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eines griechiſchen Tragikers auch dem Zwecke, lyriſche Ergüſſe in der antiken Poeſie dem Schüler vorzuführen, und vereinigt alſo den Zweck der Kenntniß der lyriſchen und dramatiſchen Poeſie in ſich. Der griechiſche Tragiker aber, deſſen Lectüre für die erſte Claſſe des Gymnaſiums hinzukommt, wird S ophocles ſein. In ihm i*ſt die griechiſche Tragödie zur völligen Ausbildung gelangt, er ſteht auf der höchſten Spitze der griechiſchen Bildung, und ſeine Dichtungen ſind die ſchönſten Blüthen der griechiſchen dramatiſchen Kunſt. In Aeſ chylus hatte die griechiſche Tragödie die höchſte Stufe noch nicht erreicht, und in Euripides iſt ſie ſchon wieder von der⸗ ſelben herabgeſunken. Von Sophocles ſagt J. v. Müller:„Es iſt nicht möglich
die ſchönſte Sprache des Menſchen edler zu benutzen, als Sophocles, oder Würde und Anmuth herrlicher zu vereinigen.“ Schon Plato erwähnt ſeiner ſehr rühmlich,
ob er gleich die Dichter, wie ſchon geſagt worden, aus ſeiner Republik verbannen will, und in der That iſt auch Sophocles ein Dichter, worin das Poetiſche zugleich moraliſch iſt. Seine Charactere ſind feſt und beleuchtet hingeſtellt. Und nicht allein iſt es das Geſchick, mit welchem in der antiken Tragödie überhaupt die Helden zu kämpfen haben, ſondern ſie haben auch ſelbſt oft ihr Unglück verſchuldet. So Ajax, der Selbſtmörder aus verlorner Ehre, deſſen Uebermuth gegen die Götter ſchon früher laut geworden(Soph. Aj. 762— 777); Oedipus klagt ſich ſelbſt der übertriebenen Heftigkeit an, durch welche er das Unheil vergrößert hat.(Soph. Oed. Col. 438— 599.) Herbart:„Wären alle Dichter wie Sophocles, wer würde an einen Streit zwiſchen dem Sittlichen und Poetiſchen denken?, Der Dialog des Sophbocles iſt voll kräftiger, trefflicher Lebensanſichten, und ſeine Chöre oft herrliche Ergüſſe über die ſittlichen Verhältniſee der Menſchheit. Man betrachte nur den Schluß des Königs Oedipus:„
Erdgeborner, harre jenes erſt, des letzten Tags,
Bis du den geſehen, und preiße Keinen hochbeglückt, bevor
. Er durchdrang des Lebens Grenzen, unerreicht von Schmerz und Noth;
ferner den zweiten Chor in der Antigone, welcher beginnt:
Vieles iſt wundervoll, doch nichts Wundervolleres als der Menſch. Er, der über die graue See,
In des ſtürmenden Südes Hauch Hinzieht durch ſchwellende Wogen
Den lautumbrauſten Pfad ꝛc. (Thudichum.)


