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Schule wie durch einen erhabenen, ſtillen Tempel führen. Dazu bedarf es einer langen und ſtillen Arbeit. Ernſte Pflichten ſind zu erfüllen. Nur wenn Freude in Euch wohnt, werdet Ihr wahren Erfolg haben und ein großes Ziel erreichen.
„Freude heißt die ſtarke Feder
In der ewigen Natur,
Freude, Freude treibt die Räder
In der großen Weltenuhr,“ ruft Euer Lieblingsdichter Schiller Euch zu und zeigt mit dieſen flammenden Worten auch Euren jugendlichen Kräften den Weg,„der zu der Tugend ſteilem Hügel“ führt.
Und wenn die Kräfte auch manchmal verſagen, wenn der Fuß auch einmal ſtrauchelt, ſo ſind Eure treuen und erfahrenen Lehrer da, um Euch zu ſtützen und mit neuem, friſchem Mute zu erfüllen. Darum, liebe Schüler, geht nicht mit Unluſt und Verdroſſenheit, ſondern mit freudigem Vertrauen an die Arbeit der Schule. Dann wird bald die reinſte aller Freuden Eure Bruſt erfüllen, die Frende des durch eigene Kraft errungenen Erfolgs. Und haltet Eure Seele rein und blank. Auch für die Jugend gilt das mahnende Wort:
„Der Menſchheit Würde iſt in Eure Hand gegeben, Bewahret ſie!
Sie ſinkt mit Euch,
Mit Euch wird ſie ſich heben!“
Ich komme zum Schluß! Die neuen Pſorten ſind offen. Befriedigt ſchweift das Auge über die edlen Formen des neuen Bauwerks, und der Blick weilt mit ſtillem Intereſſe auf dem in die Mauer des Hofes wieder eingefügten altehrwürdigen Gautor und ſeinem für die Stadt ſo bedeu⸗ tungsvollen Bildſchmuck. Tiefer und innerlicher können die hohen Ziele unſeres Erziehungswerks nicht verſinnbildlicht werden. Klingt es nicht wie eine leiſe Mahnung zu uns nieder: Erfüllt die Herzen der Jugend mit Menſchlichkeit und Milde, daß ſie dereinſt auch im Leben Anteil nehme an werktätiger Nächſtenliebe und dem Dichterwort nachlebe: Edel ſei der Menſch, hilfreich und gut! Und weiter ſpricht es zu uns: Weckt und erhaltet in unſerer Jugend die Heimatliebe und den Sinn für unſere große geſchichtliche Vergangenheit. Und iſt nicht hier, wo auf uralter Kulturſtätte tauſend hiſtoriſche Erinnerungen zu uns ſprechen, ein beſonders geeigneter Boden dafür? Und ſenkt in die empfängliche jugendliche Seele die Keime des Verſtändniſſes reiner, edler Kunſt und die Sehnſucht nach ihren Sonnenhöhen. Und wenn dann der Lehrer als kluger Sämann auf ein ſo geackert Land den Samen der dieſer Anſtalt eigentümlichen Bildungsformen ausſtreut, wenn unſere Jugend der Erkenntnis des viel⸗


