18
folgenden beiden Stellen der Vita, in welchen der Verfaſſer ſeine Vorliebe für dieſes Kloſter bekundet, mit großer Wahrſcheinlichkeit vermuthen laſſen: Brevi temporis processu Herveldense nomen in immensum gloria et magnitudinis culmen evaserat und weiter: Quantus honor, profectus et reverentia ex hoc(von der Übertragung der Gebeine des h. Wigbert iſt die Rede) loco illi accreverit, cunctis ibi degentibus hodieque est in propatulo. Mit Recht hat daher auch Vanhecke die ſeit Mabillon herkömmliche Bezeichnung für den Verfaſſer der gedachten Lebensbeſchreibung Anonymus Gemmelacensis in die Bezeichnung Monachus Hers- ſeldensis verwandelt(p. 1083). Daß der Verfaſſer dem Kloſter Hersfeld angehörte, dürfte auch auf ſeine Auffaſſung des zwiſchen Lullus und Sturmius geführten Streites nicht ohne Einfluß geweſen ſein. Auf keinen Fall darf das angeführte Urtheil über dieſen Streit das Gewicht der Stimme eines Zeitgenoſſen haben, da der Verfaſſer jedenfalls einer viel ſpäteren Zeit angehörte und wahrſcheinlich nicht vor das elfte Jahrhundert geſetzt werden darf. Überhaupt finden wir bei keinem älteren Schriftſteller eine Außerung über das gedachte unfreundliche Verhältniß zwiſchen Lullus und Sturmius und ſchon dieſes muß uns in der Beurtheilung desſelben vorſichtig machen. Die Darſtellung Eigil's hat viele neuere Schriftſteller zu einem ſehr ungünſtigen Urtheile über den Character Lull's verleitet, von welchen der Franzoſe Claude Chaſtelain ſogar ſoweit gegangen iſt, in ſeinem Martyrologe univers. p. 716 über Lullus zu äußern: Son nom ne se voit dans aucun des anciens martyrologes; et avec assez de fondement, vu la manière peu chrétienne dont s. Ludger(der Verfaſſer verwechſelt hier den h. Eigil mit dem h. Luidger, zu welchem Irrthum ein arges Verſehen in Mabillon's Elogium S. Lulli Veranlaſſung gegeben hat) l'accuse d'en avoir usé avec S. Sturme. Von anderen Schriftſtellern iſt Eigil einer großen Ungerechtigkeit gegen Lullus und einer blinden Parteilich⸗ keit für Sturmius angeklagt worden. Man wird ſich eines beſtimmten Urtheils über dieſen Streit und über den Grad der Schuld, welche jeder der Betheiligten etwa gehabt haben könnte, enthalten müſſen, wohl aber annehmen können, daß Lullus und Sturmius Alles, was ſie thaten, in der feſten Überzeugung von der Rechtmäßigkeit ihrer Anſprüche thaten, und daß die zwiſchen Beiden herrſchende Spannung mehr durch fremde Einmiſchung, wie es in ſolchen Fällen zu geſchehen pflegt, als durch die Schuld jener beiden vortrefflichen Männer zu einem ſolchen Grade von Bitterkeit geſteigert worden iſt. Eigil hatte jedenfalls den beſten Willen, über dieſen Punct wie über alle anderen die Wahrheit zu ſchreiben, mochte jedoch unwillkürlich der in ſeiner Umgebung gegen Lullus herrſchenden feindlichen Stimmung zu viel Einfluß auf ſeine Beurtheilung des fraglichen Streites geſtatten, und namentlich wird man der Annahme, daß ein Mann wie Lullus ſich bei ſeinem Benehmen gegen Sturmius vom Neide auf deſſen Verdienſte habe leiten laſſen, aufs entſchie⸗ denſte entgegentreten müſſen. Ich verweiſe übrigens auf das treffende und unbefangene Urtheil des Jeſuiten Vanhecke in dem„De controversia exorta inter SS. Lullum et Sturmium circa cœnobium Fuldense“ über-⸗ ſchriebenen Abſchnitte ſeiner oben erwähnten Abhandlung in den Act. SS.(p. 1063).
Was nun den eigentlichen Gegenſtand jenes Streites betrifft, ſo hat man früher annehmen zu müſſen geglaubt, es habe ſich bei demſelben um das biſchöfliche Oberaufſichtsrecht über das Kloſter Fulda gehandelt, welches Lullus geltend gemacht, Sturmius aber, geſtützt auf das vom Papſte Zacharias an Bo⸗ nifacius ertheilte Privilegium, nicht habe gelten laſſen wollen. Dieſe Annahme iſt jedoch unrichtig(welche Bewandtniß es mit jenem Privilegium hatte, wird weiter unten erörtert werden) und es muß als unzweifel⸗ haft betrachtet werden, daß in jenen älteſten Zeiten Mainz wirklich das Episcopalrecht über das Kloſter Fulda ausgeübt hat, was noch für die Zeit des Abtes Ratgar durch die von den Mönchen gegen ihn ein⸗ gereichte Beſchwerdeſchrift bewieſen werden kann(Libellus supplex,§. 19. Schannat Cod. Prob. p. 86). In Eigil's Darſtellung iſt nicht das Mindeſte enthalten, was darauf ſchließen ließe, daß es ſich bei jenem


