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Uebereinslimmung handelten. Man trug die Krone Otto dem Erlauchten an, dem mächtigen Herzoge der Sachsen, der damals an Kraft, Weisheit und Ansehen keinem andern der deutschen Fürsten nachstand; allein Otto fühlte sich bei seinem hohen Alter zu schwach, den Uebermuth der einheimischen Grossen zu zügeln und zugleich dem Andrange so zahlreicher äusserer Feinde zu widerstehen; daher schlug er das dargebotene Diadem, das ihm keineswegs als ein beneidenswerther Schmuck erscheinen mochte, aus und empfahl für dasselbe unsern Grafen Konrad!¹), der unter den Grossen Deutschlands einer der angesehensten war und bei dem fränkischen Volksstamme, der bisher den Deutschen ihre Könige gegeben hatte, eine Stellung einnahm, welche der herzoglichen Gewalt fast gleichkam, sich auch bereits als tüchtiger, einsichtsvoller Mann und glücklicher Heerführer bewährt hatte.
Es wurde also von den Franken und Sachsen, den Alemannen und Baiern, mithin von allen deut- schen Hauptvölkern, mit Ausnahme der Lothringer, der Graf Konrad zum Könige der Deutschen erwählt. Dies sagen ausdrücklich die Annales Alamannici ²); Ort und Tag der Wahl verschweigen sie zwar, doch ergänzen auch hier Urkunden die Lücke der dürfligen Jahrbücher und belehren uns, dass die Wahl zu Forchheim und zwar am achten November 911 stattgefunden habe ³). Dem angeführten Zeugnisse einer gleichzeitigen Geschichtsquelle zum Trotz hat nun Luden die Ansicht aufgestellt, es sei gar keine Königs- wahl erfolgt, sondern Konrad habe bei dem plötzlichen Tode des letzten Karolingers ohne Weiteres nach der erledigten Krone gegriffen und sich dieselbe kecken Muthes auf's Haupt gesetzt, vielleicht ermuthigt zu diesem Unternehmen durch seinen klugen, ehrgeizigen Freund, den mächtigen Erzbischof Hatto von Mainz; Konrad's Thronbesteigung sei also ein Act des Uebermuthes und der Anmassung gewesen und darin ſinde auch die hartnäckige Weigerung der deutschen Fürsten, ihn in seiner unrechtmässigen Würde anzuerkennen, ihre Erklärung. Bei dieser wie bei vielen andern Gelegenheiten hat Luden, dessen eben ange- führte Vermuthung übrigens auch in neuester Zeit von mehreren Geschichtschreibern nachgesprochen worden ist, der Versuchung nicht zu widerstehen vermocht, eine Begebenheit nicht nach den bewährten Angaben glaubwürdiger Zeitgenossen, sondern so darzustellen, wie sie sich nach seinen eigenen An- sichten von den Verhältnissen und Umständen hätte zutragen können. Der Erforschung der Wahrheit wird durch ein solches Verfahren offenbar wenig gedient; mir erscheint es geradezu als eine Verdrehung der Geschichte, welcher sich kein besonnener Historiker schuldig machen sollte. Konrad hat sicher nicht nach der Krone gestrebt; er hat sie vielleicht nicht einmal gewünscht, wenigstens lässt sich daraus, dass die von ihm ganz abhängigen und ihm völlig ergebenen Franken dem Sachsenherzoge Oitto die Königswürde antrugen, erkennen, dass er diesem nachzustehen gern bereit war. Aber Luden bleibt bei jener willkürlichen Annahme nicht stehen; er versteigt sich sogar zu der Vermuthung, dass der letzte Karolinger, da derselbe in so zartem Alter und so plötzlich aus der Geschichte verschwinde, wol das Opfer einer blutigen That geworden sein könne, durch welche man dem Grafen Konrad, der seither schon
1) Widuk, I, 16(Pertz V, 425); Thietmar I, 4(Pertz V, 736). 2) Pertz I, 55: Hludowicus rex mortuus. Chonradus, filius Chourâdi comitis a Francis et Saxonibus seu
Alamannis ac Bauguariis rex electus.
3) Böhmer Reg. Carol. S. 118. Lemay in Acta Pal. VII, 100 setzt den Regierungsantritt Konrad's zwischen den 6. und 10. November 911..
4) Luden Geschichte des teutschen Volkes VI, 314 ff. 2*


