Aufsatz 
Eigil's Leben des hl. Sturmius : Übersetzung und Anmerkungen ; Zweite Abteilung
Entstehung
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Märtyrer und begruben ſie theils an der Stätte, wo ſie ihren Tod gefunden, theils aber führten ſie die⸗ ſelben mit ſich hinweg und zwar die Leichname des heiligen Biſchofes Bonifacius und der heiligen Prieſter und Diaconen, welche mit ihm zugleich gelitten hatten, auch den eines Biſchofes, welcher Coban hieß; doch konnten ſie das Haupt des Letzteren, welches ihm die Feinde abgehauen hatten, nicht auffinden. Als ſie nun wieder in ihrer Heimat angelangt waren, ſtellten ſie den Leichnam des heiligen Biſchofes Bonifacins mit der Bahre, auf welcher er zu Schiffe dahin gebracht worden war, in der ihnen zunächſt gelegenen kleineren Kirche auf und beſtatteten dann die Leichname der übrigen Märtyrer. Hierauf hielten alle Be⸗ wohner dieſes Ortes eine große Verſammlung und pflogen darüber Berathung, dem Leichname des heiligen Märtyrers Bonifacius bei ihnen an dieſem Orte für alle Zeit eine Ruheſtätte zu bereiten; denn ſie erkannten gar wohl, daß es ihnen zu großem Heile gereichen würde, wenn ſie ſich des Schutzes eines ſolchen Mär⸗ tyrers erfreuen könnten. Sie veranſtalteten Faſten und Gebete und flehten zu Gott, daß der heilige Mär⸗ tyrer ſich herablaſſen möge, bei ihnen ſeinen Ruheplatz ſich zu erwählen und ſchickten ſich an, ihm in der größeren Baſilicas eine würdige Grabſtätte zu bereiten. Der heilige Märtyrer aber wollte, daß ſein Leichnam nach dem Orte in der Einöde, welchen er ſich ſelbſt nach göttlicher Eingebung zu ſeiner Ruheſtätte auser⸗ wählt hatte, gebracht werde, und dies ließ ſich alsbald deutlich erkennen. Denn als man den Leichnam zu der anderen Kirche bringen wollte, um ihn hier in dem für ihn beſtimmten Sarge beizuſetzen, und Hand an die Bahre legte, konnte dieſelbe nicht emporgehoben werden, und als noch viele Andere zum Beiſtande herbeieilten, war man gleichwohl nicht im Stande, die Bahre, auf welcher der heilige Leichnam lag, von der Stelle zu bewegen.*

Alle erkannten nun, daß es des Heiligen Wille nicht ſei, an jenem Orte zu bleiben und erklärten laut, daß er nach der Stadt Mainz gebracht werden müſſe. Ohne irgend eine Schwierigkeit konnten ſie jetzt die Bahre emporheben, brachten dieſelbe an den Fluß und auf ein Schiff, welches ſie ſogleich den Rheinſtrom hinauf zu ziehen begannen, um in die oberen Gegenden zu gelangen. Auf dieſe Nachricht brach Sturmi ſogleich von dem in der Einöde gegründeten Kloſter Fulda auf, um dem Zuge entgegenzugehen und kam mit jenen, welche nach einer leichten und glücklichen Fahrt nach Mainz gelangten, gleichzeitig in dieſer Stadt an. Sogleich eilten nun die Prieſter und die ganze Geiſtlichkeit der Stadt herbei, nahmen den Leichnam des heiligen Märtyrers in Empfang und ſtellten ihn feierlich in ihrer Baſilica auf. Einſtimmig erklärten nun alle Prieſter und Geiſtliche wie auch das ganze Volk, der heilige Märtyrer Gottes dürfe durchaus an keinen anderen Ort gebracht werden, ſondern, wo er bei Lebzeiten ſeinen biſchöflichen Sitz gehabt habe, da müſſe ihm auch ſeine leibliche Ruheſtätte werden. Überdies kam auch noch vom Palaſte des Königes ein Bote mit der Nachricht an, der König habe befohlen, daß der Leichnam des heiligen Mäͤrtyrers, wenn es nämlich deſſen eigener Wille ſei, in der Stadt Mainz beſtattet werde. Sturmi aber und Diejenigen, welche mit ihm aus der Einöde nach Mainz gekommen waren, blieben beharrlich bei der Erklärung, der heilige Biſchof habe oft, während er bei ihnen verweilte, ihnen den Ort, wo ſie ſeinen Gebeine beſtatten ſollten, bezeichnet und es ſei nicht dem mindeſten Zweifel unterworfen, daß er ſich bei ihnen in der Einſamkeit ſeine leibliche Ruhe⸗ ſtätte erwählt habe. Während ſie nun auf dieſe Weiſe mit einander ſtritten und Lullus,° der Biſchof jener Stadt, auf jede Weiſe zu verhindern bemühet war, daß der Leichnam des ſeeligen Märtyrers in die Ein⸗ ſamkeit gebracht würde, ſiehe! da erſchien der heilige Biſchof einem Diaconen ¹t in einem nächtlichen Ge ſichte und ſprach:Was zögert ihr, mich nach meinem geliebten Fulda zu bringen? Erhebet euch ſchnell und führt mich ohne Zaudern in die Einſamkeit nach dem mir von Gott beſtimmten Orte. Der Diacon erhob ſich ſogleich von ſeinem Lager und berichtete zuerſt dem Sturmi, dann allen igeſehenm Männern