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Erſt mit dem dreizehnten oder vierzehnten Jahre mag der Schüler wohl ſchon an Gedichten auch den Sinn für das Schöne bilden.„Vor dem dreizehnten und vierzehnten Jahre, alſo vor der knospenden Mannbarkeit, welcher erſt Sonne und Mond und Frühling und Geſchlecht und Dichtkunſt im romantiſchen Glanze auf⸗ blühen, ſind dem Kinde die poetiſche Blumen getrocknete Arzneipflanzen.“ J. Paul Levana. Hier kann alſo auch erſt bei der Behandlung der deutſchen Dichter von einer Methode die Rede ſein, welche die Erweckung und Ausbildung des äſthetiſchen Gefühles bezweckt. Sie muß die doppelte Abſicht haben, den Zögling vor aller verderblichen Lectüre zu bewahren, und ihn zu lehren, die Meiſterwerke der deut⸗ ſchen Dichter gehörig zu verſtehen und zu würdigen. Daher iſt es ihre erſte Auf⸗ gabe, den Schüler vor aller Oberflächlichkeit zu bewahren, welche ihn einerſeits leicht zu einer ungeeigneten Lectüre hinreißen kann, und anderſeits das größte Hin⸗ derniß iſt für das eigentliche Verſtehen und die eigentliche Würdigung der Meiſter der deutſchen Dichtkunſt. Dadurch daß die Lectüre der deutſchen Dichter dem Schüler leichter wird, als die der antiken, und er ſich ſogleich mit dem Inhalt beſchäftigen und ſchneller zu Ende gelangen kann, geſchieht es gar leicht und oft, daß derſelbe denkt, er verſtehe das Geſchriebene, weil es deutſch ſei, und daß er über einzelne Schönheiten der Gedichte oder vielleicht über das leicht hingleitet, was denſelben den eigentlichen poetiſchen Werth giebt, ohne es erkannt zu haben. Aus dieſer Oberflächlichkeit entſpringen denn ſpäter die unrichtigen Urtheile über einzelne deutſche Dichter. Man meint ſie zu verſtehen, man vermißt vielleicht die ſogenannte poetiſche Sprache, man hält das Geleſene für unpoetiſch oder mißlungen. Daher noch bei Manchen die Nichtanerkennung Göthe's, beſonders in ſeinen lyriſchen Gedichten, in welchen manchmal die Schönheit faſt nur in der Form liegt, wie in den bekannten Gedichten:„Meeresſtille, und„glückliche Fahrt“; daher die Geringſchätzung der neueſten Dichter bei Vielen, welche hinter der ſchmuckloſen Hülle den kräftigen Kern nicht finden können. Um dieſer Oberflächlichkeit zu begegnen, muß zuerſt darauf geſehen werden, daß die Lectüre der deutſchen Dichter in der Schule in einer Auswahl guter Ge⸗ dichte beſtehe. Dem Schüler dürfen nicht etwa auch geringere Produkte aus der Literatur vorgeführt werden,(wie es Götzinger meint), da auf dieſe Weiſe, bei dem noch geringeren Unterſcheidungsvermögen, derſelbe Gefahr laufen könnte, Gutes mit Schlechtem gering zu ſchätzen, und die Achtung vor der deutſchen Literatur zu ver⸗ lieren. Denn er ſoll und kann ja noch nicht Kritik üben, ſondern ſich nur anſchauend


