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ſo blendet ſie der erhabene Sonnenglanz— ſie vermögen ihn nicht zu ertragen. Langſam nur werden ſie durch Anſchauung von Bildern auf dunklem Grunde zu der Betrachtung der Gegen⸗ ſtände ſelbſt vorbereitet und geſtärkt.
Wir verſtehen das Gleichnis: Es iſt eine doppelte Kraft des denkenden Geiſtes: Giebt er ſich der Betrachtung von Erſcheinungen hin, ſo bewegt er ſich im Reiche des Scheins, forſcht er aber dem Sein in ſeiner Wahrheit und Weſenheit nach, ſo erhebt er ſich in die höhere Sphäre der Ideen, denen gegenüber jene Erſcheinungen nur weſenloſe, ſchattenhafte Spiegelbilder bedeuten. Es iſt mit der Vernunft wie mit der ſinnlichen Wahrnehmung: wie letztere bald die Gegenſtände ſelbſt, bald nur ihre Bilder anſchaut(sizaaia), ſo ſchließt jene ſich auf niederer Stufe, beſonders in den mathematiſchen Wiſſenſchaften, an Bilder, Figuren oder concrete Zahlen an, in ihrer reinſten Aktion aber, d. h. im dialektiſchen oder rein philoſophiſchen Erkennen denkt ſie, nicht mehr durch Bilder beſtimmt, ganz durch Ideen und in Ideen, zugleich der höchſten Idee als der abſoluten Vorausſetzung alles Daſeins nachſtrebend.
So iſt ein Moment des Scepticismus in der platoniſchen Ideenlehre, das die Nichtigkeit des Realen der ſinnlich wahrnehmbaren Dinge erkennen läßt, und ein Moment des Spiritualis⸗ mus, welches das wahre Sein in das Geiſtige, in die Ideen verlegt.
Die Dinge, die wir ſehen, ſind nur ra, ſie ſcheinen, ſie entſtehen und vergehen. Die Dinge ſind nur, ſofern ſie Ideen ſind; die Erſcheinungen ſind nur, ſofern es Geſetze giebt, in denen ihre Realität gegründet iſt. Das iſt das erſte Moment.
Aber die Idee iſt; als das ewig Wahre, Beharrliche liegt ſie dem ſinnlich Veränderlichen zu Grunde(rep. X, 506 sqd.); ein 5 ε, ein wahres Sein, giebt ſie die wahre Realität, den wahren Wert deſſen, was in den Dingen zur Erſcheinung kommt, an; jene ſind da, ſie aber iſt bleibend; denn ſie wird gedacht. Als»bnua, als notio hat ſie den Wert der 251*)(cf. Par- menides: p. 132, p. 135 a, b; rep. V, p. 476 e). Das iſt das zweite Moment.**)
Die Ideen ſind die Objekte der philoſophiſchen Betrachtung. Dieſelbe muß nun der Löſung folgender Fragen nachſtreben: Wie werden die Ideen gewonnen? wo werden ſie erzeugt? wie entwickeln ſie ſich zur Einheit? wie kann dieſe Einheit Grund der Erkenntnis werden? wie Grund des Seins? welchen Bedingungen iſt ferner die ſeeliſche Fähigkeit, durch Ideen zu erkennen, unterworfen? und überhaupt, in welcher Art vollzieht ſie ſich? wie begreift ſich, wenn ein Teil dieſer Fragen eine ſubjektive, ein anderer Teil eine objektive Seite ergiebt, der entſtandene Dualismus?— Erſt nach Beantwortung dieſer Fragen können wir an die Erfüllung unſerer Hauptaufgabe herantreten.
Folgen wir nun der Ideenbildung bei Platon, wie ſie zuſammenfaſſend hauptſächlich im Parmenides ſich darſtellt, ſo iſt zunächſt die Frage aufzuwerfen: Wie und als was wurde die Idee gewonnen? Und die Antwort lautet: Durch das Schauen auf viele große Dinge“) und zwar
*) Wir glauben hier die difficilere Unterſcheidung zwiſchen Qualitäts⸗ und Daſeinsidee, wie ſie in Bonit“ Disputation:„De Platonis idea boni“ genau vollzogen iſt, als für die Entwickelung unſer Frage weniger bedeutungs⸗ voll, übergehen zu dürfen.
en) cf. Cohen:„Platons Ideenlehre und die Mathematik“, p. 7 sqq.
Iin) cf. Parm. p. 132; ⅜ οτ έι ooe, 2zaao, 10- lan 7Mr, aνd νν drra peſäa
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