Aufsatz 
Über das Verhältnis der platonischen Idee des Guten zur Gottesidee / von Ludwig Schwarz
Entstehung
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Cohen die Idee als denregulativen Begriff für die reflektierende Urteilskraft erkennt(cf. den Aufſatz:Die Ideenlehre Platons, pſychologiſch entwickelt in der Ztſchr. für Völkerpſych. B. 1866 p 448 ff.)

Das Verhältnis der Idee zu den Dingen ſteht feſt: ſie iſt ihnen immanent, aber erzeugt in der Seele, ein»onua sv rœis Sofa. Alſo im Denken entſteht die Idee. Nicht aber als wenn damit eine uneingeſchränkte Bedingtheit durch dasſelbe urgiert wäre,ſodaß die Idee zum Hirngeſpinſt des Scepticismus würde; alles, was im reinen Denken erkannt wird, ſtellt für Platon echtes Sein dar. Es iſt das Urbild, dem der Geiſt man bedenke den Mythos in Wiedererinnerung d. h. Wiederſchauung nachzuahmen ſtrebt(cf. Phaedr. 249, a). Wiederum ein ſehr wichtiger Punkt für die Feſthaltung des a priori(cf. Phaedr. p. 75 b,die Ge⸗ burtsſtätte des a priori). Eine Bedingtheit bleibt vorhanden: denn mit der Transſcendierung der Erkenntnisfähigkeit iſt die Zugänglichkeit des ebenfalls transſcendierten Objektes nur für ein jenemebenbürtiges Denken möglich.

Wir kommen zur Frage: Wenn die Seele der Mutterſchoß, die Geburtsſtätte der Idee iſt, wie findet deren Erzeugung ſtatt? Einfach iſt die Frage: Von wem ſie die Kraft empfange, ſie zu erzeugen? Es kann nicht anders ſein: von der Idee des Guten. Aber es kommt uns hier darauf an, zu wiſſen, in welcher Weiſe ſie Grund und Mittel der Erkenntnis werden könne. Und dieſe Frage hat Platon ſelbſt an einem Bilde klar erwieſen. Er vergleicht das Verhältnis, welches zwiſchen der Seele und der Idee des Guten beſtehe, mit dem des Auges zur Sonne.

Wie das Auge nur am Tage, wenn das Licht der Sonne die Dinge beleuchtet, dieſelben wahrnehmen und unterſcheiden kann, überhaupt erſt Sehkraft zu beſitzen ſcheint, ſo beſitzt auch die Seele erſt Erkenntniskraft durch die Idee des Guten als durch diejenige Kraft, welche ihr die Möglichkeit des Erkennens und dem Erkannten die des Erkanntwerdens verleiht. So iſt ſie Ur⸗ ſache der Erkenntnis und der Wahrheit des Erkannten. Die Sonne erzeugt nicht die Sehkraft und die Idee des Guten nicht die übrigen Ideen, aber wie die Sehkraft des Auges am ähnlichſten der Sonne, ſo eine jede Idee ähnlich und ſtammverwandt der Idee des Guten), ſo auch Erkenntnis und Wahrheit, ihre Kinder. Sie ſind ihr ähnlich, d. h. ſie ſind nicht wie ſie die höchſte Vollkommen⸗ heit; das bleibt ſie ſtets und allein. Sie iſt das Maß aller Dinge und aller Ideen, und wie ſie die letzte Konſequenz, das letzte Ziel und als ſolches zugleich der erſte Anfang war, weil in ihr der Zweck am vollendetſten erſchien, der Zweck, von dem alle Dinge ihren Wert, ihre Be⸗ deutung, ihre Wahrheit empfingen und unter dem, als unter der höchſten und allgemeinſten Syn⸗ theſe, alle Erſcheinungen zuſammengeſchloſſen wurden, ſo iſt ſie ſelbſt letzter Grund des Wiſſens und der Wahrheit. Keines Dinges Weſen und Wahrheit kann erkannt werden, ohne daß es mit ihr als dem höchſten Zweck in Beziehung gebracht und an ihr d. h. unter der Kategorie des Zweckes gemeſſen, ſeinen Rang im Reiche aller Werte erhalten hätte.

Aber der Vergleich der Sonne mit der Idee des Guten wird weitergeführt, und er er⸗ giebt für die letztere noch ein höheres, ihre Bedeutung erweiterndes Reſultat: Die Sonne, heißt es, verleiht nicht bloß dem Auge Kraft, die Dinge zu ſehen, ſondern auch den Dingen Licht und 5*) cf. rep. p. 508 c: OTO Tol?v... Chy To5 AAdoo enoov. 3 Sdaᷣd SſSvyns? dvd*.ο% 2a0; de

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