Aufsatz 
Über das Verhältnis der platonischen Idee des Guten zur Gottesidee / von Ludwig Schwarz
Entstehung
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führung der Ideenſchöpfung auf Gott iſt nicht thatſächlich zu verſtehen, vielmehr geht die letztere über den kritiſchen Idealismus hinaus, iſt folglich für ihn in ſeiuer Urſächlichkeit ſoviel als ein unbekannter Vorgang. Sobald nach dem Urſprung der Idee gefragt wird, nachdem ſie ſelbſt in ihrer Urſprünglichkeit, d. h. als Schauen, aufgehört hat, handelt es ſich um einenunerklärbaren Begriff und deſſen Urheber kann man(νν!) Gott nennen. Obſchon nach Platon im Grunde Gott und die Idee des Gutendasſelbe ſein ſollen, hat docheine totale Verſchmelz⸗ ung nicht ſtattgefunden. cf. auch p. 458. Damit iſt alſo nicht geleugnet, daß in Platons Geiſte die Idee des Guten, als höchſte Einheit der Ideen, mit der Vorſtellung Gott ſich abfand und ver⸗ einigte, auch nicht, daß als Urheber der Ideen Gott von Platon genannt ſei: nur darum han⸗ delte es ſich, wie dieſe Nennung des Namens Gottes an fraglicher Stelle zu verſtehen ſei. Sie aber ſcheint uns nichts anderes als eine Ausgeſtaltung deſſen, was Kant einBedürfnis der Vernunftnennt,vermittelſt deſſen alle ſynthetiſche Einheit zu vollenden.(Kr. d. r. V. p. 418.)

Wie äußert ſich hierüber nun Stumpf in ſeiner Abhandlung? Den Kernpunkt der oben formulierten Frage ſcheint er wenig bedacht zu haben. Ein harmloſer Druckfehler in der Cohenſchen Arbeik, der durchaus an jener Hauptfrage: was nämlich Platons Zurückführung der Ideenſchöpfung auf Gott zu bedeuten habe? nicht die mindeſte ÄAnderung vollziehen kann, veranlaßt ihn, in der Faſſung dreier Worte desPudels Kern zu ſuchen. Es fehlte näm⸗ lich in der ihm vorliegenden Auflage der Cohenſchen Schrift hinter ria y das Fragezeichen für die Form der Frage ſpricht ja ſchon die Accentuation von rien und es deuchte ihm dieſeLesart ein dem urſprünglich gewollten Sinn fern gelegenes, für den Cohenſchen Stand⸗ punkt aber ein äußerſt nutzbares Element zu inſinuieren; d. h. er unterſtellte derſelben folgende Interpretation: als Urheber der Ideen können wir Gott bezeichnenoder irgend einen Anderen unbekannt bleibt die Urſache doch.

Stumpf ſcheint die Stelle ſo zu verſtehen:giebt es einen anderen Urheber der Ideen als Gott? Nein, er iſt es. Und damit hat er eine apodiktiſche Gewißheit für die Urſache der Ideen gefunden. Wir überſetzen:Die in der Natur ſeiende, von der wir, denke ich, ſagen können, Gott habe ſie gemacht. Oder wer ſonſt? d. h. oder kannſt du einen andern Namen für den Urheber dieſes Unerklärbaren angeben? Antwort: Keinen, denke ich; was nichts anderes iſt als: ich weiß keinen, kann keinen anderen Namen nennen, wüßte mich auf keinen beſſeren zu beſinnen. Wir müſſen uns eben mit einem Namen behelfen, ſo wird der Name Gottes, als der unſerer Vorſtellung angemeſſenſte, der paſſendſte ſein.

Ergiebt ſo dieſe Faſſung der drei kritiſchen Worte ein für den von Stumpf angefochte⸗ nen Standpunkt günſtiges Reſultat, ſo ſcheint uns aber vielmehr die ganze Behandlung desſelben nebenſächlich, wenn wir die Bedeutung des ganzen oben angeführten Satzes ins Auge faſſen. Denn was bedeutet die Frage nach dem Entſtehen der iwn v df 75ε°5al anderes als eine Frage nach der Urſache des Letzten, was wir denken können, ſo aber, daß nach dem Enſtehen jener Urſache ſelbſt wiederum nicht gefragt wird?

Aber wie vereinigen wir nun dieſe Erklärung mit den der Idee des Guten zugeſproche⸗ nen Eigenſchaften und mit der von Stumpf nach mannigfachſter Seite hin verfochtenen Identität? Iſt nicht auch die Idee des Guten das Höchſte und Letzte, die oberſte Urſache alles Seins?

5*½