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Proſaiker, das Gemüth erhoben und dem Guten und Großen geöffnet werden, zu⸗ letzt aber bleibt für die Dichter noch der beſondere Zweck, daß an ihnen der Sinn für das Schöne, welches auch oft in der Geſtalt des Erhabenen und Großen er⸗ ſcheint, ausgebildet werde.
Es iſt die erſte Bedingung bei dem Leſen der Dichter, daß die grammatiſche Gründlichkeit nicht leide unter der Betrachtung des Inhalts und der Erläuterung und Hinweiſung auf die Schönheiten der Gedichte. Sie iſt auch ohnehin ſchon noth⸗ wendig, beſonders bei Dichtern in fremden Sprachen, um ein Gedicht gründlich zu verſtehen. Jedoch muß man ſtets im Auge behalten, daß die Lectüre des Gedichtes einen noch höheren Zweck in ſich ſchließe, daß der Inhalt deſſelben auch im Herzen ein⸗ ſprechen, und den ſchlummernden Sinn für das Schöne erwecken, oder den erwachten nähren und bilden ſoll. Und ſo wie die innere Schönheit des zu leſenden Gedichtes erkannt werden muß, ſo muß auch die äußere, die Schönheit der Form, welche in der dem Gegenſtande angemeſſenen Sprache, in dem Wohllaute der Verſe beſteht, zum Bewußtſein gebracht werden. Indeſſen liegt in dem durch das Alter bedingten Faſſungsvermögen des Schülers auch eine Bedingung der Verſchiedenheit. der anzuwendenden Methode, um den Schönheitsſinn deſſelben auszubilden, indem bei Knaben das Moment der Erweckung und Bildung des äſthetiſchen Gefühls nur ſchwach hervortreten kann, während es bei Jünglingen ſich immer geltender machen wird. In dem Maaße, als das grammatiſche Intereſſe von Stufe zu Stufe ab⸗ nimmt, wird das Intereſſe für Ausbildung des Schönheitsſinnes zunehmen müſſen. Indem nun die für die jedesmalige Stufe, auf welcher der Schüler ſteht, ſich eignende poetiſche Lectüre, zuerſt in den fremden Sprachen, ſodann in der Mutter⸗ ſprache angeführt werden, ſoll auch die Methode kürzlich berührt werden, welche bei Leſung der Dichter anzuwenden iſt, damit der vereinte Zweck der Verſtan⸗ desbildung und der Erweckung und Veredlung des Sinnes für das Schöne erreicht werde.
Auf dem Gymnaſium ſoll ſich der Zögling claſſiſche Bildung erwerben, wes⸗ halb die Beſchäftigung mit dem claſſiſchen Alterthume das Hauptbildungsmittel für denſelben iſt. Daher wird die Lectüre der altelaſſiſchen Dichter auch ein Haupt⸗ moment der Ausbildung des Schönheitsſinnes ſein.— Sowie das claſſiſche Alterthum überhaupt einen Gegenſatz bildet zu der neuen Zeit, ſo auch ſteht die antike Poeſie der modernen entgegen. In der griechiſchen Welt, jenem fröblichen Zeitalter, offen⸗


