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Nachdem Redner ſeinen geziemenden Dank gegen unſeren aller⸗ gnädigſten Landesfürſten, die Gr. Staatsregierung, insbeſondere den an⸗ weſenden Herrn Regierungsvertreter, ausgeſprochen, gab er dem Wunſche Ausdruck, daß es ihm gelingen möge, dem in ihn geſetzten Vertrauen zu entſprechen und der ihm geſtellten ernſten Aufgabe gerecht zu werden. Mit Stolz und Vertrauen blicke er auf ſein zukünftiges Arbeitsfeld: ein neues Heim der Oberrealſchule, ſo hoch und ragend, ſo ſeattlich und ſtolz, ſo luftig und hell, wie eines ſolchen ſich kaum eine andere Anſtalt des Landes erfreuen könne. Darum hebe er rühmend hervor, daß hier ein Schulbau geſchaffen ſei, der an künſtleriſcher Vollendung und zweck⸗ mäßiger Geſtaltung nach außen und innen ſeinesgleichen ſuche. Es ge⸗ bühre daher Ruhm, Ehre und Dank der Stadt Mainz, als der Er⸗ bauerin dieſes monumentalen Werkes. Eine Luſt müſſe es ſein, in dieſem Hauſe zu lehren und zu lernen. Und der Dank für dieſe Gabe möge ſein, in dieſen Räumen Gottesfurcht und Sitte, Liebe und Treue zum Vaterland, Wiſſenſchaft und künſtleriſchen Sinn nach Kräften zu pflegen.
Beſonderen und herzlichen Dank ſprach Redner alsdann dem ſeit⸗ herigen Leiter der vereinigten Anſtalten, Herrn Dr. Kemmer aus, mit dem ihn das Lebensſchickſal nun ſchon zum drittenmal zu gemeinſamer erzieheriſcher Arbeit zuſammengeführt habe: im waldumrauſchten Bü⸗ dingen, im rebenumkränzten Bingen und nun wieder im goldenen Mainz. Nachdem Herr Geheime Rat Walter noch ſein nunmehriges Kollegium mit warmen Worten begrüßt und betont hatte, daß wahrhaft erſprieß⸗ liche Arbeit in einem ſolch weitverzweigten Organismus von unerſchütter⸗ lichem gegenſeitigen Vertrauen getragen ſein müſſe, und daß es ſein vor⸗ nehmſtes Beſtreben ſein werde, ſich dieſes Vertrauen zu erwerben und er dieſes dem Kollegium offen und herzlich entgegenbringe, wandte er ſich mit folgenden Worten an die nunmehr ſeiner Leitung unterſtellte Jugend:
„Und nun zu Euch, liebe Schüler! Ihr habt durch den Mund Eures Mitſchülers ein herzerhebendes Gelöbnis zur Weihe dieſes Hauſes vernommen. Und wie dieſer ſtolze Bau Euch nun weit ſeine Pforten öffnet, ſo tut auch Eure Herzen auf, daß alles Gute, Edle und Tüchtige Einlaß finde. Faßt nur herzliches Vertrauen zu mir! Ich habe die rheiniſche Jugend in Bingen und Worms während langer Jahre in täg⸗ lichem Verkehr kennen und lieben gelernt. Ich bin Euer väterlicher Freund und werde dies auch, wenn Strenge und Strafe einmal walten müſſen, nie vergeſſen. Zu gottesfürchtigen, ſittlich⸗tüchtigen, kerndeutſchen Jüng⸗ lingen wollen wir Euch erziehen und mit ſicheren Kenntniſſen ſoweit aus⸗ rüſten, daß Ihr den größeren Zielen Eures künftigen Berufslebens mit Erfolg zuſtreben könnt. Bevor Ihr auf den lauten Markt des Lebens gelangt, ſoll Euch— nach einem ſchönen Worte Jean Pauls— die


