Ueber das ästhetiſch Bildende
der poetiſchen Lectüre auf Gymnaſien.
Da Wahl dieſes Themas zu einer Abhandlung iſt mit dem Bewußtſein geſchehen, daß in den bisher erſchienenen Schriften über Zweck und Methode des Gymnaſial⸗ unterrichts die poetiſche Lectüre auf Gymnaſien ſchon vielfältig iſt beſprochen worden, und daß es daher nicht vermieden werden konnte, wenn man vieles bereits Er⸗ wähnte auch in dieſer Abhandlung wieder findet. Indeſſen ſcheint darauf, daß das Leſen der Dichter auf Gymnaſien auch die Erweckung und Ausbildung des Schön⸗ heitsſinnes zum Zwecke haben ſoll, zu wenig Rückſicht genommen zu ſein, und es möchte daher nicht ungeeignet ſein, zuerſt nachzuweiſen, daß durch die poetiſche Lectüre auf Gymnaſien auch der Zweck erreicht werden müſſe, den Sinn für das Schöne auszubilden, und dann die Frage zu beantworten, welche Dichter der alten Sprachen ſowohl als der deutſchen ausgewählt werden müſſen, und welche Methode bei der Lectüre derſelben anzuwenden ſei, um nicht allein den Verſtand, ſondern auch den Geſchmack der Schüler zu bilden. Es muß jedoch im Voraus bemerkt werden, daß dieſe Abhandlung nur ein Abriß ſein ſoll und kann, da die dazu anberaumte Zeit nicht erlaubte, ſich weiter über dieſen Gegenſtand zu verbreiten.—— 1
Unter den neueren Werken über Gymnaſialbildung iſt Eins hervorzuheben, welches die Beſtimmung des Gymnaſiums, die Unterrichtsmittel deſſelben und die 1


