der Geschichte, insofern sie von der Hauptmasse des fränkischen Volkes im Gegensatze zu den ripuarischen Franken gebraucht wird. Später legte man dieselbe aber auch einzelnen Familien bei, deren Alter und Bedeutung man durch die Erin-
1) Bd. III. S. 294.


