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redet*). Abgeſehen von der Zweckmäßigkeit der Eintheilung des Werkes, empfiehlt ſich daſſelbe auch noch beſonders durch die reiche Auswahl der Gedichte.
Indem auf dieſe Weiſe in den Lehrſtunden durch Erläuterung der Muſter der einzelnen Dichtungsarten das äſthetiſche Gefühl des Schülers erweckt wird, ſoll er keineswegs verſäumen, privatim durch geeignete poetiſche Lectüre ſich noch weiter fortzubilden. Denn die Lectüre in den wenigen Lehrſtunden kann ja nur eine An⸗ leitung geben, wie er zu Hauſe Gedichte leſen ſoll. In die Privatlectüre gehören denn auch die größeren Gedichte, epiſche wie dramatiſche, die wegen Kürze der anbe⸗ raumten Zeit in der Schule nicht geleſen werden konnten, und beſonders wird es die Beſchäftigung mit den Schiller'ſchen Dramen ſein, die ihn am meiſten anzieht. Um aber auch dieſe Poeſien vollkommen zu verſtehen und würdigen zu lernen, wird es erforderlich ſein, daß für das letzte Jahr des Gymnaſialcurſus die Lectüre eines Drama's in den Lehrſtunden angeordnet werde.
Das Drama iſt, wie in der antiken, ſo auch in der modernen Poeſie die höchſte Spitze, aber das moderne Drama iſt ſehr verſchieden von dem antiken, ſo⸗ wohl in der Form, als auch in der Idee. Daher wird es von doppeltem Nutzen ſein, wenn in der erſten Claſſe neben der Lectüre des Sophocles auch ein deutſches Drama geleſen wird, indem dadurch der Unterſchied auch für den Schüler hervortritt.
*)„Lehrbücher für die Schüler beſtimmt, berückſichtigen faſt immer mehr die Poetik als die Aeſthetik; ſie gründen alſo die Eintheilung der ausgewählten Proben auf die verſchiedenen Dichtarten allein, oder wie dies neuerdings in der umfaſſenden, vielſeitigen und ausge⸗ zeichneten Sammlung von K. E. Ph. Wackernagel geſchehen iſt, auf die metriſchen Unterſchiede der Gedichte. So zweckmäßig dies in ſpecieller Leſebeziehung ſein mag, ſo tritt dem Leſer ſolcher Gedichte ein ſehr fühlbarer Uebelſtand darin entgegen, daß er hier die verſchiedenen Perioden und Bildungsſtufen der Poeſie ganz verwiſcht findet und von dieſer Seite Belehrung und Ueberſicht nicht hoffen darf, ja zu einer richtigen äſthetiſchen Schätzung der einzelnen Gedichte unmöglich gelangen kann. In der That, wie klein und empfindungsarm muß ein Liedchen von Weiße oder Gleim neben einem Liede von Göthe, wie ſchwunglos ein didaktiſches Gedicht von Uz oder Cronegk neben einem philoſophiſchen Lehrgeſange Schillers, wie kühl und leer ein geiſtliches Lied von Gellert neben einer Hymne von Novalis, wie polternd und grob eine Ballade von Vürger neben einer äthe⸗ riſchen Romanze Uhlands, wie holpricht oder lahm eine Ode von Ramler oder Klopſtock neben dem gegliederten Spraczkunſiwerk⸗ eines Voß und noch mehr eines Platen er⸗ ſcheinen?“


