Aufsatz 
Der zweite Feldzug Rudolf's von Habsburg gegen Ottokar von Böhmen, nach den Quellen dargestellt
Entstehung
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Erfolges.!) Auch Erzbiſchof Siegfried von Köln ſchloß ſich den Gegnern ²) Rudolf's an und der ſtets wankelmüthige Herzog Heinrich von Niederbaiern fiel wieder von ihm ab und leiſtete dem Böhmenkönige gegen eine bedeutende Geldſumme, welche ihm dieſer nach Straubing ſandte, das Verſprechen, dem aus Schwaben zur Unterſtützung Rudolf's etwa heranrückenden Kiegs⸗ volke den Durchzug durch Baiern zu verſagen. ³)

Rudolf befand ſich dieſer drohenden Gefahr gegenüber in höchſt bedenklicher Lage. Denn nicht nur fehlte es ihm an Streitkräften, er war auch in ſeiner Nähe von Verrath und feind⸗ ſeliger Geſinnung umgeben.*) Die Bürger der Stadt Wien, welchen Ottokar's umfaſſende Rüſtungen ebenſowenig unbekannt bleiben konnten als Rudolf's Rathloſigkeit und faſt gänzliche Entblößung von Streitkräften, ließen ihm, da ſie ſeine Sache bereits für völlig verloren hielten, durch eine Abordnung das Begehren vortragen, daß er ihnen geſtatten möge, ſich einen andern Herrn zu wählen, damit ſie nicht mit ihm und den Seinigen zugleich in dem Kampfe mit dem mäch⸗ tigen Böhmenkönige, gegen welchen er ja doch nichts auszurichten vermöge, zu Grunde gingen. Rudolf, der wohl erkannte, daß Alles für ihn darauf ankomme, ſich in dem Beſitze der Stadt Wien zu behaupten, ſuchte durch freundliche Worte die Abgeordneten zu beruhigen und bat ſie dringend, ſich nur noch kurze Zeit zu gedulden, damit er ſeine Lage überdenken und einen Entſchluß faſſen könne.*) Inzwiſchen ließ er die Burg gegen jedes etwaige Unternehmen ſeiner Feinde aufs ſorgfältigſte bewachen und verbot allen ſeinen Dienern ohne Unterſchied des Standes, ſich gegen die Bürger ſtolz oder trotzig zu benehmen, da dieſes über ihn und die

1) Annal. Colm. II, 12: Rex Bohemiæ promisit, se pecuniam magnam Teutoniæ principibus daturum, ut pro se contra regem Rudolfum pro viribus pugnarent, quod et facere decreverunt; ferner Chron. Colm. II, 59; Chron. Salisburg. apud Pez Scriptor. Rer. Austr. I, 376, A; Histor. Austral, ap. Freher Germ. Rer. Scriptor. I, 329, 13 16; Monach. Fürstenf. I, 6. Ex Martino Polono ap. Bœhmer II, 463.

2 Dies geht weniger hervor aus dem Briefe Ottokar's an denſelben bei Dolliner Cod. epist. 85, der zwar kein Datum hat, aber wahrſcheinlich in dieſe Zeit gehört, als aus dem ſpäteren Verhalten des Erzbiſchofs und der Angabe des Chron. S. Petri Erfurt. ap. Mencken Scriptor. Rer. Germ. III, 291, C..

3) Mon. Fürstenf. I, 6. Aus allen angeführten Stellen ergibt ſich aufs deutlichſte, wie planmäßig und überlegt Ottokar bei ſeinen Vorbereitungen für den Krieg verfuhr und in welche Verlegenheit Rudolf durch den unerwarteten Angriff gerieth. Dennoch ſtellt Palacky a. a. O. die Sache ſo dar, als ſei Ottokar aufs äußerſte bedrängt und im Falle der Nothwehr geweſen:Ottokar hatte keine Wahl mehr. Von einer Conceſſion zur andern gedrängt, mußte er endlich den Abgrund vor ſich erblicken, und in verzweifeltem Entſchluſſe ſelbſt das Aeußerſte wagen, um nur ſein Gewiſſen und ſeine Ehre zu retten. Mit Recht hat Böhmer bemerkt, daß dieſer ſonſt ver⸗ dienſtvolle Geſchichtſchreiber bei der Darſtellung dieſer Verhältniſſe die Parteilichkeit weiter getrieben habe, als es ſelbſt der Vaterlandsliebe verziehen werden könne.

4) Von großem Intereſſe iſt der von Rudolf ſogleich nach der Schlacht auf dem Marchfelde an den Dogen von Venedig Jacopo Contareno geſchriebene Brief(abgedruckt bei Gerbert Cod. Epist. Rud. Rom. Regis p. 155 sq. und neuerdiugs aus dem Haus⸗, Hof⸗ und Staatsarchiv bei Kopp, Geſchichte der eidgenöſſ. Bünde, I, Beil. 9. S. 893), aus welchem wir zur Erkenntniß ſeiner damaligen Lage folgende Stelle mittheilen: Quantis opprobriis et probrosis iniuriis indesinens reipublicæ disturbator quondam Ottacarus Rex Bohemorum illustris post pacis fœdera, post fidelitatis debite nobis per ipsum præstita sacramenta, nos impulerit, ut ad eius conatus nefarios refrenandos potentiæ nostræ brachium levaremus, omnes minores cum maioribus szpe viderunt apertius, qui conspirationes, quas idem Rex adversus nostram salutem fecerat, insidiarum iacula qum tetenderat, laqueos quos absconderat, non ignorant.

5) Chron. Colm. II, 60: Prat enim intra se desolatus et uuiverso consilio et auxilio destitutus. Praterea cives Viennenses ad regem venerunt dicentes: Domine, vestri vos dereliquerunt, nec habetis homines per quos regi Bohemiæ resistere valeatis. Rogamus vos, quatenus nobis dominum nos eligere permittatis, ne nos cum nostra familia pereamus. Tunc rex eos suppliciter deprecatur dicens: Tempus adhuc modicum sustinete, ut videamus, quid facere debeamus.