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ſchen mehr zur Sprache, als die Wirkung, welche die Dichtkunſt auf ſie macht; und daher werden ihrer Definitionen eben ſo viele ſein, als ihrer Leſer oder Zuhörer.“ In der Dichtkunſt wird das Schöne dargeſtellt durch die Sprache, und ſie iſt daher eine ſucceſſiv darſtellende Kunſt. Gegenſtand der Poeſie aber iſt der Menſch und ſeine Auffaſſung der Natur. Sie iſt deshalb die inhaltreichſte der Hauptformen der Kunſt. Dadurch aber, daß ſie das Erhabene und Große öfter darſtellt, als die übrigen Kunſtformen, daß ſie in das innere Leben eindringt, und vorzüglich ihren Stoff in denjenigen menſchlichen Verhältniſſen findet, auf welche ſich ſittliche Elemente beziehen ſo iſt ſie vor allen geeignet, nicht allein Gefallen zu erregen, ſondern auch den Geſchmack zu veredeln und das Gemüth zu erheben.
Und wer der Dichtkunſt Stimme nicht vernimmt, Iſt ein Barbar, er ſei auch, wer er ſei.
Unter den vielen dichteriſchen Ergüſſen, welche das Weſen der Dichtkunſt und ihre wohlthätige Macht auf den menſchlichen Geiſt ſchildern, ſei von allen nur Eine, wohl die erſchöpfendſte und gelungenſte, angeführt aus Göthe's Fauſt:
Geh' hin und ſuch' dir einen andern Knecht, 2 Der Dichter ſollte wohl das höchſte Recht,
Das Menſchenrecht, das ihm Natur vergönnt,
Um deinetwillen freventlich verſcherzen.
Wodurch bewegt er alle Herzen?
Wodurch beſiegt er jedes Element?
Iſt es der Einklang nicht, der aus dem Buſen dringt, Und in ſein Herz die Welt zurücke ſchlingt?
Wenn die Natur des Fadens ew'ge Länge Gleichgültig drehend auf die Spindel zwingt,
Wenn aller Weſen unharmon'ſche Menge
Verdrießlich durcheinander klingt;
Wer theilt die fließend immer gleiche Reihe
Belebend ab, daß ſie ſich rhythmiſch regt?
Wer ruft das Einzelne zur allgemeinen Weihe,
Wo es in herrlichen Accorden ſchlägt?
Wer läßt den Sturm zu Leidenſchaften wüthen?
Das Abendroth im ernſten Sinne glühn?
Wer ſchüttet alle ſchönen Frühlingsblüthen
Auf der Geliebten Pfade hin?


