Aufsatz 
König Konrad I., der Franke
Entstehung
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sen, 909 Schwaben verwüstet, 910 das Heer der Franken gleichfalls geschlagen¹). Die angesehensten und tüchligsten deutschen Männer, wie der Herzog Burchard von Thüringen, der Bischof Rudolf von Würzburg und viele Grafen verloren in diesen Ungarnkämpfen ihr Leben und so grauenvoll war die Verwüstung der deutschen Länder, dass noch siebenzig Jahre nach dieser Zeit, als bereits Deutsch- land auf immer von diesen Feinden pbefreit war, Widukind ausrufen konnte: Quantam stragem, quantam Francorum fecerint, urbes ac regiones adhuc desolatae testantur!

908 wurde Sach

iniuriam imperio

so war der Zustand Deutschlands unter der Regierung Ludwigs des Kindes. Es gab damals kein deutsches Land, welches nicht von Ungarn, slaven und Normannen das Kergste gelitten; überdies war im Innern das Reich durch blutige Fehden zerrüttet; überall herrschten Gesetzlosigkeit, Raub und Mord, Ver- wirrung und Anarchie. Eine aähnliche Zeit ist nie wieder über unser Vaterland gekommen und selbst das traurige Interregnum im dreizehnten Jahrhundert hat solches Unheil nicht über die deutschen Gaue gebracht.

Mit dem Tode Ludwigs des Kindes, der am 20. August 911 erfolgte, erlosch das karolingische Herrscherhaus in Deutschland und das alle Band war völlig gelöst, welches seit der Begründung eines fränkischen Reiches die deutschen Völker umschlungen hatte. Der Zeitpunct war ein höchst wichtiger, denn jetzt mussten die deutschen Völker einen neuen, eigenthümlichen Gang der Entwickelung nehmen: entweder sie lösten sich ganz von dem Gesammtverbande ab und bildeten als Franken, Sachsen, Baiern, Schwaben u. s. w. unter ihren Herzogen eigene, selbstständige Reiche, in der Weise wie sich in jener Zeit bereits zwei burgundische Reiche innerhalb der Gränzen Westfrankreichs gebildet hatten; oder sie behiellen ihre bisherige Vereinigung zu einem politischen Ganzen bei, indem sie durch Wahl eine neue Königsherrschaft bei sich einrichteten. Wäre das erstere geschehen und dazu war allerdings Gefahr vor- handen, da gerado damals die Herzoge eine fast königliche Gewalt bei ihren Völkern in Anspruch nahmen und überdies alle und namentlich die Sachsen nur mit Widerwillen in jenen durch die Karolinger begründeten Reichsverband eingetreten waren so wäre es um die grosse welthistorische Rolle der Deutschen als herrschende Nation im Abendlande geschehen gewesen und die vereinzelten deutschen Stämme würden ohne Zweifel bald ihren mächtigen Nachbarn zur Beute geworden sein. Allein glücklicherweise war in den deutschen Völkern das Bewusstsein einer gemeinsamen Volksthümlichkeit bereits zu einer solchen Stärke gelangt und zugleich die Stellung der einzelnen Volksstämme, ihren Nachbarn im Westen, Norden und Osten gegenüber, so gefahrvoll, dass sie den Entschluss fassten, ihre bisherige politische Ein- heit unter einem gemeinsamen Reichsoberhaupte nicht aufzugeben. Der Fortbestand eines deutschen Reiches war somit entschieden. Aber wem sollte man in so schwerer, verhängnissvoller Zeit die deutsche Königskrone antragen? Zwar herrschte im westfränkischen Reiche noch ein Abkömmling der karolingi- schen Dynastie, Karl der Einfältige, allein die Westfranken waren den Deutschen damals bereits zu sehr entfremdet, die Persönlichkeit des genannten Schattenköniges zu verächtlich, als dass der Gedanke hätte aufkommen können, die Haupttheile der ehemaligen fränkischen Monarchie, wie einst unter Karl dem Dicken, zu einem Ganzen wiederzuvereinigen. Nur ein deutscher Fürst, das stand fest, sollte die deutsche Königskrone tragen. Erfreulich ist es, zu sehen, wie gerade die beiden mächtigsten deutschen Volksstämme, die Franken und Sachsen, bei aller Verschiedenartigkeit ihres Wesens dennoch ihre von den Vorfahren ererbte gegenseitige Abneigung so sehr überwunden hatten, dass sie bei der neuen Königswahl in völliger

1) Ann. Alam.(Pertz I, 54 und 55), Ann. Aug. a. 907, 908, 909 und 910(Pertz I, 68).