Aufsatz 
König Konrad I., der Franke
Entstehung
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rechnet werden können. Dahin gehört Widukind von Corvey!), der berühmte Geschichtschreiber des sächsischen Volkes, der im letzten Drittel des zehnten Jahrhunderts schrieb, aber für unsern Zweck nur mit Vorsicht gebraucht werden darf, da er oft statt beglaubigter Geschichte nur den Inhalt von Sagen und Volksliedern gibt, nicht selten auch zu Gunsten des sächsischen Volksstammes gegen den fränkischen Partei nimmt; ferner Thietmar von Merseburg ²), der aber noch später lebte als Widukind und diesen ohne Zwei- ſel benutzte, dennoch aber neben demselben auf den Rang einer selbstständigen Geschichtsquelle Anspruch machen kann; dann der Langobarde Liudprand), der ebenfalls noch im zehnten Jahrhundert Cer starb wahrscheinlich 972) schrieb, aber einen so seltsamen Begriff von dem Berufe eines Geschichtschreibers hatte, dass er sein Werk Antapodosis(Wiedervergeltung) nannte, weil er sich durch dasselbe für em- pfangene Beleidigungen rächen wollte; woraus allein schon hervorgeht, dass bei dem Verfasser von unbe- fangener, leidenschaftsloser Auffassung der Verhältnisse und Thatsachen nicht die Rede sein kann, das Werk also nur mit der grössten Vorsicht gebraucht werden darf. Uebrigens sind Italien und Byzanz der Hauptsckauplatz der von Liudprand erzählten Begebenheiten und nur gelegentlich bespricht er auch deutsche, namentlich alemannische und fränkische Verhältnisse. Für Konrad's Geschichte liefert er nur äusserst ge- ringe Ausbeute. Desto reicheren Inhaltes ist die berühmte Chronik von St. Gallen, welche für diese Zeit den Mönch Ekkehard IV. ¹) zum Verfasser hat, ein für die Geschichte des genannten Klosters und des Klosterwesens überhaupt sowie für die Kenntniss des Bildungs- und sittenzustandes jener Zeit höchst wichtiges Werk, welches jedoch für unsern Zweck die Geltung einer eigentlichen Geschichtsquelle nicht haben kann, da der Verfasser mehr als hundert Jahre nach dieser Zeit schrieb und die historischen That- sachen, welchen er mancherlei Spässe und drollige Anekdoten beizumischen liebt, oft sehr willkürlich be- handelt, sich in Ausschmückungen gefällt und selbst bei der ihm näher liegenden Zeit sich Verwirrung der Chronologie und Verwechslung von Personen und Thatsachen zu schulden kommen lässt. Dass neben den genannten Schriften auch die noch späteren gediegenen Geschichtschreiber des Miltelalters, als Her- mann der Lahme, Lambert von Aschaffenburg, Otto von Freisingen u. a. zur Vergleichung herangezogen werden müssen, ergibt sich schon daraus, dass sie ja möglicherweise Quellen benutzen konnten, welche für uns nicht mehr vorhanden sind; als eigentliche Quellenschriften dürfen sie natürlich nicht betrachtet werden.

Eine dritte Gattung von Quellen für die Geschichte Konrad's bilden die Diplome, insbesondere die Schenkungsurkunden), welche, wenn auch ihr Inhalt für die Geschichte selbst oft ganz unerheblich sein

1) Pertz V, 417 sq.

2) Pertz V, 734 sq.

3) Pertz V, 273 sq.

4) Er war um 980 geboren. Seine Casus S. Galli, welche die Jahre 890 bis nach 971 umfassen, stehen hei Pertz II, 77 sq.

5) Unser wichtigstes Urkundenbuch sind Böhmer's Regesta chronologica-diplomatica regum atque im- peratorum Romanorum inde a Conrado I. usque ad Heinricum VII(Frankfurt 1831). Noch vollständiger sind die bereits oben erwähnten Regesten der Karolinger. Dr. Eduard Brinckmaier scheint in seinem:Itinerarium der deutschen Kaiser und Könige von Konrad dem Frauken bis Lothar II.(Halle 1848) nur das erstgenannte Böhmer'sche Werk benutzt zu haben, da er nicht ermitteln konnte, wo Konrad das Weihnachtsfest 911 feierte, obgleich dies Böhmer, nachdem es Lang in seinem an ihn gerichteten Sendschreiben nachgewiesen, in den Ka- rolingerregesten(S. 118) nachgetragen hat.