Aufsatz 
Feier des 75jährigen Bestehens der Realschule und Einweihung des Neubaues der Oberrealschule in Mainz, 24. - 25. April 1906. Festbericht
Entstehung
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Doch wir, das Geſchlecht, dem die Zukunft gehört, Die Jugend, wir wollen geloben

Voll Inbrunſt und Ernſt in heiligem Schwur Dem ewigen Vater dort oben:

Zu werden am Baume der deutſchen Kraft In Segen blühende Reiſer

Und Früchte zu reifen, der Stadt zum Heil, Dem Reiche, dem Fürſten, dem Kaiſer.

Auf, auf nun, ihr Tore, ihr Pforten weit

Zum Anfang in Gottes Namen!

Herr bleib bei uns zu aller Zeit

Mit Deinem Schutzel! Amen.

Nach einem weiteren Geſang der Schüler erfolgte die Einführung des neuen Direktors durch Herrn Geh. Oberſchulrat Nodnagel. Mit bewegten, herzlichen Worten begrüßte hierauf der ſeitherige Leiter der Doppelanſtalt, Herr Direktor Dr. Kemmer, ſeinen Nachfolger und nahm noch von denjenigen Lehrern Abſchied, welche der Oberrealſchule zugeteilt worden waren, ebenſo widmete er den Schülern dieſer Anſtalt warme Worte des Scheidens. Herr Profeſſor Staudinger, als Senior des neuen Lehrerkollegiums, verabſchiedete ſich alsdann mit der Verſicherung aufrichtigen Dankes für das ſtets bewieſene Wohlwollen und die freund⸗ ſchaftliche Kollegialität, die Herr Dr. Kemmer den Lehrern bewieſen, in deren Namen von dem ſeitherigen und begrüßte den nunmehrigen neuen Leiter der Oberrealſchule, Herr Geh. Schulrat Dr. Walter. Dieſer ergriff hierauf das Wort zu einer warmherzigen und alle Zuhörer feſſelnden Anſprache, in der er ohngefähr folgendes ausführte:

Eine weihevolle Stunde liegt hinter uns! Noch ſtehen wir alle unter dem Eindruck der erhebenden Feier, deren Zeugen wir geweſen, und nur mit einem gewiſſen Zagen trete ich vor Sie hin, ob es mir wohl gelingen wird, das rechte Wort zu finden, um den Gefühlen Aus⸗ druck zu geben, die heute mein Herz bewegen. Aber ich will mein Ver⸗ trauen darauf ſetzen, daß ich am Rhein kein Fremdling bin. Seit ſiebzehn Jahren iſt er mir eine teuere, liebe und wahre Heimat geworden; ich kenne ſein Land, ich kenne ſeine Leute, und vor allem: ich kenne die fröh⸗ liche, lebhafte, herzerfriſchende rheiniſche Jugend, mit der ich heute in dieſes herrliche, prächtige Haus einziehen ſoll.

Aber ich kenne den Rhein nicht nur ich liebe ihn auch von ganzem Herzen. Er iſt mirein trüben und hellen Lebenstagen ein lieber Freund geworden. Und wo man gerne weilt, da füllt ſich die Seele mit Dank. Es iſt mir daher eine angenehme Pflicht, dem Dankesgefühl hier Ausdruck zu geben, indem ich Sie alle, insbeſondere die ſtaatlichen, kirchlichen und ſtädtiſchen Behörden und Vertretungen, die Sie zu dieſer Feier hier erſchienen ſind, aufs herzlichſte begrüße und willkommen heiße!