Aufsatz 
Eigil's Leben des hl. Sturmius : Übersetzung und Anmerkungen ; Zweite Abteilung
Entstehung
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Streite um das biſchöfliche Oberaufſichtsrecht uber das Kloſter Fulda gehandelt habe, und doch iſt Eigil der einzige Gewahrsmann für dieſen Gegenſtand, der von keinem anderen Schriftſteller jener Zeit, wie ſchon bemerkt, berührt wird. Der Streit betraf vielmehr das Eigenthumsrecht des Kloſters und die mit demſelben verbundene Aufſicht über den Güterbeſitz desſelben, welche Lullus für ſich in Anſpruch nahm, Sturmius ihm aber nicht einräumen wollte. Die Worte Eigil's(Lullus interim obtinuit apud Pippinum regem.... ut monasterium Fulda in suum dominium donaretur acceptaque super illud ditione abbatem ibi qui sibi per omnia obtemperaret, constituit etc, und weiter unten, wo von der Wiedereinſetzung Sturms durch Pippin die Rede iſt: eique monasterium Fuldæ, quod prius habuit, ad regendum commendavit, absalutumque ab omni dominio Lulli episcopi ad cœnobium Fuldæ eum cum omni honore ire præcepit) deuten ſo klar auf den eigentlichen Gegenſtand des Streites hin, daß es ſchwer zu begreifen iſt, wie dieſer Punct ſo lange Zeit hindurch ganz unrichtig aufgefaßt werden konnte. Die Darſtellung, welche Müller(die deutſchen Stämme und ihre Fürſten, II, 448) gibt, faßt das Sachverhältniß im Allgemeinen richtig auf:Bonifacius hatte nämlich vor ſeinem Tode ſeinem Nachfolger und Liebling Lullus das Kloſter zu Fulda ganz beſonders em⸗ pfohlen. Dieſer nahm ſich desſelben auch mit vielem Eifer an, jedoch auf eine Art, die dem Abte Sturm den Verdacht einflößen mußte, als beabſichtige Lullus die Abtei ganz von ſich in Abhängigkeit zu bringen. Darüber geriethen die beiden geiſtlichen Väter in Streit mit einander, und Lullus brachte es ſogar dahin, daß Sturm im Jahre 765 vom Könige Pippin in's Exil geſandt ward, bis es demſelben zwei Jahre ſpäter wieder gelang, ſeine geiſtliche Stellung zurückzuerhalten und die Freiheit und Unabhängigkeit des Kloſters von neuem beſtätigt zu ſehen. Dadurch wurde nun Lullus beſtimmt, ein neues Kloſter anzulegen, das wenigſtens das Anſehen, welches das fulddaiſche Kloſter gehabt, mit demſelben zu theilen im Stande ſei. Gleich bei Pippin's Tode ſchritt er zur Ausführung dieſes Unternehmens und wählte dazu den Ort Hers⸗ feld in Buchonia an der Fulda, wo Sturm ſelbſt ſich früher bei der Aufſuchung der Stelle zur Gründung des Kloſters Fulda aufgehalten hatte, und deſſen Lage, damals noch durch die Sachſen gefährdet, jetzt ſchon mehr geſichert war. Am richtigſten iſt die Sache von Rettberg(1. 611) aufgefaßt worden und ich kann mir nicht verſagen, die ganze betreffende Stelle hier anzuführen, da ſich das Sachverhältniß nicht deutlicher darlegen läßt als hier geſchehen iſt:In den Fuldaiſchen Schenkungen von Bonifaz Tode bis 765 findet ſich auffallend der Name des Sturm als Abtes gar nicht vor, wie es doch ſonſt in dergleichen Ur⸗ kunden üblich iſt. Die geſchenkten Ländereien liegen größtentheils in der Rheingegend; die meiſten Diplome ſind zu Mainz verfaßt, gingen alſo durch Lull's Hände; man kann darin die Unterdrückung von Sturmys Namen gewiß nur als abſichtlich betrachten, und dann liegt der Schluß nahe, daß Lullus ſich als den eigentlichen Vorſtand von Fulda angeſehen hat, dagegen den Sturm nur als einen Unterabt, in demſelben Sinne wie bei Lebzeiten des Bonifaz. Ja bei Ankauf des Schloſſes Bingen an der Nahe iſt ausdrücklich bemerkt, daß die Zahlung von Fuldaiſchem Gelde geſchehe, und doch wird Lullus als Käufer angegeben. Offenbar faßt alſo Lullus ſeine Stellung in jeder Hinſicht als Nachfolger des Bonifacius auf, ausdrücklich auch mit dem Eigenthumsrecht über Fulda; der Auftrag des ſcheidenden Bonifaz, den Bau der Baſilica am Uſer der Fulda zu vollenden, war ja ihm und nicht dem Abte Sturm ertheilt(Willib. cap. 33, Pertz II, 349: tuque ædiſicationem basilicw iam inchoaiæ ad Fuldam comple). Lullus wird alſo ſein Recht auf das Kloſter nicht bloß in ſeiner biſchöſlichen Aufſicht gefunden, denn daraus folgte doch unmöglich die Befugniß zu Geldgeſchäften, wenn auch im Intereſſe des Kloſters, ſondern ausdrücklich als ein Erbtheil des Bonifacius betrachtet haben, in deſſen Rechte er ganz einzutreten wünſchte. Beweiſend hiefür iſt noch der Umſtand, daß er gleich nachher, als im Streite mit Sturm durch deſſen Nuͤckkehr aus dem Exil 767 ſeine Anſprüche 3*