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Ratbod(die einheimiſchen Nachrichten bezeichnen ihn als König, während er bei mehreren fränkiſchen Schriftſtellern nur Herzog heißt), welcher von 679— 719 regierte, war im Kampfe mit dem fränkiſchen Hausmeier Pippin von Heriſtal anfangs glücklich; allein 689 wurde er von Letzterem bei Dorſtadt geſchlagen (Fredeg. Contin. c. 102, Bouquet II, 452) und das Land bis zum alten Rhein in fränkiſche Abhängigkeit gebracht. Aber nach Pippin's Tode(714) gelang es Natbod, das Land links vom alten Rhein wiederzu⸗ erobern, ja er ging ſogar gegen die Macht der Franken zum Angriffe über und Karl Martell, der neue Hausmeier derſelben, erlitt von den Frieſen, welche den Rhein hinaufgezogen waren, unweit Köln im J. 715 eine bedeutende Niederlage(Fredeg. Contin. 715, Bouqguet II, 453; Annal. Lauriss. minor. Pertz I, 114). Der tapfere und unternehmende Ratbod behauptete bis zu ſeinem Tode(719) ſeine Unabhängigkeit, aber von da an wurden die Unternehmungen der Franken gegen die Frieſen, welchen es an Einheit und an einem tüchtigen Oberbefehle gefehlt zu haben ſcheint, immer erfolgreicher. Entſcheidend für die Unterwerfung der Frieſen war der von Karl Martell gegen dieſelben unternommene Seezug, bei welchem 734 die Frieſen in einer großen Schlacht, in welcher ihr Anführer Poppo fiel, vollſtändig geſchlagen wurden(Predeg. Cont. c. 109; Annal. Petav. 734, Pertz I, 114, wo aber unrichtig dieſer Seezug in das J. 729 verlegt wird) und wenn auch in der Folge noch wiederholte Aufſtände berichtet werden, ſo kann man doch von dem J. 734 an die Unterwerfung der Frieſen im Ganzen als geſichert betrachten.
Die Bekehrung der Frieſen ging wie die der Sachſen Hand in Hand mit den fränkiſchen Waffen und ihre Erfolge wurden durch die Fortſchritte der letzteren weſentlich unterſtützt. Der Angelſachſe Willibrord, welcher der Apoſtel der Frieſen genannt wird, begann ſeine Miſſionsthätigkeit 690(Mabillon III, 1, 607 not. a), alſo bald nach dem oben erwähnten, von Pippin 689 bei Dorſtadt erfochtenen Siege. Als er mit ſeinen elf Gefährten in Friesland erſchien, befand ſich das Land nur bis zum alten Rhein in fränkiſcher Ge⸗ walt und ſelbſt Utrecht war noch in Ratbod's Händen(Alcuin, vita Willibrordi c. 6, Mabill. III, 1, 607). Willibrord wirkte nicht nur in den von den Franken unterworfenen Gegenden, ſondern auch nördlich vom Flevum(der Landſee, durch welchen der nördlichſte Rheinarm ſich an der Stelle in's Meer ergoß, wo durch ſpätere Einbrüche der jetzige Zuyderſee entſtand, hieß das Flevum oder Flevo) in dem noch unabhängigen Friesland, doch wurde ſeine Wirkſamkeit durch den Tod Pippin's ſehr erſchwert und gehemmt. Zwar unter⸗ nahm er, nachdem durch den Sieg Karl Martell's günſtigere Verhältniſſe eingetreten waren, ſelbſt in dem Lande jenſeit des Flevum Bekehrungsverſuche, ja er drang ſogar bis zu den Nordfrieſen nördlich von der Eider und nach Helgoland vor; doch ſcheint bei ſeinem Tode, der, nach fünfzigjährigem Wirken in Fries⸗ land, 738 oder 739 erfolgte, die Bekehrung nur in der ſüdlichen Abtheilung Frieslands, dem Lande zwiſchen Sinkfal und Flevum, vollendet geweſen zu ſein. Sie wurde mit günſtigem Erfolge fortgeſetzt von Gregor, dem aus dem Königsgeſchlechte der Merovinger ſtammenden Schüler des h. Bonifacius und ſeinen Gehilfen Lebuin, Willehad, dem ſpäteren Biſchof von Bremen, und Marchelm(Marcellin), worauf ſie durch Gregor's Schüler Liudger, einen gebornen Frieſen, der in der Folge das Bisthum Münſter erhielt, beendigt wurde. In dem frieſiſchen Geſetze, welches Karl d. G. 802 aufzeichen ließ, erſcheint die Bekehrung Friesland völlig beendet.
Die beiden erſten Miſſionsreiſen des h. Bonifacius nach Friesland fallen in die Zeit der Wirkſamkeit des h. Willibrord. Von London aus begab er ſich 716 nach Dorſtadt, allein die Verhältniſſe waren für ſein Wirken ſehr ungünſtig, da Pippin von Heriſtal bereits geſtorben war und Karl Martell gegen Ratbod noch
⸗ keine Erfolge erkämpft hatte. Mit Letzterem hatte Bonifacius eine erfolgloſe Zuſammenkunft zu Utrecht und ſchon im Spätherbſt 717 entſchloß er ſich zur Rückkehr nach England(Willibaldi Vita Bonif. cap. 4, Pertz


