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Gemüthe eine für die Tugend zweckmäßige Stimmung; er ſtimmt die Sittlichkeit ſelbſt zum Vortheile der Pflicht, wodurch auch eine ſchwächere moraliſche Willenskraft, Tugend zu üben, fähig wird.“ Dieſe Angriffe auf die äſthetiſche Bildung können alſo nur eine allzugroße Ausdehnung oder falſche Richtung derſelben bei der Erzie⸗ hung treffen, und nicht die Ausbildung des Schönheitsſinnes im Allgemeinen.
Zudem aber iſt die Kunſt nicht immer eine die Sinne reizende und angenehm erregende, ſondern es giebt auch eine beiligere Kunſt, die, wie Schelling ſagt, nach den Ausdrücken der Alten, ein Werkzeug der Götter, die Enthüllerin der Ideen, eine Verkündigerin göttlicher Geheimniſſe iſt, deren unentweihter Strahl nur reine Seelen inwohnend erleuchtet. Wie das Schöne nicht allein unterhalte, und Luſt und Wohlgefallen bewirke, ſondern auch erhebe, davon ſpricht auch Kant in ſeiner Anthropologie S. 191:„Das Gefühl für das Schöne ſucht nicht blos bei Betrachtung der Werke der ſchönen Kunſt einen Sinnenreiz, Erholung oder Abſpannung von ern⸗ ſteren Geſchäften oder überhaupt eine angenehme Unterhaltung, ſondern das äſthetiſche Gefühl hängt auch ſeiner Natur nach eng mit dem religiöſen und moraliſchen zu⸗ ſammen.— Der ideale Geſchmack hat eine äußere Tendenz zur Beförderung der Moralität.“ Herbart, Encyclopädie der Philoſophie§. 85:„Die Religion macht außer dem moraliſchen Eindruck noch einen äſthetiſchen, und das iſt ihr ſo weſentlich, daß wenn ſie gar nicht äſthetiſch wirken ſollte, ſie auch gar nicht moraliſch wirken könnte.“ Schelling, Ueber die Methode des academiſchen Studiums S. 321:„Der innige Bund, welcher die Kunſt und Religion vereint, die gänzliche Unmöglichkeit, einer⸗ ſeits der erſten eine andere poetiſche Welt als innerhalb der Religion und durch Religion zu geben, die Unmöglichkeit auf der andern Seite, die letztere zu einer wahrhaft objectiven Erſcheinung anders als durch die Kunſt zu bringen, machen die wiſſenſchaftliche Erkenntniß derſelben dem ächten Religiöſen auch ſchon in dieſer Beziehung zur Nothwendigkeit.“
Erſcheint hiernach die hohe Bedeutung und Nothwendigkeit der Ausbildung des äſthetiſchen Gefühles erwieſen, ſo bleibt noch zu unterſuchen übrig, auf welche Weiſe auf Gymnaſien, als den Bildungsanſtalten der theoretiſchen Stände, das Gefühl für das Schöne erweckt werden müſſe, ohne daß die intellectuelle Bildung einerſeits und das moraliſche oder religiöſe Gefühl anderſeits darunter leide. Das Schöne zeigt ſich uns zerſtreut in der Natur, hier aber iſt es nicht Selbſtzweck;


