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Lage nöthigte ihn jedoch bald, dem Herzogthum Oeſterreich eine neue Kriegsſteuer aufzulegen, durch welche in demſelben eine nicht geringe Mißſtimmung gegen den neuen Gebieter erzeugt wurde.¹)
Inzwiſchen wurde Ottokar immer mehr von Reue ergriffen, ſich ſo ſchnell unterworfen zu haben. Während er an den ihm unangenehmen Friedensbedingungen rüttelte und gegen die Vollzie⸗ hung des Schiedſpruches eine Schwierigkeit nach der andern vorbrachte, auch ſeine Tochter Agnes, welche er zur Befeſtigung des Friedens mit Rudolf's gleichnamigem Sohne zu vermählen verſprochen hatte, in ein Kloſter gehen ließ,*) bemühte er ſich gleichwohl, auf Rudolf den Schein des Frie⸗ densbruches zu werfen, und bot Alles auf, ſeinen Gegner zu rechter Zeit mit überlegener Macht anzugreifen und demſelben die öſterreichiſchen Lande, deren Verluſt er nicht verſchmerzen konnte, wieder zu entreißen.“) Daß ihn zu dieſem Unternehmen auch der Spott und die ermunternden Zureden ſeiner polniſchen Gemahlin Kunigunde angefeuert, iſt wohl glaublich, obgleich ohne Zweifel Ottokar auch ohne dieſe Aufreizungen den Krieg gegen Rudolf erneuert haben würde.*) Bei den Vorbereitungen zu dieſem Kriege, welche er möglichſt geheim zu halten ſuchte, ging er mit der größten Thätigkeit und Umſicht zu Werke, um deſto ſicherer das Ziel ſeiner Wünſche zu erreichen. Während er ſeine Rüſtungen betrieb und ſich mit dem erforderlichen Belagerungszeug und übrigen Kriegsbedarf verſah, da es ſeine Abſicht war, ſich der feſten Plätze in Oeſterreich zu bemächtigen und auf dieſe Weiſe Rudolf aus dem offenen Lande wegzudrängen, warb er zugleich bei den ihm befreundeten Fürſten, insbeſondere auch bei dem Könige von Ungarn, um Mannſchaft und bemühte ſich, in Oeſterreich und den übrigen von ihm aufgege⸗ benen Ländern Einverſtändniſſe zu unterhalten oder anzuknüpfen. Ueberdies durchzogen Ge⸗ ſandte des Böhmenköniges das Reich, namentlich die Rheingegenden, und ſuchten durch reiche Geldſpenden und Verſprechungen geiſtliche und weltliche Reichsfürſten zu beſtimmen, in dem bevorſtehenden Kampfe auf die Seite ihres Herrn zu treten oder doch wenigſtens dem deutſchen Könige keinen Beiſtand zu leiſten. Dieſe Bemühungen entbehrten nicht des gewünſchten
1) Annales Colmarienses ap. Bœhmer Fontes Rerum Germanicarum vol. II, pag. 11.— Chronicon Claustro-Neoburg. ap. Pez Scriptor. KRer. Austr. I, 466.
2) Chronicon Colmariense ap. Bœhmer Font. II, 59.
3) Daß Ottokar bei ſeinen Kriegsvorbereitungen die Abſicht hatte, Oeſterreich wiederzuerobenn. ſagen die Annal. Colm. II, 12: Rex Bohemiæ decem millia militum congregavit, ut regem Rudolfum de Austriæ finibus exstirparet; ferner Chron. Colmar. II, 59; Joh. Vitodurani Chronicon in Thesauro Hist. Helvet. 10; Matth. Neoburg. ap. Urstis. Germ. hist. II, 101, 16 sq. und ſelbſt die gleichzeitigen böhmiſchen Chroniken ſprechen dieſe Abſicht Ottokar's offen aus, für welche ja auch der Gang der Begebenheiten ſelbſt das deutlichſte Zeugniß ablegt. Dennoch ſagt Palacky, Geſchichte von Böhmen II, 1, 267:„Von ſolcher Abſicht(die verlorenen Länder zu erobern) zeigt ſich bei Letzterem(Ottokar) keine Spur.“
4) Auch dieſe Aufreizungen der Königin Kunigunde werden von Palacky a. a. O. geleugnet:„Zugleich aber ſieht man ein, wie unbillig der faſt allgemeine Vorwurf iſt, den man der Königin Kunigunde macht, als habe ſie ihren Gemahl durch böſe Reden verleitet, den Frieden zu brechen und die Wiedereroberung der verlorenen Länder zu verſuchen. Von ſolcher Abſicht zeigt ſich bei Letzterem keine Spur.“ Zwar liebt es die Sage, große Ereigniſſe durch Frauen herbeiführen zu laſſen; allein hier haben wir keine bloße Sage vor uns, denn auch Schriftſteller, welche zu den Quellen gerechnet werden, erwähnen die Aufreizungen Kunigundens, z. B. außer Ottokar's Reimchronik, der die bekannte Vergleichung von dem Mauleſel und dem Wolfe erwähnt, Monachi Fürstenfeld. Chron. ap- Boœhmer I, 4 und Joh. Victor, ibid. I, 309: Quæ ironice insultans ei ait: O quam grandis auctoritatis es rex, qui Rudolfum longe positum iuxta canum consuetudinem hostiliter allatrasti, sed prope positum oblatione quatuor terrarum nobilium pro pincernatus officio salutasti, qui tamen olim in tuam ascribi elientelam affeo- tavit, et tunica grisei staminis vestitus estimat regum gloriam annullare.
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