Aufsatz 
Über das ästhetisch Bildende der poetischen Lektüre auf Gymnasien / [Conrector Spieß]
Entstehung
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Methode des Gymnaſialunterrichts von philoſophiſchem Standpunkte aus betrachtet und ſpſtematiſch durchführt, J. H. Deinhardt, der Gymnaſialunterricht nach den wiſſenſchaftlichen Anforderungen der Zeit. Hamburg 1837. Aber auch in dieſer Schrift ſcheint zu wenig berückſichtigt zu ſein, daß auch das äſthetiſche Gefühl und der Sinn für das Schöne(Geſchmack) auf dem Gymnaſium geweckt werden müſſe. Das Gymnaſium iſt, ſo beginnt in demſelben der Abſchnitt über den Zweck des Gymnaſial⸗ unterrichts, die allgemeine Bildungsanſtalt für die theoretiſchen Stände. Es hat alſo ſeinen Schülern diejenigen Bildungsſtoffe und diejenige Energie des Geiſtes zu verſchaffen, die allen theoretiſchen Ständen ohne Unterſchied, ſowohl zur weiteren Entwickelung ihrer theoretiſchen Bildung auf der Univerſität, als auch zur gründ⸗ lichen und tüchtigen Betreibung ihres practiſchen Lebensberufes nothwendig iſt. Die Gymnaſien, ungleich den Realſchulen, ſind Anſtalten, deren bewegende Seele die Wiſſenſchaft ganz im Allgemeinen i*ſt, und nicht etwa dieſe oder jene Wiſſen⸗ ſchaft ins Beſondere. Die Form einer jeden Wiſſenſchaft iſt ſyſtematiſch, ihr In⸗ halt aber iſt die Wahrheit. Daraus geht hervor, daß auf der einen Seite der Zweck des Gymnaſialunterrichts darin beſteht, die ſyſtematiſche Form der Erkenntniß, die Methode der Nothwendigkeit an einem Beiſpiele darzuſtellen, zu üben und zur Gewohnheit zu machen. Dieſes geſchieht bauptſächlich durch den mathematiſ chen Unterricht. Da aber auf der andern Seite Erkenntniß der Wahrbeit der allen Wiſſenſchaften gemeinſchaftliche Zweck iſt, ſo iſt es Aufgabe der Gymnaſien, die Grundlage von aller Erkenntniß, das Bewußtſein der Erkenntnißformen oder Kategorien zu wecken und zur Uebung zu bringen. Dieſes geſchieht durch die Grammatik. Hierdurch gewinnt der Schüler das logiſche Element, die noth⸗ wendigſte Grundlage aller wiſſenſchaftlichen Erkenntniß. Die logiſche Bildung iſt ein innerliches Erzeugniß des Geiſtes; dieſes aber muß ſich auch äußern, und die Aeußerung des Gedachten iſt die Rede. Die theoretiſchen Stände bedürfen aber außer der. logiſchen Bildung auch Kraft und Gewandheit der Rede; daher der zweite Hauptzweck des Gymnaſiums die Bildung der Rede. Dieſe Bildung in der Schönheit des Ausdrucks und in der Fülle und in dem Wohllaut ſoll der Schüler des Gymnaſiums lernen, beſonders durch das Studium der Meiſter in der Darſtellung, der Claſſiker der alten und neuen Sprachen. Die logiſche Erkenntniß ſowohl als die angemeſſene Darſtellung des Erkannten in Rede und Schrift geht allein auf die Wahrheit hin, welche der letzte