Aufsatz 
König Konrad I., der Franke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

Luden's grösserem Werke n) behandelt worden, aber leider fehlt es demselben bei manchen anerkennens- werthen Vorzügen auch hier nicht an Fehlern und Verstössen, chronologischen Irrthümern und willkür- lichen Annahmen, wie ich es bereits von einem andern Theile der vaterländischen Geschichte in einer vor mehreren Jahren von mir herausgegebenen Monographie nachgewiesen habe*). Die neueren Geschichts- werke, welche in der Regel Luden's Forschungen zum Grunde legen, sind grösstentheils ebenfalls von den angeführten Mängeln nicht frei und namentlich muss dieses auch von Heinrich Müller's ³) so verdienst- vollem Werke behauptet werden, welches sich durch fleissige und umsichtige Benutzung der vorhandenen Hilfsmittel in hohem Grade auszeichnet und nichts zu wünschen übrig lässt, als dass der Verfasser häu- ſiger unmittelbar aus den Quellen selbst geschöpft und namentlich den Forschungen Luden's weniger Ver-

trauen geschenkt haben möchte.

Das genannte Werk Müller's macht eine grosse Anzahl neuerer Schriften entbehrlich und ich begnüge mich daher, nur noch zwei Werke der Neuzeit anzuführen, von welchen das eine Georg Waitz, Jas andere Friedrich Stälin, zwei Namen des besten Klanges in der deutschen Geschichtsforschung, zum verfasser hat. Alles, was in neuerer Zeit über den Gegenstand gegenwärtiger Abhandlung geschrieben worden ist, wird an Gründlichkeit und Gediegenheit übertroffen durch den Inhalt der kurzen Einleitung, welche Waitz seinen Jahrbüchern des deutschen Reichs unter der Herrschaft König Heinrichs I.*) voraus- geschickt hat, und ich hätte sehr gewünscht, dass der um die Erforschung der vaterländischen Vorzeit so verdiente Verfasser auch die Zeit Konrad's in einer besonderen Schrift ausführlich behandelt hätte. Was Waitz für diejenigen Vorfälle leistet, deren Schauplatz die sächsischen Lande waren, das leistet für die schwäbischen Begebenheiten Stälin's würtembergische Geschichte,*) ein wahrhaft ausgezeichnetes Werk, dem sich wenige Specialgeschichten der neueren Zeit an die Seite setzen lassen. Mit Freuden erkenne ich an, dass ich durch die drei zuletzt erwähnten Werke mehr als durch die meisten andern in dem Studium der deutschen Vorzeit gefördert worden bin und dass ich denselben auch für die vorliegende Abhandlung

Vieles verdanke.

Eine tüchtige, mit Quellenkunde und umsichtiger Kritik ausgeführte Monographie über Konrad I. gibt es nicht, und seit Gundling und Ludewig, deren lateinisch geschriebene Dissertationen de Conrado primo fast der Verschollenheit anheimgefallen und nur noch dem Literarhistoriker bekannt sein mögen, hat überhaupt Niemand den genannten König zum Gegenstande einer besonderen Schrift gemacht. Man wendete

1) Geschichte des teutschen Volkes. Bd. VI. S. 314 ff. und Anmerkungen S. 600 ff.

2) Der Bruderkrieg der Söhne Ludwigs des Frommen und der Vertrag zu Verdun. Nach den Quellen dargestellt. Fulda 1843.

3) Die deutschen Stämme und ihre Fürsten. 3 Bände. Berlin 1840 42. Die Zeit der Begründung des deutschen Reichs durch Konrad den Franken behandelt Bd. III. S. 295 ff..

4) Diese Schrift bildet die erste Abtheilung des ersten Bandes der von Ranke herausgegebenen:Jahr- bücher des deutschen Reichs unter dem sächsischen Hause(Berlin 1837), welche eiuen wahren Schatz der wich- tigsten und anzichendsten Forschungen enthalten, aber leider immer noch nicht hinreichend gewürdigt und für die Geschichtschreibung ausgebeutet worden sind.

6) Unsern Gegenstand berührt der erste, die Geschichte Schwabens und Südfrankens(bis 1080) umfas-

sende Theil dieses vortrefflichen Werkes(Stuttgart und Tübingen 1841).