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auch in Beziehung auf Ausbildung des äſthetiſchen Gefühls. In den untern Claſſen, bei Schülern bis 12 Jahren, ſollen Gedichte, außer daß ſie durch Grammatik und Erklärung des Stoffes die Verſtandesübung bezwecken, nur moraliſch wirken, daher ſind hier beſonders Fabeln, poetiſche Erzählungen und leichte Lieder an ihrem Orte. Jedoch möchte auch hier ſchon auf Wohlklang geachtet werden müſſen. Jean Paul Levana:„Der Reim erquickt das roheſte wie das jüngſte Ohr. Der Liederſchatz von Gellert, Hagedorn wird die kleine Seele ſchön berühren; Lehrgedichte als runde Lichteinfaſſungen und Mond⸗Höfe ſind gut. Heulieder, Kartoffellieder, Volks⸗ lieder, Freimaurerlieder paſſen.“ Bei der Zuſammenſtellung ſolcher Gedichte in Chreſtomathien iſt daher beſonders darauf zu achten, daß dieſelben dem jugendlichen Geiſte verſtändlich ſeien, und das Gemüth anſprechen, wenn auch der poetiſche Werth derſelben geringer iſt, wie die Gedichte von Ch. Schmid ſind, wenn ſie nicht gerade in metriſcher Beziehung zu ſehr das Ohr verletzen, wie z. B.„der alte Krieger*).“
*) Wie leicht es geſchieht, daß Gedichte, welche der Jugend noch durchaus unverſtändlich ſind, für Leſebücher gewählt werden, davon mag die ſonſt recht gute Sammlung von Hülſtett(Düſſeldorf 1838. Erſter Theil. Erſte Abtheilung, für die ſechſte Claſſe des Gymnaſiums) alſo für Schüler von 10— 11 Jahren, einen Beweis geben. In dieſer Auswahl findet man: Seemann's Grab von Vogl; die Vätergruft von Uhland; des Fiſchers Haus von G. Schwab; das treue Roß von J. Körner; die Rache (fälſchlich Strafe betitelt, ein Beweis, daß Hülſtett ſelbſt die eigentliche Idee des Gedichtes nicht erfaßt hat) von Uhland; die Großmuth und der letzte Seufzer des Mauren von G. Pfizer, alle Gedichte von einfacher Diction, aber unmöglich verſtändlich für den jungen Geiſt. Was ſoll ſich z. B. der 10jährige Knabe bei folgender Strophe aus„Großmuth“ von G. Pfizer denken:
Geläutertem Gemüthe
Genügt der Schönheit Blüthe;
Vom Golde ſchon der Glanz;
Vom Feinde keine Beute,
Vom Leben nur das Heute,
Vom Siege nur der Kranz.
So ſchwebt in gleicher Schöne,
Gewiegt vom Strom der Töne
An mir vorbei der Horentanz— 2 Gleich darauf folgt ganz paſſend für die Knaben der bekannte Sonnenaufgang von M. Claudius: Kommt, Kinder, wiſcht die Augen aus ꝛc.


