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Könige als auch im unverkürzten Beſitze ſeiner Länder behaupten zu können. Rudolf lud den Unge⸗ borſamen auf mehrere Reichstage, zuletzt auf den zu Augsburg(Mai 1275), und als Ottokar auch hier nicht erſchien, vielmehr durch ſeinen Vertreter die Rechtmäßigkeit der Wahl Rudolf's beſtreiten ließ, belegte ihn dieſer, unter Zuſtimmung der deutſchen Fürſten, mit der Reichsacht. Noch einmal verſuchte Rudolf, indem er den Burggrafen Friedrich von Nürnberg an den Böh⸗ menkönig mit ſeiner letzten Erklärung abſandte, eine friedliche Ausgleichung mit demſelben zu erzielen, und als auch dieſer Verſuch erfolglos geweſen war, eröffnete er gegen den Ungehorſamen den Reichskrieg(Sept. 1276).
Der erſte Feldzug Rudolf's gegen Ottokar nahm einen unerwartet ſchnellen und unblutigen Ausgang. Da Herzog Heinrich von Niederbaiern, welcher von Ottokar gewonnen worden war, von dem Bündniſſe mit demſelben zurücktrat und ſich an Rudolf anſchloß, ſo wurde es dieſem dadurch möglich gemacht, plötzlich ſeinen Feldzugsplan zu ändern und, während Ottokar bei Tepel die böhmiſche Gränze gegen ihn decken zu müſſen glaubte, von Paſſau aus in Oberöſter⸗ reich einzudringen. Nirgends fand er Widerſtand als zu Kloſterneuburg und Wien; erſtere Stadt wurde durch Liſt eingenommen, dieſe aber mußte, nachdem ſie bereits am 18. Oktober von Rudolf's Streitkräften eingeſchloſſen worden war, fünf Wochen lang belagert werden, da ſie außer der in der Stadt ſelbſt liegenden Burg noch durch vier Burgen außerhalb derſelben vertheidigt wurde. In Steiermark und Kärnthen erklärten ſich die mächtigſten Geſchlechter offen für Rudolf, und als auch Graf Mainhard von Tirol zu ſeiner Unterſtützung heranzog und Rudolf ſich anſchickte, einen Angriff auf den Böhmenkönig zu unternehmen, bei welchem er, da dieſer jenſeit der Donau ſtand, die ſchon in ſeinen rheiniſchen Fehden gebrauchten Schiffbrücken in Anwendung zu bringen gedachte, entſchloß ſich Ottokar endlich zu friedlichen Unterhandlungen. Vier Schiedsrichter wurden ernannt, von Seiten Rudolf's der Pfalzgraf Ludwig und der Biſchof Berthold von Würzburg, von Seiten Ottokar's der Markgraf Otto von Brandenburg und der Biſchof Bruno von Olmütz, und dieſe einigten ſich am 21. November 1276 im Lager vor Wien über eilf Punkte,“) deren wichtigſter dahin lautete, daß Ottokar auf Oeſterreich, Steiermark, Kärnthen, Krain, Mark Eger und Portenau verzichten; dagegen von Rudolf für ſich und ſeine Kinder mit Böhmen, Mähren und den zugehörigen Ländern belehnt werden ſollte. Dieſe Einigungs⸗ punkte wurden, wie ſie von den beiderſeitigen Schiedsrichtern feſtgeſtellt worden waren, von beiden Königen am 26. November 1276 genehmigt, worauf Ottokar dem deutſchen Koͤnige in deſſen Lager vor Wien knieebeugend den Huldigungseid leiſtete und mit den Ländern, welche er von ſeinen Vorfahren erhalten hatte, belehnt wurde.
Nach dieſer feierlichen Handlung, welche auf offener Reichsſtraße vor ſich ging, während Rudolf in ſeinem grauen Rocke auf ſchlechtem Stuhle ſaß, der Böhmenkönig aber mit Gold und Edelſteinen, koſtbaren Kleidern und ſtattlichem Gefolge prunkte, kehrte Ottokar in ſeine Hauptſtadt Prag zurück, nur äußerlich verſöhnt, im Herzen aber voll von Unmuth über die durch den Drang der Umſtände ihm abgenöthigte Unterwerfung. Rudolf entließ das Reichsheer und nahm, nur von ſeinem Hausgefolge umgeben, zunächſt ſeinen Aufenthalt in Wien, wo er für die Verwaltung der neu erworbenen Länder nähere Anordnungen traf, insbeſondere einen Land⸗ frieden auf fünf Jahre beſchwoͤren ließ(3. December 1276) und den Adel durch die Erlaub⸗ muß füͤr ſich zu gewinnen ſuchte, ſeine von Ottokar zerſtörten Burgen wiederaufzubauen. Seine
¹) Sie ſind aufgeführt bei Böhmer, Regeſten König Rudolf's, Nr. 287.


