Aufsatz 
Über das ästhetisch Bildende der poetischen Lektüre auf Gymnasien / [Conrector Spieß]
Entstehung
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Wenn auch bei der Lectüre der deutſchen Dichter dieſelbe Stufenfolge vom Leichteren zum Schwierigeren zu beobachten iſt, wie bei derjenigen der griechiſchen

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Die vier letzten Zeilen dieſer Strophe ſind durchaus unnöthig, und die Sätze: war das nicht brav gemeint? Bei Gott, der Graf trug hohen Sinn! wären ſelbſt in Proſa widerlich. Wenn es auch brav gemeint war, daß der Graf Gold bot für die Rettung, ſo war es doch keine beſondere Bravheit, daß er ſein Verſprechen hielt. Oder iſt er deshalb zu rühmen, daß er nicht als ein Lügner ſich heimlich wegſchlich? In der Entführung von Bürger heißt es Strophe 31:

Ach, Trudchen, wie voll Angſt und Noth, Verblüht in Todesbläſſe.

Vor Zorn der Freiherr heiß und roth Glich einer Feuereſſe.

Götzinger:Ein verfehltes Bild; ebenſo gut könnte Backofen, oder Waſchkeſſel oder warmer Semmel ſtehen. Was ſoll dieſe Anmerkung? ſoll ſie vielleicht den Witz des Verfaſſers beurkunden? In Schillers Ring des Polpkrates:

Bedenk', auf ungetreuen Wellen,

Wie leicht kann ſie der Sturm zerſchellen,

Schwimmt deiner Flotte zweifelnd Glück. Götzinger:Der Ausdruck iſt hier zu tadeln. Sehr leicht könnte man das ſie hier auf Wellen beziehen. Freilich, wenn die Leſenden Kinder wären.

Und eh' er noch das Wort geſprochen,

Hat ihn der Jubel unterbrochen ꝛc. Götzinger:Hat eigentlich keinen Sinn ꝛc. Er ſchlägt unter Anderem als natürlich

or:Und eh' der König ausgeſprochen. Schade, daß Schiller dieſen trefflichen Vorſchlag zur Verbeſſerung ſeines Gedichtes nicht mehr berückſichtigen konnte! Göthe's Fiſcher:

Was lockſt du meine Brut

Mit Menſchenwitz und Menſchenliſt

Hinauf in Todesgluth? Götzinger findet den AusdruckTodesgluth herrlich, aber weshalb um das fatalezum Braten und Kochen zu vermeiden, das hier unausſtehlich ſein würde. Welcher Dichter würde aber auch ſo geſagt haben? Die Fabrikation des Wortes wohlig in demſelben Gedichte findet Götzinger für ſehr unnöthig, da ſie nichts anders ſage, als wohl. Göthe's Braut von Korinth:

Und er will ihr eine Schale reichen,

Silbern, künſtlich, wie nicht eine war.