Aufsatz 
König Konrad I., der Franke
Entstehung
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5 sich lieber solchen Zeiten und geschichtlichen Persönlichkeiten zu, welche durch den Glanz grosser Ereig- nisse die Forschbegierde reizten und Theilnahme, Bewunderung, ja Begeisterung in den Herzen der Leser zu erregen versprachen, als der Regierung eines Königes, der in mühevollem Schaffen, Ringen und Kämpfen seine Kraft früh verzchrte, der unter unsäglichen Anstrengungen nur die Grundmauern aufführte, auf welchen sich der Riesenbau des deutschen Reiches im Mittelalter erheben konnte, dessen ganzes Leben und Wirken nur von redlichem Wollen und eifrigem, mannhaftem Streben Zeugniss gibt, nicht aber die glänzenden Ergebnisse einer erfolgreichen, grossartigen Thätigkeit aufzuweisen hat. Aber neben dem Mangel genügender Vorarbeiten und der Undankbarkeit des Stoffes an sich finden wir für die Erscheinung, dass man sich bis jetzt im Ganzen mit so geringer Vorliebe der Geschichte Konrad's des Franken zuge- wandt hat, noch einen andern Erklärungsgrund in der Beschaffenheit der OQuellen. Denn es gibt keinen einzigen gleichzeitigen Geschichtschreiber oder Biographen, dessen Werk ein neuerer Darsteller dem sei- nigen zum Grunde legen könnte, sondern die Nachrichten über Konrad und die Begebenheiten seiner Zeit sind in einer grossen Anzahl von Chronisten, Annalisten und Geschichtschreibern zerstreut, welche grössten- theils durch ihre Dunkelheit, Verworrenheit und Dürfligkeit, besonders aber durch häuſige Widersprüche in ihren Angaben auch des geduldigsten Forschers Ausdauer endlich ermüden. Es sei mir gestattet, der Geschichte Konrad's eine kurze Uebersicht über die Quellen!) vorauszuschicken.

Zu den wichtigsten Quellen der Geschichte Konrad's I. gehört ohne Zweifel der dem Namen nach unbekannte Fortsetzer des Regino, ²) Mönch im St. Maximinskloster zu Trier, dessen Annalen die Zeit von 907 bis 967 umfassen und für unsere Zeit besonders aus den Reichenauer und Alemannischen Annalen ge- schöpft haben, eine noch grössere Bedeutung aber seit dem Jahre 939, wo der Verfasser als Zeitgenosse ausführlicher berichtet, gewinnen. Dieser Chronist, der von vielen späteren, namentlich auch von dem sächsischen Annalisten, oft ausgeschrieben und von vielen Geschichtschreibern des Mittelalters z. B. von IHlermann dem Lahmen, Siegfried von Gemblours, Otto von Freisingen u. A. fleissig benutzt wurde, ist unstreitig die bedeutendste Geschichtsquelle seiner Zeit, da er allen andern an Einfachheit, Treue und Ge-

nauigkeit weit voransteht.

Sehr gross ist ferner die Zahl der Annalen, welche für die Geschichte Konrad's, freilich grösstentheils nur dürflige, Beiträge liefern. Unter ihnen behaupten die erste Stelle die Annales Alamannici, welche Angaben über Konrad enthalten, die man anderswo vergebens suchen würde, dann die Annales Augienses, Sangallenses, Ein- sidlenses, Corbejenses u. a., welche aber alle sehr inhaltsarm sind und überdies meist die Angaben älterer An- nalen wiederholen*). Zu beklagen ist, dass die vortrefflichen, für die karolingische Geschichte so überaus wichtigen Annakles Fuldenses nur bis zum Jahre 911 reichen, also uns für die Zeit Konrad's völlig verlassen

In zweiter Reihe sind diejenigen Geschichtschreiber zu nennen, welche zwar nicht gleichzeitig. sind, aber doch dieser Zeit noch so nahe stehen, dass sie gewissermassen zu den eigentlichen Quellen ge-

1) Zur Kenntniss der Quellenschriften des Mittelalters hat neben Dahlmann's bekanntem Schriftchen M. Th. Contzen durch seine:Geschichtschreiber der sächsischen Kaiserzeit nach ihrem Leben und ihren Schriften

(Regensburg 1837) einen sehr dankenswerthen Beitrag geliefert.

2) Pertz I, 613 sq. 3) Fast alle diese Annalen finden sich im ersten und fünften Bande der Mon. Germ. Hiist.