Aufsatz 
Feier des 75jährigen Bestehens der Realschule und Einweihung des Neubaues der Oberrealschule in Mainz, 24. - 25. April 1906. Festbericht
Entstehung
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Ausban auf den heutigen Stand gebracht und die grundlegenden Schritte für die endliche Trennung der Anſtalten getan habe. Herr Geh. Rat Schön lebe gewiß bei allen in viel zu guter Erinnerung, dies habe der geſtrige Abend bewieſen, als daß es nötig ſei, deſſen Lob beſonders hervorzu⸗ heben. Dem einen Wunſche aber ſolle heute Ausdruck gegeben werden, daß der ſo beliebte Mann noch lange der wohlverdienten Ruhe mit jener erquickenden Heiterkeit und jenem göttlichen Humor genießen möge, den er ſich immer trotz der Jahre und angeſtrengteſter, gewiſſenhafter Lebens⸗ arbeit zu bewahren gewußt, und der ſich ſtets ſo wohltuend auf ſeine Umgebung fortgepflanzt habe.

Dann leitete Herr Direktor Dr. Kemmer auf den zweiten Teil unſerer Feier über, die Eröffnung und Weihe des neuen Gebäudes der Oberrealſchule, mit welchem Akt nicht nur äußerlich die Trennung zweier ſo lange eng verbundenen Anſtalten vollzogen werde, ſondern auch un⸗ vermeidlich manche herzliche Beziehungen gelockert, gar viele geſellſchaft⸗ liche Fäden, namentlich des ſeither in ſo herzlicher Eintracht wirkenden Kollegiums zerriſſen würden und dadurch heute das Gefühl der Wehmut nicht unterdrückt werden könne. Doch müſſe man mit Freuden den Augenblick begrüßen, an dem der ungeheuere Schulorganismus, wahr⸗ ſcheinlich der größte in ganz Deutſchland, geteilt werde, und jedes Glied ſich von nun ab leichter und ungehinderter in ſeiner Eigenart entwickeln könne. Wörtlich fuhr er dann fort:Die ältere Schweſter, die zur Oberrealſchule ausgewachſene einſtige Realſchule, bezieht den herrlichen Neubau, der nachher übergeben und eingeweiht werden ſoll; indes die jüngere, das Realgymnaſium, weiterhin im Hauptteil des alten Gebäudes verbleibt. Wohl könnte dieſe zurückbleibende Schweſter das Gefühl der Wehmut doppelt ſchmerzlich empfinden, wenn ſie die andere ausziehen ſieht in ſo herrliche, geſunde, zweckentſprechende und vorzüglich eingerichtete Räume, während ſie ſelbſt im alten Hauſe zurückbleiben muß, aus dem auch ſie ſich hinausſehnt nach mehr Licht, Luft und Sonne, wo die Lunge frei atmen und der Geiſt ſich ungehindert voll und ganz entfalten kann. Aber nein! Nicht derartige Empfindungen beherrſchen ſie, ſondern ſie iſt mit ihrer Schweſter voll des Dankes und der Anerkennung allen denen gegenüber, die dieſen Neubau beſchloſſen und ausgeführt haben. Und das wird ihr um ſo leichter werden, als ſie ſich der freudigen Zuverſicht hingibt, daß auch für ſie bald in gleicher Weiſe geſorgt werdenwird. Er fügte daran den Wunſch, daß zu dieſem Werk der Menſchenhände der Herr des Himmels und der Erde ſeinen Segen geben möge, damit alle die Hoffnungen, die wir in dieſen feſtlichen Augenblicken hegen, in Erfüllung gehen, daß in dem neuen Hauſe ein Geſchlecht heranwachſe, das beſeelt ſei von ernſtem Streben und feſtem Willen, das zu ſchaffen und zu