D. Leben und die Regierung Konrad's I., des ersten Wahlkönigs des deutschen Reiches, gehört zu denjenigen Theilen der vaterländischen Geschichte, welche der Thätigkeit des eifrigen und besonnenen Forschers noch ein weites Feld darbieten. Wie Grosses auch in neuerer Zeit, namentlich seit der Begrün- dung der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde und dem Erscheinen der Monumenta Germaniæ historica auf diesem Gebiete geleistet worden ist; das so wichtige Zeitalter Konrad's I. hat bis jetzt keinen sehr bedeutenden Vortheil von diesem so erfreulichen Forschungseifer gezogen, ist vielmehr in den meisten umfassenderen und kürzeren Werken, welche seit dem Erwachen historischer Kritik in Deutsch- land bis auf die neueste Zeit erschienen sind, in einer, im Vergleich mit den ausgezeichneten Leistungen auf andern Gebieten der vaterländischen Geschichte, nicht sehr befriedigenden Weise dargestellt worden. Es kann natürlich meine Absicht nicht sein, eine vollständige Zusammenstellung aller Geschichtswerke zu geben, in welcher die Regierung Konrad's I. ausführlicher und mit Benutzung der Quellen behandelt wird; doch will ich wenigstens die bedeutendsten kurz vorüberführen. Ich beginne mit dem ehrwürdigen Bünaut), der in seiner umfangreichen, leider nur bis zum Tode Konrads fortgeführten deutschen Geschichte, welche fast auf jeder Seite von einem wahrhaft bewundernswerthen Fleisse Zeugniss gibt und auch jetzt noch eine grössere Beachtung verdiente als ihr in der Regel zu Theil wird, der Regierungsgeschichte des genannten Königes eine sehr gründliche und für eine Zeit, wo die deutsche Geschichtsforschung noch auf einer äusserst niedrigen Stufe stand, sehr befriedigende Darstellung gewidmet hat. Gross sind auch die Verdienste, welche sich Wenck in seiner hessischen Landesgeschichte²) um die Aufhellung jener so schwierigen und verwickelten Periode der vaterländischen Geschichte, namentlich durch seine der Familie der Konradiner zugewandten genealogischen Forschungen, erworben hat, und die Ergebnisse seiner Unter- suchungen haben, wenn sie auch in manchem Puncte durch spätere Arbeiten berichtigt oder widerlegt worden sind, dennoch auf die Beachtung neuerer Geschichtsforscher den gerechtesten Anspruch. Wenck's Nachfolger auf dem Gebiete der hessischen Geschichte, Christoph v. Rommel und Friedrich Rehm, konnten ihrem Plane gemäss der Geschichte Konrad's nur eine übersichtliche Darstellung widmen und sich einer ge- naueren Erforschung des Einzelnen nicht unterziehen. Am ausführlichsten ist der erwähnte Zeitraum in'
1) Deutsche Kaiser- und Reichshistorie Leipzig 1728— 1743, 4 Bde. Die Geschichte Konrad's I. findet sich im vierten Bande S. 183 ff. Böhmer in der Vorrede zu seinen: Regesta chronologico-diplomatica Karolorum VII. Anm. nennt es das bei weitem beste Werk über die fränkische Geschichte und wenn er ferner bemerkt: „Die seitdem hier und da verlernten Hauptgrundsätze geschichtlicher Forschung: Ausschluss der nichtgleichzei- tigen Scriptoren und Mitbenutzung der Urkunden, sind von Bünau schon beobachtet. Eigentlich möchte ich ihm eine neue Ueberarbeitung wünschen“, so wird jeder Freund und Kenner unserer historischen Literatur dem hoch- verdienten Meister vaterländischier Geschichtsforschung beistimmen.
— 2) Die Geschichte Konrad's I. enthält die zweite Abtheilung des zweiten Bandes S. 630 ff.


