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ſonders auch der Zukunft mit ihren Erwartungen und frohen Hoffnungen auf das zu erziehende jüngere Geſchlecht. Mit nochmaligem warmem Danke für das herrliche, ſtolze Gebände leerte er ſein Glas auf das Wachſen, Blühen und Gedeihen unſerer Stadt. Beſonders freudiger Beifall erhob ſich, als Herr Geheime Schulrat Dr. Schön das Wort zum herzlichen Dank gegen alle diejenigen ergriff, welche ihm die geſtrige ſpontane Ovation bereitet hatten, indem er ungefähr ausführte, ſo wie die Eltern gerade an denjenigen ihrer Kinder am meiſten hängen, die ihnen die größten Sorgen bereiten, ſo ſei ihm von allen Anſtalten, an denen er gewirkt, die Mainzer Schule am meiſten ans Herz gewachſen. Wohl habe ihn namentlich in ſeinen letzten Dienſtjahren mancherlei Sorge bedrückt, daß dies alles aber reichlich belohnt ſei durch die anerkennenden Worte des Herrn Direktors Dr. Kemmer, ſeines Nachfolgers im Amte, beſonders aber auch durch den großartigen Empfang in dieſen Feſt⸗ räumen durch ſeine ehemaligen lieben Schüler. Indeſſen ſei ihm die Arbeit und Sorge um die Schule verhältnismäßig leicht geworden durch ein Lehrerkollegium, das ſich der Schwere der ihm auferlegten Pflichten bewußt geweſen ſei. Kaum habe er nötig gehabt, etwas zu befehlen; nein, er habe ſtets das Gefühl gehabt, daß er nur einen Wunſch aus⸗ zuſprechen brauche, um auch der bereitwilligſten Erfüllung desſelben ſicher zu ſein. Jeder Kollege habe das ernſte Beſtreben gehabt, ſeinem Direktor Arbeit und Sorge zu erleichtern. So allein ſei es möglich geweſen, trotz aller ungünſtigen Verhältniſſe, die Anſtalt auf der Höhe zu erhalten, daß ſie den geſtellten Anforderungen genügen und einen Vergleich mit anderen, günſtiger geſtellten Anſtalten habe aushalten können. Wenn alſo ſeine beſcheidene Arbeit eine erſprießliche geweſen ſei, ſo habe dies ſeinen vornehmſten Grund in der warmen, aufopfernden Hingabe der ihm unterſtellten Kollegen an ihren ſchweren Beruf gehabt: dieſen Männern gelte ſein unbeſchränktes Lob, ſein herzlicher Dank für die unverdroſſene Mitarbeit am Werke der Jugenderziehung unter beſonders ſchwierigen Verhältniſſen.
Hiergegen hob Reallehrer See ohngefähr wie folgt hervor:„Was würden Sie, meine hochverehrten Feſtteilnehmer dazu ſagen, wenn ein Vater, deſſen ganzes Streben es jahrelang geweſen, ſeinen Kindern alle aufopfernde Fürſorge angedeihen zu laſſen, um ſie durch die vielen Mißlichkeiten und Widerwärtigkeiten des Lebens zu geleiten, es ſich ein⸗ fallen laſſen wollte, ſich für alles das den Kindern erwieſene Gute bei dieſen noch obendrein zu bedanken, anſtatt daß das Herz ſeiner Kinder von Dank erfüllt ſei! Dieſer Vergleich iſt mir in dem Augenblick gar lebhaft vor die Seele getreten, als ich die vorige Dankesrede vernommen. Weiß doch das ganze Lehrerkollegium nur zu genau, wie in den oft ſehr miß⸗


