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lichen und den Anforderungen unſerer Zeit räumlich wie hinſichtlich der Ausſtattung längſt nicht mehr entſprechenden Schulzuſtänden, unter denen ſelbſtverſtändlich die an der Anſtalt wirkenden Lehrer phyſiſch und pſychiſch manchmal ſchwer zu leiden hatten, gerade ſein Direktor es geweſen iſt, der es meiſterhaft verſtanden hat, jenen herzerfriſchenden, unverdroſſenen und arbeitsfrohen Geiſt unter ihm wachzuerhalten, durch den unter denkbar ſchwierigſten Umſtänden dennoch die Leiſtungen der Schüler hinter anderen längſt in glücklichen Verhältniſſen arbeitenden Anſtalten nicht zurückgeblieben ſind. Und wer unter den vielen Eltern der ſeiner Leitung anvertrauten Jugend erinnert ſich nicht mit Freuden an die herzgewinnende Art, mit der Herr Schön zu jeder Zeit mit Rat und Tat und unbegrenztem Wohlwollen, unbeſchadet aller Energie und Unparteilichkeit, in den vielen Elternnöten und Sorgen allen hilf⸗ bereit zur Verfügung geſtanden hat? Darum gebührt der Dank nicht der Lehrerſchaft, ſondern demjenigen Manne, der in ſeiner ſtets ſo beſcheidenen Art ſoeben dieſen zum Ausdruck brachte. Ich fordere daher nicht nur die Kollegen, ſondern auch die einſtigen Schüler und deren Eltern auf, als Zeichen allerwärmſter Dankbarkeit gegen Herrn Geh. Schulrat Dr. Schön, nein, gegen unſeren alten treuen Freund, Direktor Schön, ein kräftiges Hoch auf denſelben auszubringen.“ Wie ſehr Redner allen Anweſenden aus der Seele geſprochen, bewies die Zuſtimmung, welche ſeinen Worten folgte.
Im weiteren Verlaufe des genußreichen Feſtes ergriff Herr Privatier Heinrich Heerdt das Wort zur Begrüßung, welche namentlich ihrer hiſtoriſchen Rückblicke wegen von Intereſſe ſein dürfte:
Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Mitſchüler älterer und jüngerer Jahrgänge!
Geſtatten Sie mir, mich vorzuſtellen: ehemaliger Realſchüler mit Abgangszeugnis, datiert 31. Auguſt 1874.— Eine lange Zeit liegt zwiſchen heute und dem Tage, als wir— 44 Schüler— mit unſerem alten Klaſſenführer Profeſſor Schumacher, dem Manne mit dem weichen Gemüt und guten Herzen, nach damaliger Gepflogenheit draußen auf dem Leniaberg Abſchied feierten und nach allen Windrichtungen aus⸗ einandergingen. Freudig das Wiederſehen der Wenigen unſeres Jahr⸗ ganges und der Austauſch der Erinnerungen an die Jugendzeit beim geſtrigen Abend. Unſere Schulerinnerungen ſind mit dem Gedenken an Deutſchlands große Zeit enge verknüpft. Wie waren wir froh, als wir bei Ausbruch des Krieges 1870 auf unbeſtimmte Zeit nach Hauſe ge⸗ ſchickt wurden, da die Schulräume für Kriegszwecke— Gott ſei Dank nur für kurze Zeit—, zur Verfügung geſtellt werden mußten. Und mit welch jugendlicher Begeiſterung ſangen wir am Sedanstage 1870


